Am 24. November 2025 stand die österreichische IT-Branche im Fokus, als die zweite Verhandlungsrunde des Kollektivvertrags ohne nennenswerte Fortschritte endete. Für die über 90.000 Beschäftigten der Branche bleibt die Unsicherheit bestehen, da das Verhandlungsteam der Arbeitgeber:innen kein zufried
Am 24. November 2025 stand die österreichische IT-Branche im Fokus, als die zweite Verhandlungsrunde des Kollektivvertrags ohne nennenswerte Fortschritte endete. Für die über 90.000 Beschäftigten der Branche bleibt die Unsicherheit bestehen, da das Verhandlungsteam der Arbeitgeber:innen kein zufriedenstellendes Angebot vorlegte. Die vorgeschlagene Erhöhung der Mindestgehälter um lediglich 1,6% und das Ausbleiben einer Anpassung der IST-Gehälter stoßen auf scharfe Kritik seitens der Gewerkschaften.
Ein Kollektivvertrag ist ein schriftlicher Vertrag zwischen Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmervertretungen, der die Arbeitsbedingungen regelt. In der IT-Branche spielt dieser eine zentrale Rolle, da er die Löhne, Arbeitszeiten und andere Arbeitsbedingungen für eine große Anzahl von Beschäftigten festlegt. Historisch gesehen haben Kollektivverträge in Österreich eine lange Tradition und sind ein wichtiges Instrument zur Sicherung fairer Arbeitsbedingungen.
Während in Österreich Kollektivverträge einen hohen Stellenwert haben, sieht die Situation in Deutschland und der Schweiz unterschiedlich aus. In Deutschland sind Tarifverträge ähnlich strukturiert, jedoch oft regional oder branchenspezifisch ausgehandelt. In der Schweiz hingegen sind Gesamtarbeitsverträge weniger verbreitet, da der Arbeitsmarkt stärker liberalisiert ist.
Die jüngste Verhandlungsrunde wurde von der Gewerkschaft GPA als unbefriedigend bewertet. Die Verhandlungsleiterin Sandra Steiner äußerte sich kritisch über das Angebot der Arbeitgeber:innen, das keine Erhöhung der IST-Gehälter vorsieht. Dies steht im Widerspruch zu den wirtschaftlichen Entwicklungen der IT-Branche, die in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum verzeichnete.
Die vorgeschlagene Erhöhung der Mindestgehälter um 1,6% liegt deutlich unter der von WIFO und IHS geschätzten Inflationsrate von 3,5% für 2025. Dies bedeutet für viele Beschäftigte einen realen Einkommensverlust. Besonders betroffen sind Berufseinsteiger und Lehrlinge, deren Einkommen ebenfalls nicht im gewünschten Maß steigen sollen.
Die IT-Branche in Österreich beschäftigt über 90.000 Menschen und trägt erheblich zur Wirtschaft bei. Die aktuelle Inflationsrate von 3,5% stellt eine Herausforderung dar, da die vorgeschlagenen Gehaltserhöhungen nicht ausreichen, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Diese Diskrepanz führt zu Unmut unter den Arbeitnehmer:innen und erhöht den Druck auf die Verhandlungspartner.
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 3. Dezember angesetzt. Bis dahin bleibt abzuwarten, ob die Arbeitgeber:innen ein verbessertes Angebot vorlegen. Die Gewerkschaften fordern nicht nur eine Anpassung der Mindestgehälter, sondern auch eine Erhöhung der IST-Gehaltssumme und der Lehrlingseinkommen über die Inflationsrate hinaus. Eine Einigung ist dringend erforderlich, um den sozialen Frieden in der Branche zu wahren und die Attraktivität der IT-Berufe zu sichern.
Insgesamt bleibt die Situation angespannt. Die Verhandlungsführer:innen stehen unter Druck, eine Lösung zu finden, die sowohl den wirtschaftlichen Gegebenheiten als auch den berechtigten Forderungen der Arbeitnehmer:innen gerecht wird. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um einen möglichen Arbeitskampf zu vermeiden und die Zukunft der IT-Branche in Österreich positiv zu gestalten.
Die Verhandlungen um den IT-Kollektivvertrag sind ein komplexes Unterfangen, das weitreichende Konsequenzen für die Beschäftigten hat. Die Gewerkschaften sind gefordert, hartnäckig zu bleiben, während die Arbeitgeber:innen die wirtschaftliche Realität der Branche berücksichtigen müssen. Die kommenden Verhandlungsrunden werden zeigen, ob ein Kompromiss gefunden werden kann, der für beide Seiten akzeptabel ist.
Für weiterführende Informationen zur aktuellen Situation und den nächsten Schritten in den Verhandlungen, besuchen Sie bitte die Presseaussendung des ÖGB.