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Gewerkschaft vida kritisiert Svazek scharf wegen Lehrlingspolitik

Offener Brief wirft Salzburgs LH-Stellvertreterin Widersprüche vor

28. Februar 2026 um 12:33
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Die Gewerkschaft vida konfrontiert Marlene Svazek mit deutlicher Kritik an ihrer Arbeitsmarktpolitik und fordert echten Schutz für Lehrlinge.

In einem bemerkenswert deutlichen offenen Brief konfrontiert die Gewerkschaft vida Salzburgs Landeshauptmann-Stellvertreterin Marlene Svazek mit scharfer Kritik an ihrer jüngsten Aussendung zur Rot-Weiß-Rot-Karte für Lehrlinge. Olivia Janisch, stellvertretende Vorsitzende und Frauenvorsitzende der vida, wirft der FPÖ-Politikerin vor, die wahren Probleme am Arbeitsmarkt auszublenden und den ÖGB als "wirtschaftsfeindlich" zu diffamieren.

Widersprüche zwischen Worten und Taten

Der Kernvorwurf der Gewerkschaft wiegt schwer: Während Svazek öffentlich die Rekrutierung von Drittstaatsarbeitskräften ablehnt, nutzt das Land Salzburg unter ihrer Regierungsbeteiligung genau diese Instrumente in erheblichem Umfang. "Worte und Taten Ihrer Politik widersprechen sich", stellt Janisch in ihrem Brief vom 27. Februar 2026 fest.

Besonders pikant: Salzburg und Oberösterreich - beide Länder mit FPÖ-Regierungsbeteiligung - haben sich nachweislich massiv für Erleichterungen bei der Drittstaatenzuwanderung eingesetzt. Das Ergebnis zeigt sich in den regionalen Mangelberufslisten, wo Oberösterreich und Salzburg jene with den meisten Berufen führen.

Salzburg als Spitzenreiter beim "Arbeitskräfteimport"

Die von vida präsentierten Zahlen sind ernüchternd: Obwohl das Bundesland Salzburg über 15.000 Arbeitssuchende, eine steigende Frauenarbeitslosigkeit und eine Jugendarbeitslosigkeit von 12,4 Prozent ausweist, setzt die Salzburger Wirtschaft so stark auf Drittstaatenarbeitskräfte wie in keinem anderen Bundesland.

Besonders im Tourismus zeigt sich diese Diskrepanz deutlich: Salzburg und Oberösterreich haben jeweils doppelt so viele Beschäftigte im Tourismus über Rot-Weiß-Rot-Karten beschäftigt als alle anderen "Tourismusbundesländer". Salzburg setzt zudem massiv auf ausländische Saisonarbeitskräfte.

Schutz für weibliche Lehrlinge gefordert

Ein besonders brisanter Punkt in Janischs Brief betrifft den Schutz weiblicher Lehrlinge. Die vida-Bundesfrauenvorsitzende fordert Svazek auf, als maßgebliche Landespolitikerin weibliche Lehrlinge stärker zu schützen: "Wie Sie sicherlich wissen, sind weibliche Lehrlinge immer häufiger Übergriffen im Betrieb ausgesetzt."

Die Gewerkschaft fordert konkrete Maßnahmen: Unternehmen sollen sanktioniert werden, die zulassen, dass Lehrlinge als billige Hilfskräfte behandelt werden und nicht ausreichend auf Lehrabschlussprüfungen und das Berufsleben vorbereitet werden.

Frauen als Verliererinnen der Arbeitsmarktpolitik

Janisch zeichnet ein düsteres Bild der Situation von Frauen am Salzburger Arbeitsmarkt: Die Frauenarbeitslosigkeit steigt stärker an als jene der Männer. Gerade im Gesundheits- und Pflegebereich sowie im Tourismus - Branchen mit überwiegend weiblichen Beschäftigten - werden bereits viele Menschen mit Migrationsbiografie und aus Drittstaaten eingesetzt.

Die Gewerkschafterin kritisiert die Kürzung des Pflegebonus für Frauen, die fehlende öffentliche Verkehrsversorgung in den Salzburger Tälern und die gestiegenen Wohn- und Mietkosten, die Frauen besonders treffen.

Arbeitsmarktpolitik unter der Lupe

Die vida stellt grundsätzliche Fragen zur Salzburger Arbeitsmarktpolitik: Zu welchen Bedingungen werden Arbeitskräfte aus Drittstaaten beschäftigt? Wie wird sichergestellt, dass es nicht zu einem Verdrängungswettbewerb von bestehenden Arbeitskräften und Arbeitsuchenden kommt? Wie wird die Einhaltung arbeitsrechtlicher Vorschriften wie Arbeitszeitgesetz und Arbeitsruhegesetz garantiert?

"Mehr Geld für Unternehmen löst keines der angesprochenen Probleme", stellt Janisch klar. "Es braucht echtes Einschreiten im Sinne der Beschäftigten im Land Salzburg."

Einladung zum konstruktiven Dialog

Trotz aller Kritik endet der offene Brief versöhnlich: Die Gewerkschaft lädt Svazek ein, den konstruktiven Dialog aufzunehmen und "wirklich für die arbeitenden Menschen zu arbeiten, anstatt den ÖGB zum Sündenbock für verfehlte Landespolitik zu machen."

Janisch betont: "Die Herausforderungen am Salzburger und österreichischen Arbeitsmarkt sind zu ernst für politische Inszenierungen." Die Gewerkschaft fordert Ehrlichkeit in der öffentlichen Debatte und ein Ende der Stimmungsmache mit Widersprüchen.

Hintergrund der Kontroverse

Der offene Brief ist eine Reaktion auf Svazeks Presseaussendung vom 26. Februar 2026 unter dem Titel "Ausbilden statt importieren!", in der sie die Pläne der Bundesregierung zur Rot-Weiß-Rot-Karte für Lehrlinge kritisiert hatte. Die vida sieht darin eine Ablenkung von den wahren Problemen am Arbeitsmarkt und eine ungerechtfertigte Attacke auf die Gewerkschaftsarbeit.

Die Auseinandersetzung zeigt exemplarisch die Spannungen zwischen gewerkschaftlichen Positionen und der Politik der FPÖ in Salzburg auf. Während Svazek "Ausbilden statt importieren" propagiert, praktiziert ihr eigenes Bundesland nach Darstellung der vida genau das Gegenteil.

Forderungen der Gewerkschaft

Die vida formuliert in ihrem Brief konkrete Erwartungen an die Salzburger Landespolitik:

  • Besserer Schutz für Lehrlinge, insbesondere weibliche Lehrlinge vor Übergriffen
  • Sanktionierung von Unternehmen, die Lehrlinge als billige Hilfskräfte missbrauchen
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege und im Tourismus
  • Ausbau der öffentlichen Verkehrsversorgung in den Tälern
  • Mehr Kinderbildungsangebote für arbeitende Mütter
  • Maßnahmen gegen steigende Wohn- und Mietkosten

Der Brief macht deutlich, dass die Gewerkschaft vida nicht bereit ist, sich als "wirtschaftsfeindlich" abstempeln zu lassen. Stattdessen positioniert sie sich als Vertreterin der arbeitenden Menschen und fordert eine Politik ein, die deren Interessen wirklich in den Mittelpunkt stellt.

Schlagworte

#Gewerkschaft vida#Marlene Svazek#Salzburg#Lehrlingsausbildung#Arbeitsmarktpolitik#Rot-Weiß-Rot-Karte#FPÖ

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