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KI-Ethik im Fokus: Wiener Hochschule diskutiert Bias-Probleme

18. März 2026 um 06:16
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Künstliche Intelligenz durchdringt bereits heute nahezu jeden Lebensbereich – von der Jobsuche über Kreditentscheidungen bis hin zur medizinischen Diagnostik. Doch was passiert, wenn diese scheinba...

Künstliche Intelligenz durchdringt bereits heute nahezu jeden Lebensbereich – von der Jobsuche über Kreditentscheidungen bis hin zur medizinischen Diagnostik. Doch was passiert, wenn diese scheinbar objektiven Systeme diskriminieren? Die Hochschule Campus Wien lädt am 25. März 2026 zu einer hochaktuellen Campus Lecture ein, die sich mit den ethischen Fallstricken der KI-Technologie auseinandersetzt. Unter dem poetischen Titel "Einen Kaffee auf dem Mond trinken" werden Expert:innen beleuchten, wie Vorurteile in Algorithmen entstehen und welche Verantwortung Bildungseinrichtungen dabei tragen.

Wenn Maschinen diskriminieren: Das Problem des KI-Bias

Bias in der Künstlichen Intelligenz bezeichnet systematische Verzerrungen oder Vorurteile, die in maschinelle Lernmodelle eingebaut werden – oft unbeabsichtigt. Diese entstehen durch einseitige Trainingsdaten, voreingenommene Algorithmen oder gesellschaftliche Strukturen, die in die Programmierung einfließen. Ein berühmtes Beispiel ist Amazons Recruiting-Tool, das systematisch Frauen benachteiligte, weil es mit historischen Bewerbungsdaten trainiert wurde, in denen Männer überrepräsentiert waren. Solche Algorithmic Bias kann weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen haben.

Die Campus Lecture am 25. März 2026 von 17:30 bis 19:00 Uhr im Festsaal der Favoritenstraße 232 in Wien-Favoriten widmet sich genau dieser Problematik. Das Forschungszentrum AI, Software and IT-Security sowie die Abteilung Gender & Diversity Management der Hochschule Campus Wien haben hochkarätige Expert:innen eingeladen, um technische Grundlagen mit ethischen Perspektiven zu verbinden.

Programm und Referent:innen der Veranstaltung

  • 17:30 Uhr: Begrüßung durch Vizerektorin Evelyn Süss-Stepancik
  • 17:40 Uhr: Impulsvortrag von DI Dr. techn. Mugdim Bublin, Stiftungsprofessor für Artificial Intelligence der Stadt Wien
  • 18:00 Uhr: Impulsvortrag von Assistant Prof. Dr.x techn. Katta Spiel, Universität Wien
  • Ab 18:20 Uhr: Publikumsdiskussion

Österreichs KI-Landschaft im internationalen Vergleich

Österreich hat in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um bei der KI-Entwicklung nicht den Anschluss zu verlieren. Die Bundesregierung verabschiedete 2019 eine nationale KI-Strategie "AIM AT 2030", die bis 2030 eine führende Rolle Österreichs in der anwendungsorientierten KI-Forschung anstrebt. Mit einem Budget von 150 Millionen Euro sollen Forschung, Innovation und digitale Transformation vorangetrieben werden.

Im Vergleich zu Deutschland, das mit seiner KI-Strategie bereits 2018 einen Vorsprung hatte und bis 2025 rund 5 Milliarden Euro investiert, oder der Schweiz, die mit ihrer "Digital Switzerland Strategy" ebenfalls frühzeitig agierte, holte Österreich zwar später auf, fokussiert aber stärker auf ethische Aspekte. Diese Entwicklung zeigt sich besonders in Wien, wo die Stadt eigene Stiftungsprofessuren für KI einrichtete – wie jene von Mugdim Bublin an der Hochschule Campus Wien.

Gender und Diversität in der KI-Entwicklung

Ein zentraler Aspekt der Veranstaltung ist die gender- und diversitätssensible Betrachtung von KI-Systemen. Teresa Schweiger, Leiterin der Abteilung Gender & Diversity Management an der Hochschule Campus Wien, betont: "Künstliche Intelligenz ist in der Praxis neutral. Sie entsteht aus Daten, Annahmen und gesellschaftlichen Strukturen, die von Menschen ausgewählt, definiert und interpretiert werden."

Diese Aussage trifft den Kern des Problems: KI-Systeme sind nur so objektiv wie die Menschen und Daten, die sie erschaffen. Wenn Frauen in technischen Berufen unterrepräsentiert sind, spiegelt sich dies in den Entwicklerteams wider. Wenn historische Daten Diskriminierung enthalten, lernen Algorithmen diese Muster. Die Hochschule Campus Wien geht daher bewusst einen anderen Weg und integriert von Beginn an diverse Perspektiven in die KI-Forschung.

Konkrete Auswirkungen von KI-Bias auf Bürger:innen

Die Auswirkungen von Bias in KI-Systemen sind für österreichische Bürger:innen bereits heute spürbar. Bei der Kreditvergabe nutzen Banken zunehmend algorithmische Bewertungsverfahren, die bestimmte Bevölkerungsgruppen benachteiligen können. Im Gesundheitswesen können KI-gestützte Diagnosesysteme, die primär mit Daten männlicher, hellhäutiger Patienten trainiert wurden, bei Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund fehlerhafte Ergebnisse liefern.

Besonders problematisch wird es im Bereich der öffentlichen Verwaltung. Wenn Algorithmen bei der Vergabe von Sozialleistungen eingesetzt werden oder bei der Risikoeinschätzung in der Strafjustiz, können systematische Benachteiligungen entstehen, die demokratische Grundwerte untergraben. Die Stadt Wien experimentiert bereits mit KI-Anwendungen in verschiedenen Bereichen – von der Verkehrssteuerung bis zur Energieversorgung. Umso wichtiger ist es, dass diese Systeme von Anfang an diskriminierungsfrei konzipiert werden.

Die Hochschule Campus Wien als Vorreiter

Mit über 9.000 Studierenden ist die Hochschule Campus Wien nicht nur die größte Fachhochschule Österreichs, sondern auch ein wichtiger Akteur in der österreichischen KI-Landschaft. Die Einrichtung eines eigenen Forschungszentrums für AI, Software and IT-Security unterstreicht das Engagement der Institution in diesem Bereich. Gleichzeitig ist die Hochschule Gründungsmitglied im Bündnis Nachhaltige Hochschulen – ein Zeichen dafür, dass technologische Innovation und gesellschaftliche Verantwortung Hand in Hand gehen sollen.

Die sieben Departments der Hochschule – von Angewandter Pflegewissenschaft über Applied Life Sciences bis hin zu Technik und Sozialwissenschaften – bieten ideale Voraussetzungen für interdisziplinäre KI-Forschung. Diese Vielfalt ermöglicht es, KI-Anwendungen nicht isoliert zu betrachten, sondern ihre Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche zu analysieren.

Internationale Forschungskooperationen und Best Practices

Die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung ethischer KI-Standards. Die EU-Kommission hat mit dem "AI Act" bereits rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen, die ab 2025 in Kraft treten werden. Österreich ist aktiv an der Umsetzung beteiligt und entwickelt nationale Leitlinien für den verantwortungsvollen Umgang mit KI.

Besonders interessant ist der Vergleich mit skandinavischen Ländern wie Dänemark oder Schweden, die bereits seit Jahren "AI Ethics Boards" in ihren Hochschulen etabliert haben. Diese Gremien prüfen Forschungsvorhaben auf ethische Unbedenklichkeit und entwickeln Standards für die KI-Ausbildung. Die Hochschule Campus Wien könnte hier eine Vorreiterrolle in Österreich übernehmen.

Zukunftsperspektiven: KI-Ethik als Pflichtfach?

Die Diskussion um KI-Ethik wird in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Expert:innen fordern bereits, dass KI-Ethik als Pflichtfach in alle technischen Studiengänge integriert werden sollte. Die Hochschule Campus Wien könnte hier als Pilotprojekt fungieren und Standards für andere österreichische Hochschulen setzen.

Langfristig ist zu erwarten, dass KI-Systeme noch komplexer werden und in noch mehr Lebensbereichen Anwendung finden. Autonome Fahrzeuge, personalisierte Medizin und Smart Cities sind nur einige Beispiele. Umso wichtiger wird es sein, dass die nächste Generation von Informatiker:innen, Ingenieur:innen und Wirtschaftsexpert:innen bereits während des Studiums lernt, wie sie diskriminierungsfreie und ethisch vertretbare KI-Systeme entwickeln können.

Rolle der Hochschulen in der gesellschaftlichen Debatte

Hochschulen haben eine besondere Verantwortung in der KI-Entwicklung. Sie sind nicht nur Ausbildungsstätten für die nächste Generation von KI-Expert:innen, sondern auch wichtige Forschungseinrichtungen und gesellschaftliche Meinungsbildner. Die Campus Lecture der Hochschule Campus Wien zeigt exemplarisch, wie akademische Institutionen diese Verantwortung wahrnehmen können.

Durch die Verbindung von technischer Expertise mit ethischer Reflexion und der bewussten Einbeziehung von Gender- und Diversitätsaspekten setzt die Hochschule ein wichtiges Signal. Die kostenlose Teilnahme und die Möglichkeit zur Online-Teilnahme machen die Veranstaltung auch für ein breites Publikum zugänglich – ein demokratischer Ansatz, der zu einer offenen gesellschaftlichen Diskussion beiträgt.

Die Anmeldung zur Campus Lecture ist über die Website der Hochschule möglich. Interessierte können sich sowohl für die Präsenz- als auch für die Online-Teilnahme registrieren. Die Veranstaltung richtet sich nicht nur an Fachpublikum, sondern an alle, die sich für die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung interessieren. In einer Zeit, in der KI-Systeme zunehmend über unser Leben mitentscheiden, ist eine informierte Öffentlichkeit wichtiger denn je.

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