Zum Internationalen Frauentag am 8. März startet der britische Pharmakonzern GSK eine umfassende Initiative zur Stärkung der Frauengesundheit in Österreich. Unter dem Motto "Women's Health in Focus...
Zum Internationalen Frauentag am 8. März startet der britische Pharmakonzern GSK eine umfassende Initiative zur Stärkung der Frauengesundheit in Österreich. Unter dem Motto "Women's Health in Focus: Inclusion in Healthcare" sollen strukturelle Probleme im Gesundheitswesen aufgedeckt und konkrete Lösungen entwickelt werden. Die Aktion zeigt auf drastische Weise, wie sehr Frauen im österreichischen Gesundheitssystem noch immer benachteiligt sind.
Die Realität ist ernüchternd: Frauen werden in Österreich oft später und ungenauer diagnostiziert als Männer. Sie sind in medizinischen Studien unterrepräsentiert, ihre Symptome werden häufiger als "psychosomatisch" abgetan, und geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wirkung von Medikamenten werden oft ignoriert. Diese Missstände sind nicht nur in Österreich, sondern international dokumentiert und führen zu schlechterer Versorgungsqualität für die Hälfte der Bevölkerung.
GSK will diese Problematik systematisch angehen. Das Unternehmen plant Stakeholder-Round-Tables, Mentor*innenprogramme, Paneldiskussionen und Awareness-Maßnahmen, die das gesamte Jahr 2024 über stattfinden sollen. Barbara Masser-Mayerl, Corporate Communications Lead bei GSK Österreich, erklärt: "Neben Informationen für Patientinnen unterstützen wir auch Ärztinnen und fördern aktiv mehr Inklusion im Gesundheitswesen."
Besonders deutlich wird die Benachteiligung bei Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD. Während früher angenommen wurde, dass diese Krankheiten hauptsächlich Männer betreffen, zeigen aktuelle Studien ein anderes Bild. Frauen erkranken nicht nur häufiger, sondern werden auch später diagnostiziert und haben ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe.
Bei Asthma sind die Unterschiede besonders markant. Hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus können Asthma-Symptome verstärken, ein Phänomen, das in der Vergangenheit oft übersehen wurde. Frauen mit Asthma haben zudem ein 40 Prozent höheres Risiko für Exazerbationen - also akute Verschlechterungen - als Männer. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede werden in der Therapie jedoch noch immer zu wenig berücksichtigt.
COPD, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, galt lange als "Raucherkrankheit" von Männern. Heute weiß man, dass Frauen empfindlicher auf Schadstoffe reagieren und bereits bei geringerem Zigarettenkonsum erkranken können. Trotzdem wird die Diagnose bei Frauen oft Jahre später gestellt, weil ihre Symptome anders interpretiert werden.
GSK engagiert sich bereits seit über 50 Jahren in der Erforschung von Atemwegserkrankungen. Das Unternehmen hat mehrere innovative Medikamente für Asthma und COPD entwickelt und setzt sich dafür ein, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in zukünftigen Studien stärker berücksichtigt werden. Personalisierte Therapieansätze, die das Geschlecht als wichtigen Faktor einbeziehen, stehen dabei im Fokus.
Ein weiterer Schwerpunkt der GSK-Initiative liegt auf gynäkologischen Krebserkrankungen, insbesondere Eierstockkrebs und Endometriumkarzinomen. Eierstockkrebs wird oft als "stiller Killer" bezeichnet, weil er lange Zeit ohne spezifische Symptome verläuft und daher meist erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt wird.
In Österreich erkranken jährlich etwa 700 Frauen an Eierstockkrebs. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei nur etwa 45 Prozent, was hauptsächlich auf die späte Diagnose zurückzuführen ist. Beim Endometriumkarzinom, dem häufigsten gynäkologischen Tumor, sind die Prognosen besser, aber auch hier spielen frühe Erkennung und individualisierte Therapie eine entscheidende Rolle.
GSK hat in den letzten Jahren erheblich in die Entwicklung innovativer Krebstherapien investiert. Besonders PARP-Inhibitoren haben die Behandlung von Eierstockkrebs revolutioniert. Diese Medikamente blockieren ein Enzym, das für die DNA-Reparatur in Krebszellen wichtig ist, und können das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamen.
Auf der Plattform www.ichundkrebs.at stellt GSK ab sofort auch umfassende Informationen zu gynäkologischen Krebserkrankungen zur Verfügung. Die Website bietet nicht nur medizinische Fakten, sondern auch praktische Hilfestellungen für den Umgang mit der Diagnose und Therapie. "Information ist der erste Schritt zur besseren Versorgung", betont Masser-Mayerl.
Auch bei HIV-Infektionen zeigen sich deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Weltweit sind etwa die Hälfte aller HIV-positiven Menschen Frauen, doch ihre spezifischen Bedürfnisse werden in Prävention und Therapie oft übersehen. In Österreich leben schätzungsweise 9.000 Menschen mit HIV, davon etwa ein Drittel Frauen.
Frauen mit HIV sind häufiger von Stigmatisierung betroffen und haben schlechteren Zugang zu Testung und Behandlung. Besonders kompliziert wird die Situation bei Schwangerschaften: Während eine gut eingestellte HIV-Therapie das Übertragungsrisiko auf das ungeborene Kind auf unter ein Prozent senkt, haben viele Frauen Angst vor Diskriminierung und suchen erst spät medizinische Hilfe.
Die Adhärenz - also die regelmäßige Einnahme der Medikamente - stellt bei Frauen eine besondere Herausforderung dar. Lebensrealitäten wie Kinderbetreuung, Partnerschaftsprobleme oder finanzielle Sorgen können die Therapietreue beeinträchtigen. GSK arbeitet deshalb an Projekten, die diese geschlechtsspezifischen Aspekte gezielt adressieren.
Im internationalen Vergleich steht Österreich bei der Gleichstellung im Gesundheitswesen durchaus gut da, aber es gibt noch viel Verbesserungspotenzial. Skandinavische Länder wie Schweden und Norwegen gelten als Vorreiter: Dort werden geschlechtsspezifische Medizin und "Gender Medicine" bereits systematisch in Ausbildung und Praxis integriert.
Deutschland hat 2019 ein Gesetz zur Förderung der geschlechtsspezifischen Medizin verabschiedet, das vorsieht, dass bei klinischen Studien beide Geschlechter angemessen repräsentiert sein müssen. In der Schweiz gibt es spezielle Zentren für Frauengesundheit, die interdisziplinär arbeiten und geschlechtsspezifische Besonderheiten berücksichtigen.
In Österreich fehlen solche systematischen Ansätze noch weitgehend. Zwar gibt es einzelne Initiativen und Forschungsprojekte, aber eine umfassende Strategie für geschlechtersensible Medizin steht noch aus. Die Initiative von GSK könnte hier wichtige Impulse setzen.
Die Auswirkungen der strukturellen Benachteiligung sind für österreichische Frauen täglich spürbar. Herzinfarkte werden bei Frauen häufiger übersehen, weil ihre Symptome anders sind als bei Männern. Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Multiple Sklerose, die überwiegend Frauen betreffen, werden oft erst nach Jahren korrekt diagnostiziert.
Bei Medikamentenstudien waren Frauen lange Zeit unterrepräsentiert - zum einen aus Sorge um mögliche Schwangerschaften, zum anderen, weil man annahm, dass sich die Ergebnisse von Männern einfach übertragen lassen. Heute weiß man, dass das ein Irrtum war: Frauen metabolisieren viele Medikamente anders, haben unterschiedliche Nebenwirkungsprofile und sprechen teilweise schlechter oder besser auf bestimmte Wirkstoffe an.
Ein konkretes Beispiel: Schlafmittel werden oft überdosiert verschrieben, weil die Dosierung auf Basis von Studien mit Männern festgelegt wurde. Frauen bauen diese Medikamente langsamer ab und haben am nächsten Tag noch erhebliche Restkonzentrationen im Blut - mit entsprechenden Risiken im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz.
Besonders innovativ ist das von GSK geplante Mentorinnenprogramm für Gynäko-Onkologinnen. In diesem hochspezialisierten Bereich gibt es in Österreich zu wenige Expertinnen, obwohl sie für die Behandlung von Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren besonders wichtig sind. Das Programm soll junge Ärztinnen ermutigen, sich in diesem Bereich zu spezialisieren, und erfahrene Kolleginnen bei ihrer Karriereentwicklung unterstützen.
Katharina Klajnert, Head of Market Access bei GSK Österreich, erklärt die Motivation: "Frauen erleben im Gesundheitsbereich oft andere Herausforderungen als Männer - und diese Unterschiede müssen wir ernst nehmen und sichtbar machen. Unser Anspruch ist es, gemeinsam mit Partner*innen Impulse zu setzen, die Prävention, Diagnostik und Therapie für Frauen weiter verbessern."
Die GSK-Initiative "Women's Health in Focus" ist auf längere Sicht angelegt und soll nachhaltige Veränderungen im österreichischen Gesundheitssystem bewirken. Geplant sind regelmäßige Veranstaltungen, die Akteure aus Medizin, Wissenschaft, Politik und Patientenorganisationen zusammenbringen.
Mittelfristig könnte diese Initiative dazu beitragen, dass geschlechtersensible Medizin auch in Österreich systematischer verankert wird. Denkbar wären spezielle Curricula in der Medizinerausbildung, Leitlinien für geschlechtergerechte Behandlung oder auch strukturelle Änderungen im Gesundheitssystem.
Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig eine schnelle und koordinierte Reaktion auf Gesundheitskrisen ist. Bei der strukturellen Benachteiligung von Frauen im Gesundheitswesen handelt es sich um eine "stille Pandemie", die schon seit Jahrzehnten besteht. Initiativen wie die von GSK können helfen, dieses Problem endlich systematisch anzugehen.
Experten erwarten, dass in den nächsten Jahren weitere Pharmaunternehmen ähnliche Programme auflegen werden. Der gesellschaftliche Druck steigt, und auch die Regulierungsbehörden fordern zunehmend geschlechtergerechte Ansätze in Forschung und Entwicklung. Für Patientinnen in Österreich ist das eine hoffnungsvolle Entwicklung, die langfristig zu besserer Versorgung und gezielteren Therapien führen könnte.