Seniorenbundpräsidentin kritisiert veraltete Einkommensgrenzen bei Pflegeentwicklungskommission
Die 24-Stunden-Betreuung soll für mehr Menschen leistbar werden. Korosec fordert eine Erhöhung der Förderung von 800 auf 1.600 Euro.
Die Diskussion um die Zukunft der Pflege in Österreich gewinnt an Fahrt. Bei einer Sitzung der Pflegeentwicklungskommission unter Leitung von Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann standen zentrale Herausforderungen des Pflegesektors im Fokus. Ein besonders brisantes Thema: die Finanzierung der 24-Stunden-Betreuung.
Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec nutzte den Anlass, um deutliche Kritik an den aktuellen Förderstrukturen zu üben. Ihre zentrale Forderung: Die Förderung für die 24-Stunden-Betreuung muss von derzeit 800 Euro auf 1.600 Euro verdoppelt werden. "24-Stunden-Betreuung darf kein Luxus sein", betonte Korosec in ihrer Stellungnahme.
Besonders problematisch sieht die Seniorenbundpräsidentin die seit 2007 unveränderte Einkommensgrenze von 2.500 Euro netto. "Sie wurde seit der Festlegung 2007 nicht erhöht. Das ist ein enormer inflationsbedingter Wertverlust", kritisiert Korosec. In den vergangenen 17 Jahren ist die Inflation deutlich gestiegen, während die Fördergrenzen konstant blieben – eine Entwicklung, die immer mehr Familien von der Unterstützung ausschließt.
Das Thema 24-Stunden-Betreuung hat auch auf politischer Ebene höchste Priorität. Im aktuellen Regierungsprogramm ist die Qualitätssicherung bei der 24-Stunden-Betreuung Pflegebedürftiger explizit festgeschrieben. Die Sitzung der Pflegeentwicklungskommission, bei der Vertreter von Bund, Ländern und Gemeinden zusammenkamen, sollte konkrete Schritte zur Weiterentwicklung des Pflegesektors erarbeiten.
Die 24-Stunden-Betreuung stellt für viele pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen eine wichtige Alternative zur stationären Pflege dar. Sie ermöglicht es, in den eigenen vier Wänden zu bleiben und dennoch professionelle Betreuung zu erhalten. Doch die hohen Kosten machen diese Form der Pflege für viele Familien unerschwinglich.
Korosec argumentiert nicht nur mit sozialen, sondern auch mit wirtschaftlichen Aspekten. Eine Erhöhung der Förderung und deren jährliche Valorisierung sei "nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine Investition in die Lebensqualität der älteren Generation, der zu Betreuenden und der Familien".
Darüber hinaus würde eine bessere Finanzierung der häuslichen 24-Stunden-Betreuung das gesamte Gesundheits- und Pflegesystem entlasten. "Die Versorgung in Heimen ist die teuerste", gibt Korosec zu bedenken. Wenn mehr Menschen die Möglichkeit hätten, zu Hause betreut zu werden, könnte dies langfristig Kosten im Gesundheitssystem reduzieren.
Der demografische Wandel in Österreich verstärkt den Handlungsdruck zusätzlich. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt kontinuierlich, während die Kapazitäten in stationären Einrichtungen begrenzt sind. Gleichzeitig wünschen sich viele ältere Menschen, so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben.
Die 24-Stunden-Betreuung könnte hier eine wichtige Brückenfunktion übernehmen – vorausgesetzt, sie wird für mehr Familien leistbar. Derzeit können sich viele Haushalte diese Form der Betreuung nicht leisten, obwohl der Bedarf vorhanden wäre.
Neben der einmaligen Erhöhung der Förderbeträge fordert Korosec auch eine regelmäßige Anpassung der Förderstrukturen. Eine jährliche Valorisierung würde verhindern, dass die Unterstützung durch Inflation wieder an Wert verliert. Dies würde Planungssicherheit für Familien schaffen und sicherstellen, dass die Förderung auch in Zukunft ihren Zweck erfüllt.
Die Forderung nach einer Verdopplung der Förderung mag auf den ersten Blick drastisch erscheinen, doch sie spiegelt die realen Kostensteigerungen der vergangenen Jahre wider. Löhne, Lebenshaltungskosten und Betreuungskosten sind seit 2007 deutlich gestiegen, während die staatliche Unterstützung konstant blieb.
Die Umsetzung von Korosecs Forderungen stellt die Politik vor erhebliche Herausforderungen. Eine Verdopplung der Förderung würde zusätzliche Millionen Euro im Bundesbudget erfordern. Gleichzeitig ist die Pflege eine geteilte Kompetenz zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, was Abstimmungsprozesse kompliziert macht.
Die Sitzung der Pflegeentwicklungskommission zeigt jedoch, dass alle politischen Ebenen die Dringlichkeit des Themas erkannt haben. Es bleibt abzuwarten, welche konkreten Maßnahmen aus den Beratungen resultieren werden.
Letztendlich geht es bei der Debatte um mehr als nur Zahlen und Förderbeträge. Im Zentrum steht die Frage, wie Österreich mit seiner alternden Gesellschaft umgeht und welche Wertschätzung älteren Menschen entgegengebracht wird. Die Möglichkeit, im Alter würdevoll und selbstbestimmt leben zu können, sollte nicht vom Einkommen abhängen.
Die 24-Stunden-Betreuung bietet hierfür eine wichtige Option, die durch angemessene staatliche Unterstützung für breitere Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht werden könnte. Korosecs Forderungen zielen darauf ab, diese Unterstützung der aktuellen Realität anzupassen und somit mehr Familien diese Form der Pflege zu ermöglichen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Politik bereit ist, die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen und die Pflegeförderung grundlegend zu reformieren. Für viele betroffene Familien steht dabei nicht weniger als die Zukunft ihrer Angehörigen auf dem Spiel.