Am 5. Februar 2026 wurde im Rahmen einer Pressekonferenz der Sozialplan für die 500 von Entlassungen betroffenen Mitarbeiter:innen des Motorradherstellers KTM vorgestellt. Diese Maßnahme markiert einen wichtigen ersten Schritt, doch die eigentliche Herausforderung steht noch bevor: die Wiedereinglie
Am 5. Februar 2026 wurde im Rahmen einer Pressekonferenz der Sozialplan für die 500 von Entlassungen betroffenen Mitarbeiter:innen des Motorradherstellers KTM vorgestellt. Diese Maßnahme markiert einen wichtigen ersten Schritt, doch die eigentliche Herausforderung steht noch bevor: die Wiedereingliederung dieser Menschen in den Arbeitsmarkt. Die Situation ist besonders brisant, da sie sich in einer Region mit bereits hoher Arbeitslosigkeit abspielt. Arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich und die Sozialplattform Oberösterreich fordern daher eine aktive Arbeitsmarktpolitik, um die Betroffenen effektiv zu unterstützen.
Der Begriff Arbeitsmarktpolitik bezieht sich auf alle Maßnahmen, die darauf abzielen, die Beschäftigungssituation in einer Region zu verbessern. Dazu gehören Programme zur Qualifizierung, Beratung und Vermittlung von Arbeitslosen in neue Jobs. In Oberösterreich, wo die Arbeitslosenzahlen im Januar 2026 bei 49.069 Personen lagen, ist eine solche Politik besonders wichtig. Die strukturellen Probleme sind erheblich: Während die allgemeine Arbeitslosigkeit leicht rückläufig ist, steigt die Zahl der arbeitslosen Frauen um 2,4 Prozent, und die der über 50-Jährigen um 1,3 Prozent. Besonders alarmierend ist der Anstieg der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen um 22,3 Prozent.
Die Arbeitsmarktpolitik in Österreich hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark verändert. In den 1970er Jahren lag der Fokus auf der Schaffung neuer Arbeitsplätze durch staatliche Investitionen. In den 1990er Jahren verschob sich der Schwerpunkt auf die Förderung von Weiterbildung und Umschulung, um die Anpassungsfähigkeit der Arbeitskräfte an den sich wandelnden Arbeitsmarkt zu verbessern. Heute steht die Integration von Langzeitarbeitslosen und die Unterstützung von Sozialen Unternehmen im Vordergrund. Diese Entwicklung zeigt, dass die Arbeitsmarktpolitik stets auf die aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen reagieren muss.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass Österreich mit seinen Herausforderungen nicht allein dasteht. In Deutschland ist die Langzeitarbeitslosigkeit ebenfalls ein großes Thema. Dort setzt man verstärkt auf die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Arbeitsagenturen und privaten Bildungsanbietern. In der Schweiz hingegen liegt der Fokus auf der frühzeitigen Intervention, um Arbeitslosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen. Diese Ansätze könnten auch für Österreich von Interesse sein, um die aktuellen Probleme effektiver anzugehen.
Für die 500 betroffenen KTM-Mitarbeiter:innen bedeutet die Kündigung nicht nur den Verlust ihres Arbeitsplatzes, sondern auch eine erhebliche Unsicherheit in Bezug auf ihre Zukunft. Viele von ihnen haben seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, in demselben Unternehmen gearbeitet und stehen nun vor der Herausforderung, sich in einem zunehmend wettbewerbsorientierten Arbeitsmarkt neu zu orientieren. Die Gefahr besteht, dass aus kurzfristiger Arbeitslosigkeit Langzeitarbeitslosigkeit wird, was nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale und psychologische Folgen hat.
Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen in Österreich sind besorgniserregend. Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen ist im Vergleich zum Vorjahr um 14,1 Prozent gestiegen, während die Gesamtarbeitslosigkeit um 3,8 Prozent zugenommen hat. Diese Dynamik zeigt, dass die Gefahr einer Verfestigung der Arbeitslosigkeit real ist. Die Verfestigung bedeutet, dass Menschen, die einmal arbeitslos geworden sind, immer länger in dieser Situation verharren, was ihre Chancen auf eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt erheblich mindert.
Die Zukunft der Arbeitsmarktpolitik in Österreich wird maßgeblich davon abhängen, wie effektiv die bestehenden Instrumente genutzt werden. Die Insolvenzstiftung des Landes Oberösterreich bietet eine Möglichkeit, die Betroffenen intensiv zu begleiten und zu qualifizieren. Soziale Unternehmen können dabei eine Schlüsselrolle spielen, indem sie arbeitsmarktferne Menschen integrieren und ihnen neue Perspektiven bieten. Entscheidend wird sein, dass diese Strukturen langfristig abgesichert werden, um nicht nur kurzfristige Lösungen, sondern nachhaltige Veränderungen zu ermöglichen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Sozialplan für die KTM-Mitarbeiter:innen ein wichtiger erster Schritt ist, der jedoch durch eine konsequente aktive Arbeitsmarktpolitik ergänzt werden muss. Die Integration der Betroffenen in den Arbeitsmarkt erfordert gezielte Maßnahmen, die über bloße Verwaltungsakte hinausgehen. Es bleibt abzuwarten, wie die Verantwortlichen in Oberösterreich und auf Bundesebene auf diese Herausforderung reagieren werden. Die betroffenen Mitarbeiter:innen und ihre Familien verdienen echte Chancen auf eine neue berufliche Zukunft.
Für weitere Informationen zu diesem Thema können Sie die vollständige Pressemitteilung auf der Webseite von arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich einsehen.