Am 22. Jänner 2026 wird das Jüdische Museum Wien zu einem Ort der lebendigen Erinnerung. Anlässlich des Internationalen Holocaustgedenktags beginnt hier das Projekt „Gelesene Erinnerungen“. Dieses Vorhaben zielt darauf ab, die Geschichten von Holocaust-Überlebenden in den Mittelpunkt zu rücken und s
Am 22. Jänner 2026 wird das Jüdische Museum Wien zu einem Ort der lebendigen Erinnerung. Anlässlich des Internationalen Holocaustgedenktags beginnt hier das Projekt „Gelesene Erinnerungen“. Dieses Vorhaben zielt darauf ab, die Geschichten von Holocaust-Überlebenden in den Mittelpunkt zu rücken und sie für die heutige Generation erfahrbar zu machen. Die Initiative ist besonders relevant für Wien, eine Stadt, die tief in der Geschichte des Nationalsozialismus verwurzelt ist.
Das Projekt „Gelesene Erinnerungen“ wird im Project Space des Jüdischen Museums Wien durchgeführt. Vom 22. Jänner an verwandelt sich dieser Raum in eine offene Lesebühne, auf der prominente Schauspieler*innen aus der österreichischen Theaterlandschaft Auszüge aus den Berichten von Holocaust-Überlebenden lesen. Ziel ist es, den Begriffen Holocaust und Schoa, die für viele junge Menschen zunehmend abstrakt werden, ein Gesicht zu geben.
Fachbegriffe wie „Holocaust“ und „Schoa“ bezeichnen die systematische Vernichtung von sechs Millionen Juden durch das nationalsozialistische Regime während des Zweiten Weltkriegs. Diese Begriffe sind nicht nur historische Bezeichnungen, sondern stehen für das unfassbare Leid und die Zerstörung, die über Europa gebracht wurden. Die Schoa, ein hebräisches Wort, bedeutet „Katastrophe“ und wird oft synonym mit Holocaust verwendet, um die spezifische Vernichtung der Juden zu beschreiben.
Die historische Entwicklung dieser Gedenkveranstaltungen ist tief in der Nachkriegsgeschichte verankert. Der erste Holocaust-Gedenktag fand 1945 statt, als die Alliierten die Konzentrationslager befreiten. In Österreich hat sich die Erinnerungskultur seit den 1980er Jahren intensiviert, als erstmals öffentlich über die österreichische Mitschuld am Holocaust diskutiert wurde. Die Errichtung von Gedenkstätten und die Einführung des Nationalen Gedenktages im Jahr 1997 waren Meilensteine in der österreichischen Aufarbeitung der Vergangenheit.
Im Vergleich zu anderen Ländern wie Deutschland und der Schweiz hat Österreich lange gebraucht, um sich seiner Verantwortung zu stellen. In Deutschland gibt es seit den 1960er Jahren eine intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, während in der Schweiz die Rolle des Landes während des Krieges ebenfalls kritisch beleuchtet wurde. Österreich hat jedoch in den letzten Jahrzehnten erheblich aufgeholt und setzt nun weltweit beachtete Standards in der Gedenkkultur.
Das Projekt hat konkrete Auswirkungen auf die Bürger*innen Wiens. Es bietet nicht nur die Möglichkeit, sich direkt mit den Geschichten der Überlebenden auseinanderzusetzen, sondern fördert auch das Bewusstsein für die Bedeutung der Erinnerungskultur. Ein Beispiel ist die Teilnahme von Schülergruppen, die im Rahmen des Unterrichts das Museum besuchen und an den Lesungen teilnehmen. Diese Erfahrungen tragen dazu bei, die Bedeutung von Toleranz und Menschlichkeit zu vermitteln.
Zahlen & Fakten: Rund 20 Schauspieler*innen aus renommierten Theatern wie dem Burgtheater und dem Volkstheater lesen unentgeltlich aus den Erinnerungen der Überlebenden. Die Lesungen finden an mehreren Terminen statt, wobei der Eintritt kostenlos ist. Dies ermöglicht einem breiten Publikum den Zugang zu diesen wichtigen historischen Zeugnissen.
Expertenstimmen betonen die Bedeutung solcher Projekte für die Gesellschaft. Sie fördern das Verständnis für die Vergangenheit und helfen, die Lehren daraus in die Gegenwart zu übertragen. Die Kooperation mit dem Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus zeigt die breite Unterstützung, die das Projekt erfährt.
Die Zukunftsperspektive des Projekts „Gelesene Erinnerungen“ ist vielversprechend. Es könnte als Modell für ähnliche Initiativen in anderen Städten dienen und so die Erinnerung an den Holocaust lebendig halten. Die Integration digitaler Medien könnte die Reichweite und Wirkung der Lesungen weiter erhöhen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Gelesene Erinnerungen“ ein bedeutendes Projekt ist, das die Erinnerung an den Holocaust auf eindrucksvolle Weise lebendig hält. Es bietet eine Plattform für Reflexion und fördert das Verständnis für die Schrecken der Vergangenheit. Interessierte können weitere Informationen auf der Website des Jüdischen Museums Wien finden. Besuchen Sie die Lesungen und lassen Sie sich von den Geschichten der Überlebenden berühren.