Österreichischer Verkehrstechnik-Konzern passt Prognose nach schwachem dritten Quartal erneut an
Der Wiener Mautexperte Kapsch TrafficCom verzeichnet massive Umsatzrückgänge. Trotz positiver Sondereffekte bleibt die Marktlage angespannt.
Der österreichische Verkehrstechnik-Spezialist Kapsch TrafficCom AG steht vor erheblichen Herausforderungen. In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2025/26 brach der Umsatz um 25 Prozent auf 307 Millionen Euro ein. Das Wiener Unternehmen, das zu den weltweit führenden Anbietern von Mautsystemen gehört, musste bereits zum zweiten Mal seine Jahresprognose nach unten korrigieren.
Während der Umsatz deutlich unter den Erwartungen blieb, entwickelte sich das operative Ergebnis (EBIT) auf den ersten Blick positiv: Es stieg von 5,9 Millionen Euro im Vorjahr auf 12,4 Millionen Euro. Dieser scheinbare Erfolg ist jedoch hauptsächlich auf einen Einmaleffekt zurückzuführen. Eine Einigung mit der Bundesrepublik Deutschland brachte dem Unternehmen eine Entschädigung von 23 Millionen Euro ein. Ohne diesen Sondereffekt wäre das EBIT negativ ausgefallen.
"Aufgrund der derzeitigen Marktsituation im Maut-Markt liegen der Umsatz und dadurch auch das Ergebnis weit unter unseren Erwartungen", erklärt Georg Kapsch, CEO von Kapsch TrafficCom. "Wir rechnen damit, dass diese Marktschwäche vorerst anhalten wird und passen unsere Kosten weiter an dieses niedrigere Niveau an."
Die Probleme des Unternehmens spiegeln eine branchenweite Krise wider. Der globale Maut-Markt zeigt eine "drastische und in diesem Ausmaß unerwartete Schwäche", wie das Management betont. Etwa 60 Millionen Euro des Umsatzrückgangs waren bereits erwartet worden: Sie stehen im Zusammenhang mit der Beendigung des Mautprojektes in der südafrikanischen Provinz Gauteng und der Entkonsolidierung der weißrussischen Gesellschaft.
Der weitere Rückgang resultiert aus dem Ausbleiben erwarteter Projekte in fast allen Regionen. Kundenverursachte Verzögerungen bei Projektstarts und -abwicklungen verschärften die Situation zusätzlich. Zudem konnte Kapsch TrafficCom nicht alle geplanten Projekte für sich gewinnen.
Die Umsatzrückgänge verteilten sich auf alle Geschäftsregionen des Konzerns:
Besonders betroffen war das Kernsegment Maut, dessen Umsatz von 309 Millionen Euro um 31 Prozent auf 215 Millionen Euro zurückging. Das Segment Verkehrsmanagement verzeichnete mit einem Rückgang von 9 Prozent (von 102 auf 93 Millionen Euro) deutlich geringere Verluste.
Kapsch TrafficCom reagiert auf die schwierige Marktlage mit umfassenden Kostensenkungsmaßnahmen. Die Kostenbasis wird kontinuierlich an das niedrigere Umsatzniveau angepasst. Zudem wurden die Projektrisiken insbesondere in Nordamerika auf ein übliches Ausmaß reduziert, was sich bereits in gestiegenen Ergebnisbeiträgen und neuen Aufträgen in dieser Region zeigt.
Ein temporärer Rückschlag ergab sich durch die Übersiedlung der Produktionsstätte in Kanada, die im Sommer zu einer längeren Produktionsunterbrechung führte. Diese konnte jedoch im dritten Quartal wieder aufgeholt werden.
Trotz der schwierigen Marktsituation war der Auftragseingang im Berichtszeitraum relativ gut. Ein besonderer Erfolg war die Vertragsverlängerung für den Betrieb des Mautsystems in Bulgarien im Dezember. Kapsch TrafficCom gewann einen neuen Fünf-Jahres-Auftrag für die Wartung und den Betrieb des landesweiten Maut- und E-Vignetten-Systems.
Diese Aufträge werden sich allerdings erst auf die Umsätze der kommenden Jahre auswirken. Der Auftragsstand von 1,2 Milliarden Euro bildet weiterhin eine solide Basis für künftiges Wachstum, wobei sich einige größere Projekte erst mittel- bis langfristig im Umsatz widerspiegeln werden.
Trotz der operativen Schwierigkeiten zeigt sich die Finanzlage von Kapsch TrafficCom relativ stabil. Der Free Cashflow betrug 7 Millionen Euro, auch wenn dieser unter dem Vorjahreswert von 24 Millionen Euro lag. Das Bilanzbild blieb weitgehend stabil, die Eigenkapitalquote konnte sogar von 20 auf 23 Prozent verbessert werden.
Die Nettoverschuldung blieb mit 103 Millionen Euro nahezu unverändert (Vorjahr: 101 Millionen Euro), was zu einem leicht verbesserten Verschuldungsgrad von 107 Prozent (Vorjahr: 111 Prozent) führte.
Zusätzliche Belastungen ergaben sich aus Wechselkurseffekten, insbesondere durch den US-Dollar. Diese wirkten sich mit minus 5 Millionen Euro auf das EBIT und minus 4 Millionen Euro auf das Finanzergebnis aus.
Angesichts der anhaltend schwachen Entwicklung musste Kapsch TrafficCom am 16. Februar 2026 bereits zum zweiten Mal den Ausblick für das Geschäftsjahr 2025/26 reduzieren. Das Management prognostiziert nunmehr:
Diese erneute Anpassung unterstreicht die Unsicherheit im Marktumfeld und die Herausforderungen, denen sich das Unternehmen gegenübersieht.
Kapsch TrafficCom setzt weiterhin auf kostenseitige Anpassungen, die ihre volle Wirkung allerdings erst im nächsten Geschäftsjahr zeigen werden. CEO Georg Kapsch betont dabei: "Umso wichtiger ist, dass wir unsere Wachstumspotenziale für die Zukunft nicht beschränken."
Das Unternehmen verfügt nach wie vor über eine starke Marktposition als weltweit anerkannter Anbieter von Verkehrslösungen für nachhaltige Mobilität. Mit Projekterfolgen in mehr als 50 Ländern und innovativen Lösungen in den Bereichen Maut und Verkehrsmanagement bleibt Kapsch TrafficCom ein wichtiger Akteur in der Branche.
Kapsch TrafficCom, mit Hauptsitz in Wien, verfügt über Tochtergesellschaften und Niederlassungen in mehr als 25 Ländern und ist im Prime Market der Wiener Börse notiert. Im Geschäftsjahr 2024/25 erwirtschafteten über 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Umsatz von 530 Millionen Euro.
Das Unternehmen bietet One-Stop-Shop-Lösungen und deckt die gesamte Wertschöpfungskette der Kunden ab – von Komponenten über Design bis zur Implementierung und dem Betrieb von Systemen. Trotz der aktuellen Herausforderungen bleibt Kapsch TrafficCom ein wichtiger Player im Bereich intelligenter Verkehrslösungen.