Die Steiermark, bekannt als das Herz der österreichischen Kürbisproduktion, steht vor einer bahnbrechenden Entwicklung. Mit dem sogenannten 'Superkürbis' haben Forscher und Landwirte einen entscheidenden Schritt in Richtung einer nachhaltigen Landwirtschaft gemacht, die den Herausforderungen des Kli
Die Steiermark, bekannt als das Herz der österreichischen Kürbisproduktion, steht vor einer bahnbrechenden Entwicklung. Mit dem sogenannten 'Superkürbis' haben Forscher und Landwirte einen entscheidenden Schritt in Richtung einer nachhaltigen Landwirtschaft gemacht, die den Herausforderungen des Klimawandels trotzen soll. Doch was steckt hinter diesem Wunder der Natur?
Mit dem Ende des Sommers beginnt in der Steiermark traditionell die Kürbisernte. Doch in diesem Jahr fällt die Ernte deutlich geringer aus als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Die Landwirte erwarten lediglich 600 bis 670 Kilogramm Kürbiskerne pro Hektar, was auf die extremen Wetterbedingungen zurückzuführen ist. „Hitze, Trockenheit und unvorhersehbare Niederschläge setzen dem traditionellen Ölkürbis massiv zu“, erklärt ein Sprecher von Steirerkraft, einem der führenden Kürbisproduzenten in der Region.
Die Antwort auf diese klimatischen Herausforderungen liegt in der Entwicklung neuer, widerstandsfähiger Kürbissorten. Gemeinsam mit der Saatzucht Gleisdorf arbeitet das Unternehmen Steirerkraft an Sorten, die unter extremen Bedingungen gedeihen können. Das Ziel ist klar: stabile Erträge auch in schwierigen Jahren sicherzustellen. „Wir konzentrieren uns auf die Züchtung von Kürbissen, die robust und stabil sind und sich den klimatischen Herausforderungen anpassen können“, betont ein führender Forscher von Gleisdorf.
Ein spannender Durchbruch zeichnet sich bereits ab: Auf Testfeldern in der Nähe von Gleisdorf wurden Frühsorten geerntet, die zwei Wochen früher reifen als herkömmliche Sorten. Diese neuen Varianten sind nicht nur widerstandsfähig, sondern bieten auch ein hohes Ertragspotenzial. „Diese Kürbisse sind robuster und besser an klimatische Extreme angepasst, was zu einer deutlich höheren Ertragsstabilität führt“, erklärt ein Experte der Saatzucht.
Der sogenannte 'Superkürbis' ermöglicht im Durchschnitt 40 bis 50 Prozent höhere Erträge als klassische Sorten. Das bedeutet nicht nur mehr Kürbiskerne pro Hektar, sondern auch die Möglichkeit, den Anbau auf kühlere Regionen wie die Obersteiermark auszuweiten. Aufgrund der kurzen Vegetationsperiode war der Ölkürbis dort bisher kaum anzubauen.
Die Einführung des Superkürbis könnte eine wahre Revolution in der Landwirtschaft auslösen. Die frühe Reife der neuen Sorten ermöglicht eine Ernte bereits im September, was den Landwirten mehr Flexibilität bietet. Sollte es im Frühjahr zu Frostschäden kommen, kann ein Zweitanbau erfolgen, um den Ertrag zu sichern. „Das Erntefenster wird erweitert, was zusätzliche Anbaugebiete erschließt“, erklärt ein Vorstandsmitglied von Steirerkraft.
Der Weg zu diesem Durchbruch war lang und kostspielig. Seit den 1990er Jahren arbeiten Forscher an widerstandsfähigeren Kürbissorten. In dieser Zeit wurden über 20 Hybridsorten entwickelt, die die Erträge von ursprünglich 300 bis 400 Kilogramm auf bis zu 1.000 Kilogramm pro Hektar in guten Jahren steigern konnten. „Es dauert im Durchschnitt zehn Jahre, um eine neue Hybridkürbissorte auf den Markt zu bringen, und das kostet rund eine Million Euro“, erklärt ein führender Forscher.
Die Züchtung dieser Sorten erfolgt auf großen Versuchsflächen, wo tausende Parzellen mit unterschiedlichen Kandidaten angelegt werden. Die Pflanzen werden von der Aussaat bis zur Ernte beobachtet, um Merkmale wie Ertrag, Krankheitsresistenz und Korneigenschaften zu erheben. So können die Züchter schnell erkennen, welche Linien sich bewähren und gezielt miteinander gekreuzt werden können, um die gewünschten Eigenschaften zu vereinen.
Die Forscher sind optimistisch, dass der Superkürbis den Zenit der Forschung noch nicht erreicht hat. Es wird geschätzt, dass mittelfristig weitere Ertragssteigerungen von rund 20 Prozent möglich sind. Wichtig ist, dass diese Entwicklungen ohne gentechnische Eingriffe erfolgen, wie die Saatzucht Gleisdorf betont.
Der Superkürbis könnte bereits ab 2027 den 1.000 Vertragslandwirten von Steirerkraft zur Verfügung stehen. Dies würde nicht nur die Ertragslage der Landwirte verbessern, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten, indem die Abhängigkeit von klimatischen Bedingungen reduziert wird.
In einer Zeit, in der der Klimawandel immer stärker spürbar wird, könnte der Superkürbis ein entscheidender Faktor für die Zukunft der Landwirtschaft sein. Die Steiermark, die bereits als Kürbisland Nummer eins in Österreich bekannt ist, könnte mit dieser Innovation eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Landwirtschaft einnehmen.