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Holz als Klimaschutz-Held: Österreich setzt auf grünen Baustoff

20. März 2026 um 07:35
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Während die Welt nach nachhaltigen Lösungen für die Klimakrise sucht, liegt eine der vielversprechendsten Antworten buchstäblich vor unserer Haustür: der Rohstoff Holz. Anlässlich des International...

Während die Welt nach nachhaltigen Lösungen für die Klimakrise sucht, liegt eine der vielversprechendsten Antworten buchstäblich vor unserer Haustür: der Rohstoff Holz. Anlässlich des Internationalen Tags des Waldes am 21. März präsentiert der Fachverband der Holzindustrie Österreichs beeindruckende Fakten, die zeigen, wie der nachwachsende Rohstoff zum Klimaschutz beiträgt. Die neue Publikation "Fakten für Holz" belegt wissenschaftlich fundiert, warum Österreich mit seiner intensiven Holznutzung auf dem richtigen Weg ist – und welche enormen Potenziale noch ungenutzt bleiben.

Die Klimaschutz-Formel: Wie Holz dreifach punktet

"Holz ist ein natürlicher Klimaschützer", erklärt Dr. Erlfried Taurer, Obmann des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs. Diese simple Aussage verbirgt einen komplexen wissenschaftlichen Mechanismus, der als Kohlenstoffkreislauf bezeichnet wird. Vereinfacht ausgedrückt: Während ihres Wachstums nehmen Bäume Kohlendioxid (CO₂) aus der Atmosphäre auf und wandeln es mittels Photosynthese in Biomasse um. Der Kohlenstoff wird dabei langfristig im Holz gespeichert – auch nach der Fällung und Verarbeitung zu Produkten.

Diese Kohlenstoffspeicherung funktioniert nach einem dreistufigen Prinzip: Erstens entziehen wachsende Bäume der Atmosphäre aktiv CO₂. Zweitens bleibt der gespeicherte Kohlenstoff in Holzprodukten wie Möbeln oder Bauteilen über Jahrzehnte gebunden. Drittens können nach der Holzernte neue Bäume nachwachsen, die erneut CO₂ aufnehmen. Dieser Kreislauf macht Holz zu einem der effizientesten verfügbaren Materialien für die CO₂-Vermeidung.

Österreichs Wälder: Ein Erfolgsmodell der Nachhaltigkeit

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit den 1960er-Jahren ist Österreichs Waldfläche von 3,69 auf 4,02 Millionen Hektar angewachsen – das entspricht einer Fläche größer als die Schweiz. Parallel dazu stiegen die Holzvorräte von 780 Millionen auf beeindruckende 1,174 Milliarden Vorratsfestmeter. Ein Vorratsfestmeter bezeichnet dabei das Volumen von einem Kubikmeter fester Holzmasse ohne Zwischenräume und Rinde.

Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz zu globalen Entwaldungstendenzen. Während in vielen Regionen der Welt Wälder verschwinden, demonstriert Österreich, wie nachhaltige Waldbewirtschaftung funktioniert. Darunter versteht man ein Konzept, bei dem nur so viel Holz geerntet wird, wie nachwächst. Zusätzlich werden Wälder aktiv gepflegt, um sie widerstandsfähiger gegen Klimawandel-Folgen wie Stürme, Dürren oder Schädlingsbefall zu machen.

Europaweit zeigt sich ein ähnlich positives Bild: Seit 1990 wuchs die Waldfläche um 14 Millionen Hektar – das entspricht etwa der Fläche Griechenlands. Die Holzvorräte nahmen um 8,3 Milliarden Kubikmeter zu. Diese Entwicklung widerlegt das weit verbreitete Vorurteil, intensive Holznutzung führe automatisch zur Waldzerstörung.

Holz als Langzeitspeicher: Wenn Gebäude zu Kohlenstoffbanken werden

Eine der faszinierendsten Eigenschaften von Holz als Baustoff ist seine Fähigkeit zur langfristigen Kohlenstoffbindung. Eine Holzkonstruktion kann je nach Bauweise bis zu 112 Kilogramm Kohlenstoff pro Quadratmeter speichern. Um diese Zahl zu veranschaulichen: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche aus Holz bindet damit etwa 16,8 Tonnen Kohlenstoff – das entspricht der CO₂-Menge, die ein Mittelklasse-PKW bei einer Fahrleistung von rund 120.000 Kilometern ausstößt.

Die Prognosen für die kommenden Jahrzehnte sind beeindruckend: Bis zum Jahr 2100 könnten rund 350 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente in Holzprodukten gebunden werden. Zum Vergleich: Das entspricht etwa den jährlichen Gesamtemissionen von Deutschland. Diese langfristige Speicherwirkung unterscheidet Holz fundamental von anderen Baustoffen wie Beton oder Stahl, deren Herstellung große Mengen CO₂ freisetzt.

Moderner Holzbau: Mehr als nur nostalgische Romantik

Das Image von Holz als Baustoff hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Während früher Bedenken bezüglich Brandschutz, Beständigkeit oder Schallschutz bestanden, entspricht modernes Bauen mit Holz heute dem neuesten Stand der Technik. Brettsperrholz (BSP), auch Cross Laminated Timber (CLT) genannt, ermöglicht beispielsweise den Bau von Hochhäusern bis zu 30 Stockwerken.

Holzgebäude können bei entsprechender Nutzung und Wartung problemlos über 100 Jahre bestehen – viele historische Holzbauten sind deutlich älter. Der Vorfertigung sei Dank, verkürzen sich Bauzeiten erheblich: Während ein konventioneller Rohbau mehrere Monate dauert, können vorgefertigte Holzelemente binnen weniger Wochen montiert werden. Dies reduziert nicht nur Kosten, sondern auch Belastungen für Anrainer durch Baulärm und Verkehr.

Besonders interessant ist die Energieeffizienz von Holzgebäuden. Die natürlichen Dämmeigenschaften von Holz, kombiniert mit modernen Konstruktionsmethoden, ermöglichen Passivhäuser oder sogar Plusenergiehäuser, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen.

Kreislaufwirtschaft: Wenn aus Alt wieder Neu wird

Ein entscheidender Vorteil von Holz liegt in seiner perfekten Eignung für die Kreislaufwirtschaft – ein Wirtschaftsmodell, bei dem Ressourcen möglichst lange im Kreislauf gehalten werden. Holzgebäude und Bauelemente lassen sich rückbauen und wiederverwenden, ohne dass die Materialqualität wesentlich leidet. Am Ende ihres Lebenszyklus können Holzprodukte stofflich recycelt oder energetisch genutzt werden.

Die österreichische Holzindustrie demonstriert diese Vollnutzung eindrucksvoll: 2024 wurden 20 Millionen Erntefestmeter Holz geerntet und vollständig weiterverarbeitet. Ein Erntefestmeter entspricht einem Kubikmeter Rundholz ohne Rinde, wie es im Wald steht. Aus diesem Rohstoff entstehen Bauprodukte, Holzwerkstoffe, Möbel, Papier, Karton und Zellstoff – oder er wird energetisch genutzt.

Die energetische Nutzung am Lebensende ersetzt fossile Energieträger aus politisch instabilen Regionen. Während Erdöl oder Erdgas nur einmal verbrannt werden können, durchläuft Holz oft mehrere Verwendungszyklen: vom Baubalken über recycelte Spanplatten bis hin zur finalen Energiegewinnung.

Österreich im Vergleich: Vorreiter in Europa

Im internationalen Vergleich nimmt Österreich eine Spitzenposition ein. Mit einem Waldanteil von 47,9 Prozent der Landesfläche liegt das Land deutlich über dem EU-Durchschnitt von 38 Prozent. Deutschland erreicht 32 Prozent, die Schweiz 31 Prozent. Diese hohe Bewaldung ist jedoch kein Zufall, sondern Ergebnis konsequenter Aufforstungspolitik und nachhaltiger Bewirtschaftung seit dem 19. Jahrhundert.

Besonders bemerkenswert ist die Produktivität österreichischer Wälder: Pro Hektar wächst durchschnittlich mehr Holz nach, als geerntet wird. Der jährliche Zuwachs beträgt etwa 30 Millionen Festmeter, genutzt werden nur rund 26 Millionen Festmeter. Diese nachhaltige Balance ist in vielen anderen Ländern noch nicht erreicht.

Wirtschaftsfaktor Holz: Mehr als nur grüne Romantik

Die Holzindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Österreich. Der Fachverband vertritt mehr als 1.300 holzverarbeitende Unternehmen, die von der Bauprodukt- über die Möbel-, Platten-, Säge- und Skiindustrie bis hin zur Palettenherstellung reichen. Diese Betriebe beschäftigen rund 25.600 Menschen und stellen Produkte im Wert von 9,28 Milliarden Euro her.

Besonders beeindruckend ist der Außenhandelsüberschuss von 1,39 Milliarden Euro – österreichische Holzprodukte sind international stark nachgefragt. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette Forst- und Holzwirtschaft sind mehr als 320.000 Menschen beschäftigt, besonders in ländlichen Regionen. Dort sichert die Holzwirtschaft oft wichtige Arbeitsplätze und verhindert Abwanderung.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Trotz der positiven Entwicklung stehen österreichische Wälder vor erheblichen Herausforderungen. Der Klimawandel bringt häufigere Extremwetterereignisse, neue Schädlinge und veränderte Wachstumsbedingungen mit sich. Der Borkenkäfer, begünstigt durch warme, trockene Sommer, kann binnen kurzer Zeit große Waldgebiete schädigen.

Hier zeigt sich der Wert aktiver Waldbewirtschaftung: Durch gezielte Durchforstung, Mischwaldbepflanzung und Anpassung der Baumartenzusammensetzung lassen sich Wälder widerstandsfähiger machen. Klimafitte Baumarten wie Douglasie, Eiche oder Lärche ergänzen zunehmend die traditionelle Fichte, die unter veränderten Klimabedingungen anfälliger wird.

Innovation trifft Tradition: Holzforschung in Österreich

Die Publikation "Fakten für Holz" entstand durch die Zusammenarbeit renommierter Forschungseinrichtungen: dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), der Holzforschung Austria (HFA), dem Kompetenzzentrum Holz (Wood K plus) sowie dem Holztechnikum Kuchl (HTK). Diese Institutionen treiben die Entwicklung neuer Holztechnologien voran und erforschen innovative Anwendungsmöglichkeiten.

Aktuelle Forschungsschwerpunkte umfassen modifiziertes Holz mit verbesserten Eigenschaften, Holz-Beton-Verbundkonstruktionen für den Hochbau oder die Entwicklung von Holz-basierten Nanomaterialien für völlig neue Anwendungen. Diese Innovationen erweitern das Einsatzspektrum von Holz kontinuierlich.

Zukunftsperspektiven: Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft

Die Prognosen für die Holznutzung sind vielversprechend. Bis 2050 könnte sich der globale Holzbedarf verdoppeln, getrieben von wachsenden Nachhaltigkeitsanforderungen und strengeren Klimaschutzzielen. Österreich ist durch seine nachhaltige Forstwirtschaft und innovative Holzindustrie gut positioniert, von diesem Trend zu profitieren.

Besonders im Bausektor ergeben sich enorme Wachstumschancen. Die EU-Taxonomie für nachhaltige Investitionen bevorzugt klimafreundliche Baustoffe, was Holz gegenüber CO₂-intensiven Alternativen wie Beton oder Stahl begünstigt. Experten prognostizieren, dass bis 2040 etwa 20 Prozent aller Neubauten in Europa primär aus Holz errichtet werden könnten – heute sind es erst etwa 5 Prozent.

Auch neue Anwendungsfelder eröffnen sich: Holz in der Chemie könnte fossile Rohstoffe ersetzen, textile Holzfasern bieten Alternativen zu synthetischen Materialien, und Holz-basierte Energiespeicher könnten bei der Energiewende helfen. Das Potenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Die neue Publikation "Fakten für Holz" macht deutlich: Der nachwachsende Rohstoff ist weit mehr als nur nostalgisches Baumaterial. Er ist ein Schlüsselelement für eine klimafreundliche Zukunft, ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und ein Beispiel dafür, wie nachhaltiges Wirtschaften funktionieren kann. Österreich zeigt mit seiner erfolgreichen Forst- und Holzwirtschaft den Weg auf – andere Länder sollten diesem Beispiel folgen. Die Fakten sprechen für sich: Holz ist der richtige Baustoff zur richtigen Zeit. Weitere Informationen finden sich in der kostenlosen Broschüre unter www.holzindustrie.at.

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