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Kimchi-Test enthüllt: Nur 3 von 13 Produkten wirken probiotisch

25. März 2026 um 07:17
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Das koreanische Superfood Kimchi verspricht darmfreundliche Bakterien und gilt als gesunde Alternative zu herkömmlichem Sauerkraut. Doch eine aktuelle Untersuchung des Vereins für Konsumenteninform...

Das koreanische Superfood Kimchi verspricht darmfreundliche Bakterien und gilt als gesunde Alternative zu herkömmlichem Sauerkraut. Doch eine aktuelle Untersuchung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) zeigt ernüchternde Ergebnisse: Von 13 getesteten Kimchi-Produkten aus österreichischen Supermärkten enthalten nur drei tatsächlich die beworbenen Milchsäurebakterien. Die am 26. März 2026 veröffentlichte Studie stellt damit die Superfood-Eigenschaften des fermentierten Kohlgerichts infrage und offenbart erhebliche Qualitätsunterschiede im heimischen Handel.

Was macht Kimchi zum Superfood und warum versagen die meisten Produkte?

Kimchi ist ein traditionelles koreanisches Gericht aus fermentiertem Kohl, das durch Milchsäuregärung haltbar gemacht wird. Während dieses natürlichen Fermentationsprozesses entstehen Lactobazillen und andere probiotische Bakterien, die nachweislich positive Effekte auf die Darmflora haben. Diese Mikroorganismen können die Verdauung fördern, das Immunsystem stärken und sogar Entzündungen reduzieren. In Korea gilt Kimchi deshalb seit Jahrhunderten als Grundnahrungsmittel und Heilmittel zugleich.

Das Problem bei kommerziell hergestelltem Kimchi liegt jedoch in der Pasteurisierung. Viele Hersteller erhitzen ihre Produkte, um die Haltbarkeit zu verlängern und mikrobiologische Sicherheit zu gewährleisten. Dieser Prozess tötet jedoch auch die wertvollen Milchsäurebakterien ab, die dem Kimchi seine gesundheitsfördernde Wirkung verleihen. Von den 13 getesteten Produkten waren nur drei unpasteurisiert und enthielten daher noch lebende probiotische Kulturen.

Österreichische Kimchi-Landschaft: Vielfalt ohne Wirkung

Der österreichische Markt für Kimchi hat sich in den vergangenen Jahren deutlich entwickelt. Während das fermentierte Kohlgericht noch vor einem Jahrzehnt nur in Spezialitätengeschäften für asiatische Lebensmittel erhältlich war, führen heute auch große Supermarktketten wie Billa, Spar und Merkur verschiedene Kimchi-Varianten. Diese Entwicklung spiegelt den globalen Trend zu fermentierten Lebensmitteln und Superfoods wider, der durch soziale Medien und Gesundheitsbewusstsein angetrieben wird.

Die drei Testsieger, die tatsächlich probiotische Bakterien enthalten, stammen interessanterweise aus unterschiedlichen Vertriebskanälen: einem Bio-Supermarkt, einer Billa-Filiale und einem Spezialitätengeschäft. Dies deutet darauf hin, dass die probiotische Qualität nicht vom Verkaufskanal, sondern von den Herstellungsverfahren abhängt. Importierte Produkte schnitten dabei nicht besser ab als europäische Alternativen, was zeigt, dass auch lokale Produzenten qualitativ hochwertiges Kimchi herstellen können.

Nährwerte und Verarbeitungsgrad: Die versteckten Unterschiede

Neben der probiotischen Wirkung untersuchte der VKI auch die Nährwerte der verschiedenen Kimchi-Produkte. Dabei kam der Nutri-Score zum Einsatz, ein Bewertungssystem, das die Nährwertqualität von Lebensmitteln auf einer Skala von A (sehr gut) bis E (schlecht) bewertet. Überraschenderweise hing die Bewertung stark vom Salzgehalt ab, der bei fermentierten Produkten naturgemäß höher ist.

Lediglich zwei Produkte – von Spar und Oriental Kimchi – erreichten die Bestnote A beim Nutri-Score. Das KoRo-Produkt erhielt ein B, während die meisten anderen Kimchi-Varianten mit C bewertet wurden. Für Personen mit Bluthochdruck oder anderen salzempfindlichen Erkrankungen bedeutet dies, dass sie eher kleinere Portionen konsumieren sollten. Ein Glas Kimchi (etwa 100 Gramm) kann je nach Produkt zwischen 1,5 und 3 Gramm Salz enthalten, was bereits 15 bis 30 Prozent der täglich empfohlenen Salzaufnahme entspricht.

NOVA-Klassifizierung enthüllt Verarbeitungsgrade

Besonders aufschlussreich ist die Analyse des Verarbeitungsgrads nach dem NOVA-System, das Lebensmittel in vier Kategorien einteilt. Fast alle getesteten Kimchi-Produkte erhielten die Klassifikation 3, was "verarbeitete Lebensmittel" bedeutet. Drei Produkte – Jongaa Kimchi, Wang Korea und Yangban Kimchi – fielen sogar in die Kategorie NOVA 4 und gelten damit als "sehr hoch verarbeitet". Der Grund dafür sind zugesetzte Geschmacksverstärker oder künstliche Süßungsmittel, die in traditionellem Kimchi nicht vorkommen.

Diese Klassifizierung ist besonders relevant für gesundheitsbewusste Konsumenten, da zahlreiche Studien einen Zusammenhang zwischen hoch verarbeiteten Lebensmitteln und verschiedenen Gesundheitsrisiken aufzeigen. Dabei geht es nicht nur um die Nährstoffzusammensetzung, sondern auch um die Auswirkungen von Zusatzstoffen auf den Stoffwechsel und die Darmgesundheit.

Geschmack und Qualität: Was österreichische Konsumenten erwarten können

Bei der sensorischen Bewertung durch geschulte Verkoster zeigten sich ebenfalls interessante Unterschiede. Acht der 13 getesteten Kimchi-Produkte überzeugten geschmacklich und erhielten gute Bewertungen. Die Tester bewerteten dabei verschiedene Aspekte wie Säuregrad, Schärfe, Textur und Gesamteindruck. Produkte mit ausgewogener Säure und angenehmer Schärfe punkteten dabei besonders.

Überraschend war das schlechte Abschneiden des Bio-Kimchi von Spar bei der Blindverkostung. Obwohl das Produkt insgesamt noch eine gute Bewertung erhielt, würden die wenigsten Testpersonen dieses Kimchi tatsächlich kaufen. Dies zeigt, dass Bio-Qualität nicht automatisch mit besserem Geschmack gleichzusetzen ist und dass Konsumenten bei fermentierten Produkten besonders hohe Ansprüche an Geschmack und Textur stellen.

Preisvergleich und Verfügbarkeit in Österreich

Die Preise für Kimchi variieren in österreichischen Supermärkten erheblich. Während günstige Produkte bereits ab 2,50 Euro pro 300-Gramm-Glas erhältlich sind, kosten Premium- und Bio-Varianten bis zu 8 Euro. Interessant ist dabei, dass der Preis nicht zwangsläufig mit der probiotischen Qualität korreliert. Einige der teureren Produkte enthielten keine lebenden Bakterien, während günstigere Alternativen durchaus probiotisch wirksam waren.

Die Verfügbarkeit hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Während Kimchi früher hauptsächlich in asiatischen Lebensmittelgeschäften erhältlich war, führen heute praktisch alle großen Supermarktketten mindestens eine Kimchi-Variante. Besonders in Wien, Graz und anderen Universitätsstädten ist die Auswahl groß, da hier die Nachfrage nach internationalen und gesunden Lebensmitteln besonders hoch ist.

Gesundheitliche Auswirkungen und wissenschaftliche Evidenz

Die gesundheitlichen Vorteile von probiotischem Kimchi sind wissenschaftlich gut dokumentiert. Studien zeigen, dass die enthaltenen Lactobazillen die Darmbarriere stärken, schädliche Bakterien verdrängen und die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren fördern können. Diese Fettsäuren wirken entzündungshemmend und können sogar positive Effekte auf das Immunsystem und die Stimmung haben.

Für österreichische Konsumenten bedeutet dies: Nur wer zu den drei probiotisch wirksamen Produkten greift, kann diese Vorteile tatsächlich nutzen. Die anderen zehn getesteten Kimchi-Varianten mögen geschmacklich überzeugen und wichtige Nährstoffe wie Vitamin C, Vitamin K und Folsäure liefern, die spezifischen probiotischen Effekte bleiben jedoch aus. Dies ist besonders ärgerlich, da viele Konsumenten Kimchi gezielt wegen seiner beworbenen Darmgesundheit-Eigenschaften kaufen.

Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen

Besonders relevant sind die Testergebnisse für Menschen mit Verdauungsproblemen, die auf probiotische Lebensmittel angewiesen sind. Personen mit Reizdarmsyndrom, nach Antibiotikabehandlungen oder mit geschwächtem Immunsystem könnten von echtem probiotischem Kimchi profitieren. Gleichzeitig müssen Personen mit Bluthochdruck oder Nierenerkrankungen aufgrund des hohen Salzgehalts vorsichtig sein.

Für Sportler und gesundheitsbewusste Menschen, die Kimchi als Teil einer entzündungshemmenden Ernährung konsumieren wollen, ist die Unterscheidung zwischen probiotischen und pasteurisierten Produkten essentiell. Nur die unpasteurisierten Varianten können die gewünschten entzündungshemmenden Effekte entfalten.

Vergleich mit anderen fermentierten Produkten und internationalen Standards

Im Vergleich zu anderen fermentierten Produkten wie Sauerkraut, Kefir oder Joghurt zeigt Kimchi ähnliche Probleme bei der kommerziellen Herstellung. Auch bei Sauerkraut aus dem Supermarkt sind oft keine lebenden Kulturen mehr enthalten, da die meisten Produkte pasteurisiert werden. Dies steht im Gegensatz zu traditionellen Herstellungsverfahren, bei denen die probiotischen Eigenschaften im Vordergrund stehen.

In Korea, dem Ursprungsland des Kimchi, sind unpasteurisierte Varianten deutlich häufiger verfügbar. Dies liegt teilweise an kürzeren Transportwegen und einer anderen Konsumkultur, in der frisches Kimchi täglich zubereitet und schnell verbraucht wird. Deutsche und schweizerische Märkte zeigen ähnliche Trends wie Österreich, wobei in Deutschland die Auswahl an probiotischen Kimchi-Produkten tendenziell größer ist.

Regulatorische Aspekte und Kennzeichnung

Ein wichtiger Aspekt des VKI-Tests betrifft die Kennzeichnung der Produkte. Viele Hersteller bewerben ihre Kimchi-Produkte mit Begriffen wie "fermentiert", "probiotisch" oder "darmfreundlich", ohne dass entsprechende Bakterienkulturen nachweisbar sind. Dies bewegt sich in einem rechtlichen Graubereich, da es keine einheitlichen EU-weiten Standards für die Bewerbung probiotischer Eigenschaften gibt.

In Österreich unterliegen probiotische Aussagen den allgemeinen Bestimmungen des Lebensmittelrechts und der Health-Claims-Verordnung. Hersteller dürfen gesundheitsbezogene Angaben nur machen, wenn diese wissenschaftlich belegt sind. Der VKI-Test zeigt jedoch, dass zwischen Bewerbung und tatsächlichem Inhalt oft erhebliche Diskrepanzen bestehen.

Praktische Tipps für Konsumenten und Zukunftsausblick

Für Verbraucher, die von den probiotischen Eigenschaften von Kimchi profitieren möchten, empfiehlt es sich, gezielt nach unpasteurisierten Produkten zu suchen. Diese sind meist im Kühlregal zu finden und haben eine kürzere Haltbarkeit als pasteurisierte Varianten. Ein Blick auf die Zutatenliste kann ebenfalls hilfreich sein: Produkte mit künstlichen Konservierungsstoffen sind meist pasteurisiert.

Eine Alternative ist die eigene Herstellung von Kimchi, die mit grundlegenden Fermentationskenntnissen durchaus möglich ist. Zahlreiche österreichische Kochschulen und Volkshochschulen bieten mittlerweile Kurse zu Fermentation an, und im Internet finden sich ausführliche Anleitungen. Selbstgemachtes Kimchi enthält garantiert lebende Bakterien und kann geschmacklich an persönliche Vorlieben angepasst werden.

Marktentwicklung und Zukunftstrends

Der österreichische Kimchi-Markt steht noch am Anfang seiner Entwicklung. Experten prognostizieren ein weiteres Wachstum, da das Bewusstsein für Darmgesundheit und fermentierte Lebensmittel steigt. Gleichzeitig könnte der VKI-Test zu einer Qualitätsverbesserung führen, da Hersteller unter Druck stehen, tatsächlich probiotische Produkte anzubieten.

Innovative Unternehmen experimentieren bereits mit neuen Verpackungsmethoden und Kühlketten, um unpasteurisierte Kimchi-Produkte mit längerer Haltbarkeit zu entwickeln. Auch die Kombination mit anderen probiotischen Kulturen oder die Entwicklung regionaler Kimchi-Varianten mit österreichischen Zutaten sind denkbare Trends.

Der VKI-Test macht deutlich, dass Konsumenten beim Kimchi-Kauf besonders aufmerksam sein müssen. Während acht Produkte geschmacklich überzeugen, bieten nur drei die beworbenen gesundheitlichen Vorteile. Für eine fundierte Kaufentscheidung lohnt es sich, die detaillierten Testergebnisse auf www.vki.at/kimchi-2026 zu konsultieren und gezielt nach unpasteurisierten Produkten zu suchen. Nur so können Verbraucher sicherstellen, dass sie tatsächlich von den probiotischen Eigenschaften dieses koreanischen Superfoods profitieren.

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