Wiener Mautspezialist kämpft mit globaler Marktschwäche – EBIT-Erwartung um mehr als 70 Prozent reduziert
Der börsennotierte Mautsystemanbieter Kapsch TrafficCom korrigiert seinen Ausblick für das Geschäftsjahr 2025/26 deutlich nach unten. Grund ist eine unerwartete Schwäche im globalen Mautmarkt.
Der Wiener Verkehrstechnologie-Konzern Kapsch TrafficCom hat am Sonntag eine Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht, die Anleger aufhorchen lässt: Die vorläufigen Geschäftszahlen für die ersten drei Quartale des laufenden Geschäftsjahres 2025/26 bleiben stark hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Der Vorstand sah sich gezwungen, den Ausblick für das Gesamtjahr erheblich nach unten zu korrigieren.
Die vorläufigen Zahlen zeichnen ein ernüchterndes Bild: In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2025/26 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 307 Millionen Euro. Das Ergebnis aus betrieblicher Tätigkeit (EBIT) liegt bei etwa 12 Millionen Euro. Allerdings ist dieser Wert mit Vorsicht zu genießen, denn er beinhaltet einen positiven Einmaleffekt aus dem ersten Quartal in Höhe von rund 23 Millionen Euro.
Bereinigt um diesen Sondereffekt hätte das Unternehmen in den ersten neun Monaten operativ also einen Verlust von etwa 11 Millionen Euro eingefahren. Diese Entwicklung verdeutlicht die Schwere der aktuellen Herausforderungen, mit denen der Mautspezialist konfrontiert ist.
Die Anpassung des Ausblicks für das Gesamtjahr fällt entsprechend drastisch aus. Das Management prognostiziert nunmehr einen Jahresumsatz in der Größenordnung von rund 420 Millionen Euro. Ursprünglich hatte man mit etwa 450 Millionen Euro gerechnet – eine Reduktion um gut sieben Prozent.
Noch dramatischer fällt die Korrektur beim operativen Ergebnis aus: Statt der bisher erwarteten 25 Millionen Euro rechnet der Vorstand nur noch mit einem EBIT von etwa 7 Millionen Euro. Das entspricht einer Reduktion um mehr als 70 Prozent gegenüber der bisherigen Prognose.
Als Hauptgrund für die enttäuschende Entwicklung nennt der Vorstand eine globale Schwäche im Mautmarkt, die in diesem Ausmaß unerwartet kam. Der weltweite Markt für Mautsysteme und Verkehrsmanagementlösungen zeigt sich drastisch eingetrübt – eine Entwicklung, die auch andere Anbieter in der Branche zu spüren bekommen dürften.
Zusätzlich zu den strukturellen Marktproblemen belasten kundenverursachte Verzögerungen bei Projektstarts und -abwicklungen das Ergebnis. Solche Verzögerungen sind in der Projektgeschäft-lastigen Branche zwar keine Seltenheit, häufen sich derzeit aber offenbar in ungewöhnlichem Ausmaß.
Trotz der aktuellen Schwierigkeiten gibt es aus Sicht des Unternehmens auch positive Signale. Der Auftragseingang der letzten zehn Monate entwickelte sich laut Kapsch TrafficCom trotz der schwierigen Marktsituation relativ gut. Diese neuen Aufträge werden sich allerdings erst im kommenden Geschäftsjahr 2026/27 und den Folgejahren im Umsatz niederschlagen.
Diese zeitliche Verzögerung zwischen Auftragseingang und Umsatzrealisierung ist typisch für das Projektgeschäft von Kapsch TrafficCom. Große Infrastrukturprojekte im Mautbereich haben oft Vorlaufzeiten von mehreren Monaten bis Jahren, bevor sie erlöswirksam werden.
Als Reaktion auf die angespannte Situation verstärkt das Unternehmen seinen Fokus auf kostenseitige Anpassungen. Diese Sparmaßnahmen werden ihre volle Wirkung jedoch erst im nächsten Geschäftsjahr entfalten. Welche konkreten Schritte geplant sind, geht aus der Ad-hoc-Mitteilung nicht hervor.
Kapsch TrafficCom hatte bereits in der Vergangenheit mehrfach Restrukturierungsprogramme durchgeführt, um die Kostenstruktur an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Ob die aktuellen Maßnahmen auch Personalabbau beinhalten, bleibt abzuwarten.
Kapsch TrafficCom ist ein global tätiger Anbieter von Verkehrsmanagement- und Mautsystemen mit Hauptsitz in Wien. Das Unternehmen ist an der Wiener Börse im Amtlichen Handel notiert (ISIN: AT000KAPSCH9) und Teil der österreichischen Kapsch-Gruppe, die auf eine mehr als 130-jährige Geschichte zurückblickt.
Das Kerngeschäft umfasst die Entwicklung, Implementierung und den Betrieb von elektronischen Mautsystemen sowie intelligenten Verkehrsmanagementsystemen. Zu den Kunden zählen Straßenbetreiber, Mautgesellschaften und Verkehrsbehörden weltweit. In Österreich ist das Unternehmen unter anderem an der Abwicklung des Mautsystems auf Autobahnen und Schnellstraßen beteiligt.
Die Veröffentlichung der Ad-hoc-Mitteilung am Wochenende gibt Anlegern Zeit, die neuen Informationen zu verarbeiten, bevor die Wiener Börse am Montag wieder öffnet. Erfahrungsgemäß reagieren Aktienkurse auf derart deutliche Gewinnwarnungen mit Abschlägen.
Die detaillierten Quartalszahlen und weitere Informationen zur Geschäftsentwicklung werden voraussichtlich in den kommenden Wochen mit dem vollständigen Quartalsbericht veröffentlicht. Anleger und Analysten dürften dann vor allem auf Aussagen zur mittelfristigen Strategie und zu den geplanten Kostensenkungsmaßnahmen achten.
Die drastische Reduzierung der Gewinnprognose um mehr als 70 Prozent ist ein erheblicher Rückschlag für das Unternehmen und seine Aktionäre. Allerdings bleibt Kapsch TrafficCom mit dem angepassten Ausblick im positiven Bereich – das erwartete EBIT von 7 Millionen Euro bedeutet, dass das Unternehmen operativ noch profitabel arbeitet.
Entscheidend für die weitere Kursentwicklung dürfte sein, ob der Vorstand das Vertrauen des Marktes zurückgewinnen kann. Die Aussage, dass der Auftragseingang trotz schwieriger Bedingungen gut verläuft, könnte dabei als positives Signal gewertet werden – sofern sich diese Aufträge in den kommenden Geschäftsjahren tatsächlich in steigende Umsätze und Gewinne übersetzen lassen.