Kompost & Biogas Verband mobilisiert Unterstützung für den Ausbau von heimischem Biomethan in Österreich
Eine neue Initiative fordert ein Erneuerbares-Gase-Gesetz für Österreich. Die Kampagne Zukunft-Biogas.at will Biomethan als Alternative zu fossilen Importen etablieren.
Der Kompost & Biogas Verband Österreich (KBVÖ) hat mit dem Start der Kampagne Zukunft-Biogas.at eine branchenübergreifende Initiative ins Leben gerufen, die den raschen Ausbau erneuerbarer Gase in Österreich vorantreiben soll. Im Zentrum der Forderungen steht ein Erneuerbares-Gase-Gesetz (EGG), das die notwendigen Rahmenbedingungen für Investitionen in heimisches Biomethan schaffen soll.
Die zentrale Botschaft der Kampagne ist eindeutig: Die technologischen Voraussetzungen für eine verstärkte Nutzung von Biomethan sind längst gegeben, was fehlt, ist der entsprechende gesetzliche Rahmen. Johannes Hauptmann, Biogas-Obmann des KBVÖ, bringt es auf den Punkt: „Die Branche ist bereit. Die Technologie ist da. Was fehlt, ist der klare politische Rahmen." Mit der Kampagne wolle man zeigen, wie vielfältig die Unterstützung für Biomethan bereits sei.
Die Initiative richtet sich an Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie Gemeinden, die durch ihre Unterschrift die Forderung nach einem ambitionierten Erneuerbares-Gase-Gesetz unterstützen können. Damit soll der Politik signalisiert werden, dass ein breites gesellschaftliches Interesse an der Förderung erneuerbarer Gasquellen besteht.
Die Kampagne kann bereits auf namhafte Unterstützung aus der österreichischen Energiebranche verweisen. Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin von Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ), betont die Notwendigkeit, alle erneuerbaren Energieträger in die Energiewende einzubeziehen: „Die Energiewende braucht alle erneuerbaren Säulen – Strom, Wärme und eben auch erneuerbares Gas." Mit dem EGG könnten die Rahmenbedingungen geschaffen werden, um teure fossile Importe zu reduzieren und die entsprechenden Investitionen stattdessen in österreichische Unternehmen zu lenken.
Auch aus der Gasinfrastruktur-Branche kommt Zuspruch. Bernhard Painz, Vorstand der Austrian Gas Grid Management AG (AGGM), verweist auf das bereits vorhandene Potenzial der österreichischen Gasinfrastruktur: „Die Energiewende muss auch in die Pipelines gebracht werden. Das gut ausgebaute Gasnetz ist bereit für die klimaneutrale Zukunft!" Ein starkes Erneuerbares-Gase-Gesetz würde ermöglichen, die bestehende Infrastruktur optimal zu nutzen und die Versorgung schrittweise auf erneuerbare Gase umzustellen – und das effizient, sicher und kostenschonend.
Ein wesentliches Argument der Kampagne ist die Stärkung der österreichischen Energieunabhängigkeit. Mit jedem zusätzlichen Prozent erneuerbarer Gaserzeugung im Inland sinkt der Importbedarf, was wiederum die Märkte entlastet. Die Erfahrungen der Energiekrise 2022 haben deutlich gezeigt, welche Risiken die Abhängigkeit von Gasimporten mit sich bringt – sowohl in Bezug auf Preisvolatilität als auch auf Versorgungssicherheit.
Besonders in längeren Kälteperioden oder in Krisensituationen macht sich die Abhängigkeit von internationalen Märkten bemerkbar. Mehr heimisches Biomethan würde den Anteil fossiler Importe reduzieren und Österreich weniger anfällig für internationale Preisschocks machen. Für Haushalte und Unternehmen könnte dies langfristig stabilere Energiekosten bedeuten.
Ein besonderer Vorteil von Biomethan liegt in seiner Kompatibilität mit der bestehenden Infrastruktur. Anders als bei anderen erneuerbaren Energieträgern kann Biomethan fossiles Erdgas direkt ersetzen – ohne dass dafür neue Leitungssysteme oder Endverbrauchergeräte notwendig wären. Es lässt sich im Gasnetz transportieren, zur Ökostromproduktion in Groß-KWK-Anlagen nutzen, in Haushalten einsetzen und ist besonders für die Industrie von Bedeutung.
Die Eigenschaften von Biomethan machen es zu einem idealen Ergänzungsbaustein für Wind- und Photovoltaikenergie: Es ist erneuerbar, speicherbar und netzkompatibel. Damit kann es genau dort einspringen, wo Flexibilität und gesicherte Leistung gebraucht werden – etwa wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht.
Ein weiterer zentraler Aspekt der Kampagne ist der Fokus auf regionale Wertschöpfung und Kreislaufwirtschaft. Erneuerbares Gas entsteht aus Stoffströmen, die ohnehin anfallen – etwa biogene Abfälle oder landwirtschaftliche Reststoffe. Statt diese Materialien ungenutzt zu lassen oder aufwendig zu entsorgen, können sie zur Energiegewinnung genutzt werden.
Die Wertschöpfungskette erstreckt sich dabei über mehrere Stufen: von der Sammlung und Aufbereitung der Ausgangsstoffe über den Anlagenbetrieb bis hin zur Wartung und Einspeisung ins Gasnetz. Der KBVÖ verweist auf deutlich positive Effekte für Arbeitsplätze und regionale Wirtschaftskreisläufe. Anstatt Milliarden Euro für fossile Energieimporte ins Ausland zu überweisen, könnten diese Mittel in österreichischen Unternehmen und Regionen verbleiben.
Die Forderung nach einem Erneuerbares-Gase-Gesetz ist nicht neu, gewinnt aber durch die aktuelle Kampagne an Sichtbarkeit und Dringlichkeit. Ein solches Gesetz soll Investitionssicherheit für Unternehmen schaffen, die in den Ausbau von Biogasanlagen und die notwendige Infrastruktur investieren wollen. Ohne klare gesetzliche Rahmenbedingungen scheuen viele potenzielle Investoren das Risiko, in eine Branche zu investieren, deren regulatorische Zukunft ungewiss ist.
Das EGG soll nach den Vorstellungen der Initiative mehrere Funktionen erfüllen: Es soll Investitionen ermöglichen, Planungssicherheit schaffen und heimisches Biomethan als speicherbare, netzkompatible Energiequelle erfolgreich in den Markt bringen. Damit würde Österreich auch einen Beitrag zu den europäischen Klimazielen leisten und sich im Bereich der erneuerbaren Gase als Vorreiter positionieren können.
Die Kampagne Zukunft-Biogas.at ist als breite Mobilisierung angelegt und richtet sich an alle gesellschaftlichen Gruppen. Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen aller Größen, Gemeinden und andere Interessierte können auf der Website www.zukunft-biogas.at ihre Unterstützung für die Forderung nach einem ambitionierten Erneuerbares-Gase-Gesetz zum Ausdruck bringen.
Mit jeder Unterschrift wächst der Druck auf die politischen Entscheidungsträger, das Thema erneuerbare Gase auf die Agenda zu setzen. Die Initiatoren hoffen, dass eine breite Beteiligung die Dringlichkeit des Anliegens unterstreicht und den Weg für entsprechende gesetzliche Maßnahmen ebnet. Für Österreich könnte ein ambitioniertes Erneuerbares-Gase-Gesetz ein wichtiger Schritt sein, um Versorgungssicherheit, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung miteinander zu verbinden.