Am 14. Januar 2026 enthüllte eine länderübergreifende Recherche der investigativen Plattform The Marker ein brisantes Thema, das die österreichische Gastronomie erschüttert. Das Wiener Schnitzel, ein kulinarisches Wahrzeichen Österreichs, wird häufig mit Kalbfleisch zubereitet, dessen Herkunft für K
Am 14. Januar 2026 enthüllte eine länderübergreifende Recherche der investigativen Plattform The Marker ein brisantes Thema, das die österreichische Gastronomie erschüttert. Das Wiener Schnitzel, ein kulinarisches Wahrzeichen Österreichs, wird häufig mit Kalbfleisch zubereitet, dessen Herkunft für Konsumenten undurchsichtig bleibt. Diese Enthüllung bringt nicht nur die Gastronomie ins Rampenlicht, sondern wirft auch Fragen über die Transparenz und die ethischen Standards der Lebensmittelproduktion auf.
Kaum ein Gericht repräsentiert die österreichische Küche so sehr wie das Wiener Schnitzel. Doch die Herkunft des verwendeten Kalbfleisches wird oft verschleiert. Häufig stammt es nicht aus Österreich, sondern aus den Niederlanden. Dort werden Kälber unter Bedingungen gemästet, die in Österreich aus Tierschutzgründen nicht erlaubt sind. Laut der Plattform The Marker, die am 13. Januar in der ORF-Sendung Report darüber berichtete, werden Kälber aus der gesamten EU in niederländische Mastbetriebe transportiert, um dort standardisiert gemästet und geschlachtet zu werden.
Die Niederlande sind der größte Kalbfleischproduzent der EU. Die Branche ist stark konzentriert und wird von wenigen großen Akteuren dominiert. Kälber aus verschiedenen EU-Ländern, darunter Irland, werden in großen Mastbetrieben zusammengeführt. Dort werden sie unter standardisierten Haltungsbedingungen gemästet, die auf Effizienz ausgelegt sind. Eine Praxis, die in Österreich verboten ist, ist die eisenarme Fütterung, die zu besonders hellem Kalbfleisch führt. Diese Methode wird in den Niederlanden routinemäßig angewandt, um den Marktanforderungen gerecht zu werden.
In Österreich gibt es derzeit keine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Fleisch in der Gastronomie. Dies führt dazu, dass Gäste oft nicht wissen, woher das Kalbfleisch für ihr Wiener Schnitzel stammt oder unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden. Die Recherchen von The Marker zeigen, dass viele Restaurants angeben, österreichisches Kalbfleisch zu verwenden, obwohl die Angaben häufig widersprüchlich sind. Ein Restaurant nannte vor Ort Österreich als Herkunft, später jedoch Italien und die Niederlande. Diese Intransparenz wird von der Wirtschaftskammer Österreich mit EU-rechtlichen und bürokratischen Gründen gerechtfertigt.
Österreich importiert den Großteil seines Kalbfleischbedarfs aus den Niederlanden, obwohl der Selbstversorgungsgrad bei Rindfleisch bei 148 Prozent liegt. Gleichzeitig exportiert Österreich lebende Kälber zur Mast in andere EU-Staaten. Dieses Paradoxon entsteht, weil Kälber in Österreich hauptsächlich als Nebenprodukt der Milchproduktion anfallen, während Mast und Schlachtung zunehmend ins Ausland verlagert werden. Diese Praxis wird durch die günstigeren Produktionsbedingungen im Ausland begünstigt.
Für die Gastronomie ist importiertes Kalbfleisch besonders attraktiv, da es günstiger ist und eine gleichmäßige, helle Fleischfarbe aufweist. Diese wird durch die in Österreich verbotene eisenarme Fütterung erzielt. Diese Praktiken werfen ethische Fragen auf und führen zu einem Dilemma für Konsumenten, die Wert auf regionale und ethisch vertretbare Produkte legen.
Die Diskussion um die Herkunftskennzeichnung von Fleisch in der Gastronomie wird in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Das Regierungsprogramm 2025–2029 sieht mehr Transparenz vor, doch der Fachverband Gastronomie lehnt eine verpflichtende Kennzeichnung ab. Die öffentliche Debatte und der Druck auf die Politik könnten jedoch zu einer Änderung der Gesetzgebung führen.
Die Recherche von The Marker hat eine wichtige Diskussion über die Transparenz und Ethik in der Lebensmittelproduktion angestoßen. Es bleibt abzuwarten, ob und wann die Politik auf die Forderungen nach mehr Transparenz reagieren wird. Konsumenten sollten sich bewusst sein, dass sie durch ihre Nachfrage Einfluss auf die Praktiken der Lebensmittelindustrie nehmen können. Weitere Informationen und aktuelle Entwicklungen zu diesem Thema finden Sie auf den Plattformen der beteiligten Medien.