Hygiene ist nicht nur eine Frage der Sauberkeit, sondern eine Frage von Leben und Tod. Der renommierte Epidemiologe Didier Pittet hat kürzlich auf dem Internationalen Hagleitner-Hygieneforum in Zell am See, Österreich, eine erstaunliche Enthüllung gemacht: Händehygiene kann jedes Jahr weltweit fünf
Hygiene ist nicht nur eine Frage der Sauberkeit, sondern eine Frage von Leben und Tod. Der renommierte Epidemiologe Didier Pittet hat kürzlich auf dem Internationalen Hagleitner-Hygieneforum in Zell am See, Österreich, eine erstaunliche Enthüllung gemacht: Händehygiene kann jedes Jahr weltweit fünf bis acht Millionen Menschenleben retten. Diese atemberaubende Zahl basiert auf konservativen Schätzungen, was bedeutet, dass das tatsächliche Potenzial der Händehygiene noch weit größer sein könnte.
In einem Interview erklärte Pittet, dass Händehygiene bis zu 50 Prozent der Krankenhausinfektionen verhindern kann. Diese Infektionen sind jedes Jahr für Millionen von Todesfällen verantwortlich, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt diese Einschätzung und hebt die Bedeutung von Händehygiene als einfache, aber effektive Maßnahme zur Infektionsprävention hervor.
Die Bedeutung der Händehygiene wurde erstmals im 19. Jahrhundert erkannt, als der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis entdeckte, dass die Sterblichkeitsrate bei gebärenden Frauen drastisch sank, wenn Ärzte ihre Hände desinfizierten, bevor sie die Patienten berührten. Diese einfache Maßnahme wurde jedoch erst Jahrzehnte später allgemein anerkannt und umgesetzt.
Obwohl die Bedeutung der Händehygiene weithin anerkannt ist, gibt es immer noch erhebliche Herausforderungen bei der Umsetzung. Laut Pittet fehlt es in vielen einkommensschwachen Regionen der Welt an grundlegenden Einrichtungen zur Händehygiene. Mindestens die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen in diesen Gebieten ist nicht in der Lage, Händehygiene effektiv umzusetzen, was zu vermeidbaren Todesfällen führt.
Die WHO hat das Framework „Meine fünf Momente der Händehygiene“ entwickelt, das als internationaler Standard in Krankenhäusern weltweit gilt. Dieses Framework definiert genau, wann medizinisches Personal und Besucher Händehygiene praktizieren sollten, um Patienten und sich selbst zu schützen. Für Besucher ist es entscheidend, ihre Hände mit alkoholbasiertem Desinfektionsmittel einzureiben, bevor sie Kontakt zu Patienten haben und wenn sie das Zimmer verlassen.
Nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch im privaten Leben spielt Händehygiene eine wichtige Rolle. Besonders auf Reisen, an belebten Orten und bei Infektionsausbrüchen ist es wichtig, die Hände regelmäßig zu desinfizieren. Zu Hause reichen Seife und Wasser oft aus, aber unterwegs ist das alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel der beste Schutz.
Pittet betont, dass es entscheidend ist, Basismaßnahmen wie Händehygiene konsequent zu implementieren. In Mitteleuropa sind oft Compliance und Kultur das Thema, während es in einkommensschwächeren Gebieten eher um den Zugang und die Ressourcen geht. Sein Appell lautet, die Infektionsprävention und -kontrolle fest in den Institutionen zu verankern und entsprechend zu priorisieren.
Die Klimakrise stellt eine zusätzliche Herausforderung dar, indem sie die globale Landschaft im Infektionsgeschehen neu formt. Steigende Temperaturen und extreme Wetterereignisse weiten die Verbreitung von Krankheiten aus, die durch Vektoren wie Stechmücken übertragen werden. Überschwemmungen und Dürren beeinträchtigen die Sanitärversorgung und erhöhen das Risiko von Infektionen.
In Zukunft müssen wir uns auf eine Welt vorbereiten, in der Krankheiten häufiger ausbrechen und weniger vorhersehbar sind. Die Infektionsprävention muss heute Klima-Resilienz mit einbeziehen, um besser auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet zu sein. Dazu gehören eine bessere Überwachung, schnelle Reaktionsfähigkeit und eine solide Wasser- und Hygieneinfrastruktur.
Um die Ausbreitung von Infektionen im Zeitalter des Klimawandels zu bekämpfen, müssen wir über Mikroben hinausdenken und uns auf die Stürme vorbereiten, die sie übertragen. Es ist an der Zeit, dass wir die Bedeutung der Händehygiene nicht nur als individuelle Verantwortung, sondern als globales Gesundheitsziel erkennen.
Das Internationale Hagleitner-Hygieneforum 2025 bietet eine Plattform für Experten, um diese Herausforderungen zu diskutieren und Lösungen zu entwickeln. Es ist ein jährlicher Programmpunkt in Zell am See und richtet sich an das gesamte Gesundheitswesen, von der Akut- bis zur Langzeitpflege.