US-Investmentbank hält nun 9,87 Prozent der Stimmrechte am oberösterreichischen Faserhersteller
Goldman Sachs hat seine Gesamtbeteiligung an der Lenzing AG von 10,34 auf 9,87 Prozent reduziert. Die Stimmrechtsmitteilung gibt Einblick in komplexe Finanzstrukturen.
Der US-amerikanische Finanzriese Goldman Sachs hat seine Beteiligung am oberösterreichischen Faserspezialisten Lenzing AG leicht reduziert. Wie aus einer am 30. Dezember 2025 veröffentlichten Stimmrechtsmitteilung hervorgeht, sank die Gesamtposition der Goldman Sachs Group von zuvor 10,34 Prozent auf nunmehr 9,87 Prozent der Stimmrechte. Die relevante Schwellenberührung erfolgte bereits am 10. Dezember 2025.
Die Mitteilung gemäß § 135 Abs. 2 des österreichischen Börsegesetzes gibt detaillierte Einblicke in die vielschichtige Beteiligungsstruktur des amerikanischen Finanzkonzerns an dem in Lenzing ansässigen Unternehmen. Die Gesamtposition setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: Direkte Stimmrechte, die zu Aktien gehören, machen 6,44 Prozent aus, während Finanz- und sonstige Instrumente weitere 3,43 Prozent repräsentieren.
Bei den direkten Aktienbeteiligungen handelt es sich um insgesamt 2.485.941 Stimmrechte, die indirekt über verschiedene Tochtergesellschaften gehalten werden. Die Lenzing AG verfügt insgesamt über 38.618.180 Stimmrechte, was die Bedeutung des Goldman-Sachs-Anteils unterstreicht.
Ein bemerkenswertes Detail der Stimmrechtsmitteilung: Der rechtliche Eigentümer der Aktien ist nicht Goldman Sachs selbst, sondern die Nationale-Nederlanden Levensverzekering Maatschappij N.V., eine Tochtergesellschaft des niederländischen Finanzdienstleisters NN Group N.V. Goldman Sachs Asset Management B.V. übt lediglich die Stimmrechte für diese Aktien aus, ohne deren Eigentümer zu sein.
Diese Konstellation verdeutlicht die komplexen Verflechtungen internationaler Finanzinstitutionen und die Praxis des Asset Managements, bei der Vermögensverwalter im Auftrag von Eigentümern Stimmrechte ausüben und Investitionsentscheidungen treffen.
Neben den direkten Aktienbeteiligungen setzt Goldman Sachs verschiedene Finanzinstrumente ein, um seine Position bei der Lenzing AG zu steuern. Diese lassen sich in zwei Kategorien unterteilen:
Im Rahmen von Wertpapierleihe-Geschäften hält Goldman Sachs Instrumente, die 916.157 Stimmrechte repräsentieren, was einem Anteil von 2,37 Prozent entspricht. Diese Vereinbarungen haben kein festes Verfallsdatum und werden als "open" bezeichnet, können also theoretisch unbegrenzt fortgeführt werden.
Zusätzlich bestehen Swap-Vereinbarungen mit einem Verfallsdatum am 20. Juni 2035, die auf Barausgleich (Cash Settlement) ausgerichtet sind. Diese Instrumente repräsentieren 408.726 Stimmrechte beziehungsweise 1,06 Prozent der Gesamtstimmrechte.
Die Stimmrechtsmitteilung legt die vollständige Kette der kontrollierten Unternehmen offen, über die Goldman Sachs seine Beteiligung an der Lenzing AG hält. Diese Struktur umfasst nicht weniger als 20 verschiedene Gesellschaften, die in einer hierarchischen Kontrollkette angeordnet sind.
Die wichtigsten Beteiligungen verteilen sich dabei wie folgt:
Diese Struktur erstreckt sich über mehrere Jurisdiktionen, darunter die USA, Großbritannien und die Niederlande, und spiegelt die globale Präsenz des Finanzkonzerns wider.
In den Anmerkungen zur Stimmrechtsmitteilung wird darauf hingewiesen, dass diese Veröffentlichung eine Korrektur einer zuvor am 12. Dezember 2025 übermittelten Meldung darstellt. Die Beteiligungsmeldung wurde von der Lenzing AG am 23. Dezember 2025 entgegengenommen und eine Woche später veröffentlicht.
Die Lenzing AG mit Hauptsitz im gleichnamigen oberösterreichischen Ort ist einer der weltweit führenden Hersteller von Cellulosefasern. Das Unternehmen produziert holzbasierte Fasern für die Textil- und Vliesstoffindustrie und gilt als Pionier im Bereich nachhaltiger Fasertechnologie. Die Aktien des Unternehmens werden an der Wiener Börse gehandelt und sind im österreichischen Leitindex ATX vertreten.
Beteiligungsveränderungen internationaler Großinvestoren wie Goldman Sachs werden am österreichischen Kapitalmarkt aufmerksam beobachtet. Sie können Hinweise auf die Einschätzung der Investoren zur künftigen Entwicklung des Unternehmens geben, auch wenn eine Reduktion um weniger als einen halben Prozentpunkt keine dramatische Veränderung darstellt.
Die transparente Offenlegung solcher Beteiligungsveränderungen ist durch das österreichische Börsegesetz vorgeschrieben und dient dem Anlegerschutz sowie der Markttransparenz. Meldepflichtig sind Veränderungen, die bestimmte Schwellenwerte überschreiten oder unterschreiten.
Die Veröffentlichung erfolgte gemäß § 135 Abs. 2 des österreichischen Börsegesetzes 2018 mit dem Ziel der europaweiten Verbreitung. Diese Vorschriften stellen sicher, dass bedeutende Veränderungen in der Aktionärsstruktur börsennotierter Unternehmen zeitnah und transparent kommuniziert werden.
Die Stimmrechtsmitteilung wurde über den EQS News-Service verbreitet, einen spezialisierten Dienst der EQS Group für die Verteilung regulatorischer Unternehmensmeldungen. Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent beziehungsweise Herausgeber verantwortlich.
Die leichte Reduktion der Goldman-Sachs-Beteiligung an der Lenzing AG reiht sich in die normalen Aktivitäten großer institutioneller Investoren ein. Ob es sich um eine strategische Neuausrichtung oder lediglich um Portfolio-Anpassungen handelt, lässt sich aus der Stimmrechtsmitteilung allein nicht ableiten. Anleger und Marktbeobachter werden die weitere Entwicklung der Beteiligungsverhältnisse bei dem oberösterreichischen Faserspezialisten weiterhin verfolgen.