Strategische Kooperation setzt auf projektbasiertes Lernen und interdisziplinäre Ausbildung für die digitale Transformation
Der Halbleiterkonzern Infineon und die neue Transformationsuniversität IT:U errichten drei Speziallabore am Standort Linz für bis zu 60 Studierende.
Der Halbleiterkonzern Infineon Austria und die Interdisciplinary Transformation University (IT:U) haben eine weitreichende strategische Kooperation vereinbart. Im Zentrum der Zusammenarbeit steht die Errichtung von drei spezialisierten Forschungs- und Lernlaboren direkt am Infineon-Standort in der Linzer Donaufeldstraße. Ab Spätsommer 2026 sollen dort bis zu 60 Studierende in den Bereichen Künstliche Intelligenz, digitale Fertigung und Weltraumtechnologien praxisnah ausgebildet werden.
Die Kooperationsvereinbarung wurde von Infineon Austria Vorstandsvorsitzender Sabine Herlitschka und IT:U-Gründungspräsidentin Stefanie Lindstaedt unterzeichnet. Beide Institutionen verfolgen damit das Ziel, Studierende über traditionelle Fachgrenzen hinweg mit digitalen Schlüsseltechnologien vertraut zu machen und sie direkt mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Industrie zu vernetzen.
"Fortschritt entsteht oft dort, wo digitale Technologien auf interdisziplinäres Lernen treffen", betonte Sabine Herlitschka bei der Bekanntgabe der Partnerschaft. Die Infineon-Chefin verwies auf die langjährige Zusammenarbeit des Konzerns mit verschiedenen Bildungsorganisationen. "Unser Antrieb dabei ist immer derselbe: Innovation in die Bildung zu bringen und Lernen so zu gestalten, dass es Menschen befähigt, Technologien wirklich zu verstehen und anzuwenden."
Das Kernstück der Zusammenarbeit bilden drei sogenannte "LearnLabs", die bei Infineon in Linz eingerichtet werden. Jedes Labor widmet sich einem spezifischen Technologiefeld und bietet Studierenden die Möglichkeit, mit modernsten Geräten und Systemen zu arbeiten.
Im Smart Electronics Lab dreht sich alles um intelligente Elektroniksysteme und Künstliche Intelligenz. Studierende erhalten Zugang zu Hard- und Software-Komponenten von Infineon, darunter das PSOC Edge AI Evaluation Kit. Mit dieser Technologie können sie eigene KI-Modelle entwickeln und in erste Prototypen integrieren. Das Labor vermittelt damit praxisnahe Kompetenzen in einem der gefragtesten Technologiebereiche der Gegenwart.
Das zweite Labor konzentriert sich auf digitale Fertigungsmethoden. Ausgestattet mit 3D-Druck-Anlagen und weiteren modernen Produktionstechnologien ermöglicht es den Studierenden, ihre Ideen schnell in physische Prototypen umzusetzen. Von der digitalen Konstruktion bis zum fertigen Testobjekt können hier alle Schritte der modernen Produktentwicklung durchlaufen werden.
Das dritte Labor widmet sich der Weltraumtechnologie – einem Bereich, in dem Oberösterreich zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Space Technology Lab stehen Satellitenforschung, Technologien zur Quantenverschlüsselung sowie Robotertechnik für den Einsatz im All im Mittelpunkt. Studierende können hier an Projekten arbeiten, die buchstäblich über die Grenzen unseres Planeten hinausreichen.
Die Kooperation setzt auf ein Lernmodell, das sich deutlich von traditionellen Hochschulformaten unterscheidet. Im Zentrum steht das projektbasierte Lernen in Kleingruppen, bei dem Studierende eigenverantwortlich an konkreten Aufgabenstellungen arbeiten. Dieser Ansatz folgt dem sogenannten 70-20-10-Modell, das Herlitschka explizit als Grundlage nannte: 70 Prozent des Lernens erfolgen durch praktische Erfahrungen, 20 Prozent durch Interaktion mit anderen und nur 10 Prozent durch formales, theoretisches Lernen.
"An der IT:U stellen wir uns mit interdisziplinären Ansätzen in Forschung und Lehre den drängenden Herausforderungen unserer Zeit", erklärte IT:U-Gründungspräsidentin Stefanie Lindstaedt. "Dafür brauchen wir Menschen, die über die Grenzen ihrer Disziplin hinausblicken und zwischen Domänen übersetzen." Das Masterprogramm Interdisciplinary Computing, in dessen Rahmen die Labore genutzt werden, verbindet digitale Technologien mit Fachrichtungen wie Umwelttechnik, Medizin, Psychologie und Elektronik.
Die Industriellenvereinigung Oberösterreich begrüßt die neue Partnerschaft ausdrücklich. IV-Präsident Thomas Bründl sieht in der Kooperation einen wichtigen Baustein für die Transformation des Wirtschaftsstandorts: "Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz führt zu einer umfassenden Transformation der Industrie und des Standortes Oberösterreich." Die IV Oberösterreich habe aus diesem Grund eine eigene Exzellenzstrategie KI ausgearbeitet, in der die Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Hochschulen eine zentrale Rolle spiele.
Bründl betonte, dass die Kooperation von Infineon mit der IT:U zusätzlich den Infineon-Standort Linz stärke. Für das oberösterreichische Industrieland sei es von enormer Bedeutung, gemeinsam an aktuellen, industrierelevanten Entwicklungen zu forschen.
Neben rein technologischen Fähigkeiten sollen die Studierenden in den LearnLabs auch überfachliche Kompetenzen erwerben. Dazu gehören die Fähigkeit, reale Problemstellungen fachübergreifend zu bearbeiten, Projekte zu managen, effektiv zu kommunizieren und als Team zielorientiert zu agieren. Diese sogenannten Zukunftsskills werden von Arbeitgebern zunehmend nachgefragt und ergänzen das technische Fachwissen.
"Diese Partnerschaft schafft konkrete Projekte, eröffnet attraktive Berufsfelder und bildet unsere Studierenden zu echten Zukunftsgestalterinnen und Zukunftsgestaltern aus", fasste Lindstaedt die Erwartungen an die Kooperation zusammen.
Für Infineon Austria ist das Engagement an der IT:U Teil einer langfristigen Strategie zur Fachkräftesicherung und Innovationsförderung. Der Halbleiterkonzern arbeitet seit vielen Jahren mit verschiedenen Bildungseinrichtungen zusammen und bringt dabei sowohl technologisches Know-how als auch konkrete Hardware in die Ausbildung ein.
"Als globales Halbleiterunternehmen bringen wir Know-how und unsere Schlüsseltechnologien ein und profitieren gleichzeitig von neuen Perspektiven", erklärte Herlitschka. Die Kooperation sei ein wichtiges Signal für den Hightech-Standort und für umfassend ausgebildete Fachkräfte.
Die Interdisciplinary Transformation University (IT:U) ist eine der jüngsten Hochschulen Österreichs und verfolgt einen bewusst anderen Ansatz als traditionelle Universitäten. Der Fokus liegt auf der Verbindung verschiedener Disziplinen und der engen Verzahnung von Forschung, Lehre und Praxis. Das Studienmodell setzt auf Teamarbeit, Eigenverantwortung und Design Thinking – Methoden, die aus der Innovationspraxis führender Technologieunternehmen stammen.
Mit der Kooperation mit Infineon gewinnt die IT:U einen namhaften Industriepartner, der nicht nur Ressourcen und Infrastruktur bereitstellt, sondern auch direkten Zugang zu aktuellen Entwicklungen in der Halbleiterindustrie ermöglicht. Für Studierende bedeutet dies eine einzigartige Möglichkeit, bereits während des Studiums mit Technologien zu arbeiten, die in der Industrie tatsächlich zum Einsatz kommen.
Die offizielle Eröffnung der drei LearnLabs ist für den Spätsommer 2026 geplant. Bis dahin werden die Räumlichkeiten am Infineon-Standort in der Donaufeldstraße entsprechend ausgestattet und für den Lehrbetrieb vorbereitet. Die Labore stehen dann Studierenden im Masterstudium Interdisciplinary Computing zur Verfügung.
Die Kooperation zwischen Infineon und der IT:U zeigt exemplarisch, wie Wirtschaft und Wissenschaft in Oberösterreich zusammenarbeiten können, um den Herausforderungen der digitalen Transformation zu begegnen. Für den Standort bedeutet dies eine weitere Stärkung im Bereich der Hochtechnologie-Ausbildung und -Forschung.