Wohnraum verschwindet durch touristische Kurzzeitvermietung - Nur drei Anmeldungen bei über 400 Inseraten
Die Grünen Wieden prangern das Versagen der Stadt Wien bei der Regulierung von AirBnB an. Nur drei gemeldete Wohnungen stehen 400 Inseraten gegenüber.
Die touristische Kurzzeitvermietung über Plattformen wie AirBnB entwickelt sich in Wien zu einem immer größeren Problem. Dies zeigt sich besonders deutlich im 4. Bezirk, wo die Grünen nun mit konkreten Zahlen die Diskrepanz zwischen gemeldeten und tatsächlich vermieteten Wohnungen aufzeigen.
Rollkoffer im Stiegenhaus, nächtlicher Lärm und Müllsäcke im Gang - was für viele Bewohnerinnen und Bewohner auf der Wieden einst Ausnahme war, ist mittlerweile zum belastenden Alltag geworden. Diese Störungen sind jedoch nur die sichtbaren Symptome eines weitaus größeren strukturellen Problems: Wohnraum verschwindet vom Markt, während gleichzeitig Mieten und Lebenshaltungskosten kontinuierlich steigen.
Die Grünen Wieden machten das Problem kürzlich mit einer symbolischen Aktion sichtbar: Mit Rollkoffern zogen sie durch den Bezirk, um zu demonstrieren, wie touristische Kurzzeitvermietung das Gesicht von Wohnhäusern verändert. Die Reaktionen der Anrainerinnen und Anrainer waren eindeutig - viele berichteten bereitwillig von AirBnB-Wohnungen in ihren Häusern und den damit verbundenen Beeinträchtigungen.
"Diese Gespräche zeigen eindeutig: Das Problem ist real, es betrifft viele und es wird nicht besser. Die Stadt Wien lässt die Menschen damit seit Jahren im Stich", erklärt Pascal Riepl, stellvertretender Bezirksvorsteher der Grünen. Die Bewohnerinnen und Bewohner klagen über ständig wechselnde Gäste, Unruhe zu allen Tages- und Nachtzeiten und das Gefühl, dass ihr eigenes Wohnhaus immer weniger ein Zuhause wird.
Besonders problematisch ist dabei nicht nur die unmittelbare Beeinträchtigung der Wohnqualität, sondern auch der schleichende Verlust von nachbarschaftlichen Strukturen. Wenn Wohnungen dauerhaft an Touristen vermietet werden, gehen gewachsene Gemeinschaften verloren und etablierte Hausgemeinschaften werden destabilisiert.
Eine parlamentarische Anfrage der Grünen Wieden förderte erschreckende Zahlen zutage, die das Ausmaß des Kontrollversagens der Stadt Wien verdeutlichen. Im 4. Bezirk sind bei der zuständigen Baupolizei lediglich drei Wohnungen als touristische Kurzzeitvermietung ordnungsgemäß gemeldet. Gleichzeitig werden auf der Plattform AirBnB über 400 Wohnungen in diesem Bezirk angeboten.
Diese dramatische Diskrepanz zeigt, wie wenig Überblick die Stadtregierung über das tatsächliche Ausmaß der touristischen Kurzzeitvermietung hat. Zwar gibt es durchaus legale Angebote, etwa in Gebäuden, die bereits als Beherbergungsbetrieb gewidmet sind, doch fehlt bis heute ein funktionierendes System, das schnell und nachvollziehbar für die Durchsetzung bestehender Regeln sorgt.
Das Problem liegt nicht nur in der mangelhaften Registrierung, sondern auch in der fehlenden Kontrolle und Durchsetzung bestehender Vorschriften. Für die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner ist es letztendlich unerheblich, ob ein AirBnB-Angebot theoretisch legal sein könnte - sie müssen täglich mit den negativen Auswirkungen leben.
Die Stadt Wien hat es über Jahre hinweg versäumt, ein effektives System zur Überwachung und Regulierung der touristischen Kurzzeitvermietung zu etablieren. Dies führt zu einer Situation, in der illegale Anbieter praktisch ungestraft agieren können, während sich rechtschaffene Vermieter benachteiligt fühlen.
Besonders scharf kritisieren die Grünen die aktuelle Fassung der Wiener Bauordnung, die aus ihrer Sicht viel zu viele Schlupflöcher für die Umwandlung von Wohnraum in touristische Kurzzeitvermietung bietet. Die geltenden Bestimmungen erlauben es unter bestimmten Voraussetzungen sogar, in Wohnzonen das gesamte Erdgeschoß sowie 20 Prozent der restlichen Gebäudeflächen für touristische Zwecke umzuwidmen.
"Wenn Mieten steigen und der Druck auf jede freie Wohnung wächst, ist es politisch verantwortungslos, die Bauordnung so schwach zu belassen", kritisiert Georg Prack, Wohnsprecher der Grünen. Diese Regelung fungiere als "Einfallstor", das Wohnraum schleichend aus dem regulären Markt ziehe und somit das Angebot für ortsansässige Mieterinnen und Mieter weiter verknappe.
Die Grünen werfen der regierenden SPÖ und ihrem Koalitionspartner NEOS fahrlässiges und zu langsames Handeln vor. "SPÖ und NEOS handeln fahrlässig und viel zu langsam – und genau deshalb verbessert sich die Situation nicht", so Prack weiter. Die Politik der kleinen Schritte und des Abwartens führe dazu, dass sich die Situation für die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner kontinuierlich verschlechtere.
Dabei stehe Wien keineswegs alleine da mit diesem Problem. Andere europäische Städte wie Barcelona, Amsterdam oder Berlin haben bereits drastische Maßnahmen ergriffen, um die touristische Kurzzeitvermietung zu begrenzen und Wohnraum zu schützen. Wien hinke dieser Entwicklung deutlich hinterher.
"Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass Nachbarschaften zerfasern und Wohnhäuser zur touristischen Infrastruktur werden. Ein Bezirk ist kein Hotel", warnt Pascal Riepl vor den langfristigen gesellschaftlichen Folgen der ungeregelten touristischen Kurzzeitvermietung.
Die Umwandlung von Wohnraum in Tourismusunterkünfte hat weitreichende Konsequenzen für das städtische Zusammenleben. Etablierte Nachbarschaften lösen sich auf, wenn ständig wechselnde Kurzzeitgäste an die Stelle dauerhafter Bewohnerinnen und Bewohner treten. Dies führt nicht nur zu einem Verlust an sozialer Kohäsion, sondern auch zu einem Wandel des Charakters ganzer Stadtteile.
Besonders problematisch ist auch der Druck auf die lokale Infrastruktur. Während die Zahl der touristischen Kurzzeitgäste steigt, nimmt die Zahl der dauerhaften Bewohnerinnen und Bewohner ab, die normalerweise lokale Geschäfte, Schulen und andere Einrichtungen nutzen und finanzieren. Dies kann zu einer schleichenden Aushöhlung der sozialen Infrastruktur führen.
Gleichzeitig entstehen neue Belastungen für die städtische Infrastruktur, da Touristen andere Bedürfnisse und Nutzungsgewohnheiten haben als dauerhafte Bewohnerinnen und Bewohner. Dies zeigt sich etwa bei der Müllentsorgung, dem Wasserverbrauch oder der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.
Um das Problem weiter zu thematisieren und Betroffenen eine Plattform zu bieten, laden die Grünen Wieden zu einer Informationsveranstaltung. Diese findet am Mittwoch, dem 25. Februar 2026, um 18:00 Uhr im Café Goldegg in der Argentinierstraße 49 im 4. Bezirk statt.
Bei dieser Veranstaltung sollen Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit erhalten, ihre Erfahrungen zu schildern und sich über rechtliche Möglichkeiten zu informieren. Gleichzeitig wollen die Grünen konkrete politische Lösungsansätze präsentieren und den Druck auf die Stadtregierung erhöhen.
Die Grünen fordern die Stadt Wien zu raschem und entschlossenem Handeln auf. Notwendig seien sowohl eine Verschärfung der rechtlichen Bestimmungen als auch eine deutlich bessere Kontrolle und Durchsetzung bestehender Regelungen. Ohne diese Maßnahmen werde sich das Problem weiter verschärfen und immer mehr Wohnraum dem regulären Markt entzogen.
Darüber hinaus brauche es ein transparentes System zur Erfassung und Überwachung der touristischen Kurzzeitvermietung, damit Politik und Verwaltung fundierte Entscheidungen treffen können. Die aktuelle Intransparenz verhindere eine sachgerechte Behandlung des Problems und lasse Raum für Spekulation und illegale Praktiken.