Am 21. Januar 2026 wurde die Sitzung des Wiener Landtags durch eine dringliche Anfrage der Grünen unterbrochen, die sich mit der prekären Situation in der Wiener Krisenpflege befasste. Die Anfrage an Landeshauptmann-Stellvertreterin und Bildungsministerin Bettina Emmerling (NEOS) thematisierte die H
Am 21. Januar 2026 wurde die Sitzung des Wiener Landtags durch eine dringliche Anfrage der Grünen unterbrochen, die sich mit der prekären Situation in der Wiener Krisenpflege befasste. Die Anfrage an Landeshauptmann-Stellvertreterin und Bildungsministerin Bettina Emmerling (NEOS) thematisierte die Herausforderungen und Missstände in der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wien. Die Diskussion offenbarte alarmierende Zustände und einen dringenden Handlungsbedarf, um die Rechte und das Wohl der Kinder zu schützen.
Die Wiener Kinder- und Jugendhilfe steht vor großen Herausforderungen. Laut LAbg. Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE), zeigen Berichte aus dem Alltag der MA 11-Mitarbeiter*innen ein klares Bild: zu viele Kinder, zu wenig Zeit und Ressourcen. Mitarbeiter*innen sind überlastet und können ihrer eigentlichen Arbeit nicht mehr nachgehen, was zu Frustration und einer systemischen Überforderung führt.
Die Kinder- und Jugendhilfe in Wien hat eine lange Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich als Schutzmaßnahme für Waisenkinder gedacht, hat sich das System im Laufe der Jahre erweitert, um auch Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu unterstützen. Trotz zahlreicher Reformen und Anpassungen bleibt die Herausforderung bestehen, ausreichende Ressourcen und qualifiziertes Personal bereitzustellen.
Im Vergleich zu anderen österreichischen Bundesländern hinkt Wien in der Bereitstellung ambulanter Betreuungsangebote hinterher. Während Bundesländer wie Vorarlberg und Tirol verstärkt auf Prävention und ambulante Unterstützung setzen, kämpft Wien mit einer chronischen Überlastung der Krisenzentren. Auch im internationalen Vergleich, etwa mit der Schweiz, zeigt sich, dass Wien in der Unterstützung von Familien und Kindern strukturelle Defizite aufweist.
Die Überlastung der Krisenzentren hat direkte Auswirkungen auf die betroffenen Kinder und Jugendlichen. Beispielsweise berichten Mitarbeiter*innen von Situationen, in denen grundlegende Bedürfnisse wie Ernährung und Sicherheit nicht ausreichend gewährleistet werden können. Die psychische Belastung für die Kinder ist enorm, und die fehlende individuelle Betreuung kann langfristige Folgen für ihre Entwicklung haben.
Im Jahr 2025 führte die Wiener Kinder- und Jugendhilfe 12.780 Gefährdungsabklärungen durch, wobei 1.038 davon in Krisenzentren oder bei Krisenpflegepersonen erfolgten. Über Weihnachten 2025/26 waren 170 Kinder in Krisenzentren untergebracht, und 10 von 19 Krisenzentren waren überbelegt. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit der Situation und den Bedarf an strukturellen Veränderungen.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Emmerling betonte, dass bereits Maßnahmen ergriffen wurden, um die Situation zu verbessern. Dazu gehören die Aufstockung von Personal, der Ausbau ambulanter Angebote und die Erhöhung von Förderungen für Ausbildungseinrichtungen. Dennoch bleibt die Personalfluktuation eine große Herausforderung, und es bedarf weiterer Anstrengungen, um die Krise nachhaltig zu bewältigen.
Die Zukunft der Wiener Krisenpflege hängt von umfassenden Reformen ab. Dazu gehört der Ausbau ambulanter Betreuungsangebote, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter*innen und die Erhöhung der Fachkraftquoten. Langfristig müssen Präventionsmaßnahmen und die Zusammenarbeit mit anderen sozialen Einrichtungen gestärkt werden, um eine nachhaltige Verbesserung der Situation zu erreichen.
Die dringliche Anfrage im Wiener Landtag hat die Missstände in der Krisenpflege deutlich gemacht und den Handlungsbedarf unterstrichen. Politik und Gesellschaft sind gefordert, die notwendigen Reformen umzusetzen, um den Schutz und das Wohl der Kinder zu gewährleisten. Eine offene Debatte und der Mut, bestehende Probleme zu benennen, sind entscheidend für eine positive Entwicklung. Weitere Informationen und Diskussionen sind notwendig, um nachhaltige Lösungen zu finden.