Der langjährige Präsident und Ehrenpräsident des Hilfswerk Oberösterreich verstarb kurz vor Weihnachten im 97. Lebensjahr
Mit Josef Ratzenböck verliert Oberösterreich einen Pionier der Sozialpolitik und Wegbereiter des Pflegegeldes.
Das Hilfswerk Oberösterreich trauert um eine seiner prägendsten Persönlichkeiten: Josef Ratzenböck, langjähriger Präsident und später Ehrenpräsident der Organisation, ist am 23. Dezember 2025 im Alter von 96 Jahren verstorben. Mit seinem Tod verliert nicht nur das Hilfswerk einen engagierten Wegbegleiter, sondern ganz Oberösterreich einen der bedeutendsten Sozialpolitiker der vergangenen Jahrzehnte.
Josef Ratzenböck übernahm im Jahr 1995 die Präsidentschaft des Hilfswerk Oberösterreich. Unter seiner Führung entwickelte sich die Organisation zu einer der erfolgreichsten Sozialeinrichtungen des Bundeslandes. Auch nach seinem Rückzug aus der aktiven Funktion blieb er dem Hilfswerk als Ehrenpräsident eng verbunden und begleitete dessen Entwicklung über mehr als drei Jahrzehnte hinweg.
"Mit Josef Ratzenböck verliert das Hilfswerk Oberösterreich eine seiner prägendsten Führungspersönlichkeiten, unser Land verliert einen seiner engagiertesten Sozialpolitiker", würdigt Othmar Karas, Präsident des Hilfswerk Österreich, den Verstorbenen. Das Mitgefühl der gesamten Organisation gelte der Familie und den Angehörigen.
Die Bedeutung von Josef Ratzenböck für die österreichische Sozialpolitik kann kaum überschätzt werden. Als Landeshauptmann von Oberösterreich setzte er sich maßgeblich für die Einführung des Pflegegeldes ein – eine sozialpolitische Errungenschaft, mit der Oberösterreich bundesweit Maßstäbe setzte und die später zum Vorbild für die gesamtösterreichische Regelung wurde.
Sein nachhaltiges Engagement galt insbesondere älteren Menschen und ihren Bedürfnissen. Ratzenböck erkannte früh, dass eine alternde Gesellschaft neue Formen der Unterstützung und Betreuung benötigt. Die Einführung des Pflegegeldes war dabei ein zentraler Baustein, um pflegebedürftigen Menschen ein würdevolles Leben in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen.
Für Josef Ratzenböck war Politik niemals Selbstzweck, sondern stets Dienst am Menschen. Diese Grundhaltung prägte sein gesamtes politisches Wirken und manifestierte sich in einer politischen Kultur der Nähe, des Dialogs und der persönlichen Verantwortung. Bürgernähe, Beratung und ernsthaftes Zuhören waren für ihn keine leeren Phrasen, sondern zentrale Elemente seines politischen Handelns.
Diese Herangehensweise machte ihn über Parteigrenzen hinweg zu einer geschätzten Persönlichkeit. Ratzenböck verstand es, Menschen zusammenzubringen und gemeinsame Lösungen zu finden. Seine integrative politische Haltung zielte stets auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt ab.
Josef Ratzenböck blickte weit über die Tagespolitik hinaus. Er verstand Kultur-, Umwelt- und Europapolitik als verbindende Kräfte für die Gesellschaft. In einer Zeit zunehmender Polarisierung setzte er auf Dialog und Verständigung, auf gemeinsame Werte und geteilte Verantwortung.
Seine offene, integrative Haltung prägte nicht nur seine politische Arbeit, sondern auch sein Engagement im Hilfswerk. Hier fand er ein Umfeld, das seinen Überzeugungen entsprach: eine Organisation, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützt, die Familien entlastet und die gesellschaftlichen Zusammenhalt aktiv fördert.
Mit dem Tod von Josef Ratzenböck geht eine Ära zu Ende. Sein Einsatz für die Idee des Hilfswerks, sein Engagement für eine menschenwürdige Pflege und seine Vision einer solidarischen Gesellschaft bleiben jedoch lebendig. Die von ihm angestoßenen Entwicklungen – allen voran die Einführung des Pflegegeldes – wirken bis heute fort und prägen das Leben tausender Menschen in Österreich.
"Sein Einsatz für die Idee des Hilfswerks bleibt in dankbarer Erinnerung", betont Othmar Karas. Die Arbeit des Hilfswerk Oberösterreich wird im Sinne seines langjährigen Ehrenpräsidenten fortgeführt: im Dienst am Menschen, mit Nähe und Verantwortung, für eine solidarische Gesellschaft.
Josef Ratzenböck wurde 1929 geboren und prägte die oberösterreichische Politik über Jahrzehnte. Als Landeshauptmann und später als Präsident sowie Ehrenpräsident des Hilfswerk Oberösterreich setzte er sich unermüdlich für soziale Belange ein. Sein besonderes Augenmerk galt der Pflege und Betreuung älterer Menschen sowie dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Er verstarb am 23. Dezember 2025, wenige Tage vor seinem 97. Geburtstag.