Kollektivvertrags-Einigung nach längeren Verhandlungen zwischen WKÖ und vida
Nach ungewöhnlich langen Verhandlungen steigen die Löhne der Handelsarbeiter um 2,55 Prozent - gleich wie bei den Handelsangestellten.
Nach monatelangen Verhandlungen ist die Kollektivvertrags-Runde für die österreichischen Handelsarbeiterinnen und Handelsarbeiter abgeschlossen. Die Gewerkschaft vida hat das Angebot der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) angenommen: Die Löhne steigen um 2,55 Prozent.
"Die Gewerkschaft vida hat uns nach einem Präsidiumsbeschluss und nach einer Mitgliederbefragung informiert, dass sie unser Angebot annimmt", berichtet Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der WKÖ und Chefverhandler auf Arbeitgeberseite. Die Verhandlungen hatten sich ungewöhnlich lange hingezogen, was auf die schwierige wirtschaftliche Lage im Handel zurückzuführen ist.
Die Lohnerhöhung von 2,55 Prozent entspricht exakt jenem Angebot, das die WKÖ bereits zu Beginn der Kollektivvertrags-Verhandlungen vorgelegt hatte. Damit zeigt sich, dass die Arbeitgeberseite von Anfang an eine klare Linie verfolgte und diese letztendlich durchsetzen konnte.
Ein wesentlicher Aspekt der Einigung ist die Gleichbehandlung verschiedener Berufsgruppen im Handel. Die Handelsarbeiterinnen und Handelsarbeiter erhalten die gleiche prozentuelle Erhöhung wie ihre Kolleginnen und Kollegen unter den Handelsangestellten. "Wir können hier nicht mit zweierlei Maß messen", erklärt Trefelik die Entscheidung.
Diese Gleichbehandlung sei nicht nur eine Frage der Fairness, sondern auch der wirtschaftlichen Realität geschuldet. "Die schwierige Konjunktursituation der Handelsbetriebe gilt für die Arbeiter:innen im Handel genauso wie für die Angestellten", betont der WKÖ-Verhandlungsführer.
Der österreichische Handel kämpft derzeit mit verschiedenen Herausforderungen. Die Konjunktur schwächelt, die Konsumlaune der Österreicherinnen und Österreicher ist gedämpft, und die Betriebe müssen gleichzeitig mit steigenden Kosten in verschiedenen Bereichen umgehen.
In diesem schwierigen Umfeld eine Lohnerhöhung von 2,55 Prozent zu vereinbaren, zeigt dennoch den Willen der Sozialpartner, auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten zu fairen Lösungen zu kommen. Für die Beschäftigten bedeutet dies eine spürbare Verbesserung ihres Einkommens, auch wenn die Erhöhung angesichts der aktuellen Inflationsraten moderat ausfällt.
Die Einigung betrifft eine große Anzahl von Beschäftigten im österreichischen Handel. Handelsarbeiterinnen und Handelsarbeiter sind in verschiedenen Bereichen tätig - von Lagertätigkeiten über Warenbearbeitung bis hin zu Transportaufgaben. Sie bilden das Rückgrat vieler Handelsbetriebe und sorgen dafür, dass die Waren rechtzeitig in die Geschäfte gelangen und für die Kundinnen und Kunden verfügbar sind.
Die Lohnerhöhung wird sich direkt auf die Haushaltseinkommen dieser Beschäftigten auswirken und deren Kaufkraft stärken. Dies könnte wiederum positive Effekte für die gesamte Wirtschaft haben, da mehr verfügbares Einkommen zu höherem Konsum führen kann.
Die Einigung unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der österreichischen Sozialpartnerschaft. Trotz unterschiedlicher Ausgangsposition und langwieriger Verhandlungen gelang es den Verhandlungspartnern, zu einer gemeinsamen Lösung zu finden. Dies zeigt die Funktionsfähigkeit des Systems auch in herausfordernden Zeiten.
Die vida-Gewerkschaft führte im Vorfeld der Entscheidung sowohl einen Präsidiumsbeschluss als auch eine Mitgliederbefragung durch. Diese demokratischen Prozesse verdeutlichen, dass die Gewerkschaft ihre Basis in die Entscheidungsfindung einbezog und die Zustimmung der Betroffenen einholte.
"Ein Abschluss in gleicher Höhe ist eine gute und faire Lösung", resümiert Trefelik die Verhandlungen. Diese Einschätzung spiegelt die pragmatische Herangehensweise der Sozialpartner wider, die trotz schwieriger Rahmenbedingungen eine ausgewogene Lösung gefunden haben.
Die Einigung dürfte auch Signalwirkung für andere Branchen haben, in denen Kollektivvertrags-Verhandlungen noch laufen oder anstehen. Sie zeigt, dass auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten Kompromisse möglich sind, die sowohl die Interessen der Beschäftigten als auch die Situation der Unternehmen berücksichtigen.
Für die Handelsbetriebe bedeutet die Einigung Planungssicherheit bei den Personalkosten. Sie wissen nun, mit welchen Mehrkosten sie ab 2026 rechnen müssen und können ihre Budgetplanung entsprechend anpassen.
Die Lohnerhöhung von 2,55 Prozent für die Handelsarbeiterinnen und Handelsarbeiter tritt mit Beginn des Jahres 2026 in Kraft und wird dann für alle unter den Kollektivvertrag fallenden Beschäftigten gelten.