Robert Menasse live zu Gast - Dokumentation über Kulturkrieg in der Ukraine
Peter Schneeberger präsentiert am 23. Februar Kunst, Literatur und Eurovision Song Contest - mit Courbet-Ausstellung und Ukraine-Doku.
Der "kulturMONTAG" am 23. Februar verspricht ein besonders vielseitiges Programm: Peter Schneeberger führt ab 22.30 Uhr in ORF 2 durch eine Sendung, die Kunst, Literatur und Musikgeschichte miteinander verbindet. Die Highlights reichen von der neuen Gustave-Courbet-Ausstellung im Leopold Museum über Robert Menasses jüngste Novelle bis hin zur ESC-Vorfreude mit dem Sieger oder der Siegerin von "Vienna Calling".
Die erste große österreichische Courbet-Einzelausstellung "Realist und Rebell" steht im Mittelpunkt des kulturellen Abends. Gustave Courbet, der französische Maler des 19. Jahrhunderts, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Realismus und als Wegbereiter der Moderne. Mit seinem berühmten Gemälde "L'Origine du monde" aus dem Jahr 1866 sorgte er für einen Skandal, der bis heute nachwirkt.
Das Werk zeigt die unverhüllte realistische Darstellung einer Vulva und war ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern eine Auftragsarbeit für einen türkischen Diplomaten in Paris. Erst 1985 gelangte das Ölbild in öffentlichen Besitz und befindet sich heute im Musée d'Orsay. Kunsthistoriker betrachten es als entscheidenden Schritt in die Moderne, da erstmals ein Geschlechtsorgan ohne historisches oder mythologisches Alibi dargestellt wurde.
Courbet war jedoch nicht nur Provokateur, sondern schuf auch träumerische Landschaften, die eine Atempause im hektischen, industriellen Zeitalter boten. Seine selbstbewusste Betonung künstlerischer Autonomie und seine Lust an Provokation machten ihn zum Rebellen der Kunstszene. Die Ausstellung im Leopold Museum, die ab 19. Februar läuft, würdigt beide Seiten des Künstlers.
Ein weiterer Höhepunkt der Sendung ist der Live-Auftritt von Robert Menasse, der seine neue Novelle "Die Lebensentscheidung" vorstellt. Der mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnete Autor setzt seine literarische Auseinandersetzung mit der Europäischen Union fort.
Nach "Die Hauptstadt", einer Karikatur der EU-Bürokratie, und "Die Erweiterung" (2022), die das Sträuben der Union gegen die Aufnahme von Balkanstaaten schildert, konzentriert sich Menasse nun auf eine persönlichere Geschichte. In "Die Lebensentscheidung" schickt er seinen Protagonisten Franz Fiala, einen frustrierten Kommissionsbeamten, in den Vorruhestand.
Fiala kämpft mit einer Krebsdiagnose und dem Wunsch, länger als seine Mutter zu leben. Diese Geschichte kann als Metapher für das kränkelnde Europa gelesen werden. Die Novelle entstand vor dem Hintergrund der Bauernaufstände gegen EU-Auflagen im Frühjahr 2024 und reflektiert die existentiellen Fragen sowohl des Protagonisten als auch Europas.
Peter Schneeberger wird mit dem glühenden Europäer und scharfen Kritiker der gegenwärtigen EU-Verfasstheit über aktuelle politische Entwicklungen diskutieren, insbesondere über die Forderungen nach einem starken Europa und einer neuen Verteidigungspolitik, wie sie auf der Münchner Sicherheitskonferenz artikuliert wurden.
Die ESC-Saison 2026 wirft ihre Schatten voraus: Am 20. Februar entscheidet der nationale Vorentscheid "Vienna Calling", wer Österreich beim Eurovision Song Contest am 16. Mai in Wien vertreten wird. Zwölf Kandidatinnen und Kandidaten kämpfen um die Teilnahme an der größten Musikshow der Welt.
Der kulturMONTAG nimmt die Siegerin oder den Sieger mit auf eine Zeitreise durch die ESC-Geschichte. Dabei besuchen sie die gefeierte Kultshow "Eurobronski" im Wiener Theater Bronski & Grünberg. Diese trashige Hommage an die Hochzeit des Eurovision Song Contest der 1960er, -70er und -80er Jahre begeistert nicht nur eingefleischte ESC-Fans.
Besonders bemerkenswert: Das Ensemble tanzt ausschließlich Originalchoreografien in Kostümen im Originalstil. Regisseurin Ruth Brauer-Kvam und Bronski-Mitbegründerin Julia Edtmeier haben eine humorvolle, aber niemals abwertende Persiflage geschaffen, die das kulturelle Phänomen ESC würdigt.
Im Anschluss an den kulturMONTAG zeigt ORF 2 um 23.15 Uhr die Dokumentation "Kulturkrieg - Kunst als Waffe". Der Film von Regisseur Philipp Kohlhöfer beleuchtet die besondere Rolle von Kunst und Kultur im Ukraine-Krieg, der nun bereits vier Jahre andauert.
Die russischen Angriffe richten sich nicht nur gegen militärische Ziele, sondern gezielt gegen Museen, Denkmäler, Kirchen und Theater. Damit zielt Russland nicht nur auf ukrainisches Gebiet, sondern auf die ukrainische Identität ab. Der Krieg soll die Ukraine als selbstständige Nation vernichten.
Paradoxerweise hat der Konflikt das ukrainische Nationalgefühl und die Kunst gestärkt. Die ukrainische Kulturszene ist vitaler und nationaler geworden denn je zuvor. Kunst fungiert als weitere Frontlinie, als Hoffnung und Zuversicht, aber auch als Waffe im Widerstandskampf.
Die deutsch-ukrainische Dokumentation begleitet ukrainische Künstlerinnen und Künstler vom Konzertsaal an die Front, vom Bunker ins Atelier. Sie zeigt, wie Kulturschaffende an zwei Fronten kämpfen: im Schützengraben und in der Kunst. Neben bekannten Künstlern wie Andrij Khlyvnyuk, Taras Topolia und Andrii Yermolenko kommt auch die First Lady der Ukraine, Olena Selenska, zu Wort.
Der kulturMONTAG am 23. Februar demonstriert eindrucksvoll die Bandbreite kultureller Berichterstattung im österreichischen Fernsehen. Von der klassischen Kunstgeschichte über zeitgenössische Literatur bis hin zu populärer Musikkultur und aktuellen gesellschaftspolitischen Themen spannt sich der Bogen.
Besonders bemerkenswert ist die Verknüpfung verschiedener Kunstformen und Epochen: Courbets revolutionärer Realismus des 19. Jahrhunderts findet seine Entsprechung in Menasses kritischer Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Die humorvolle ESC-Retrospektive kontrastiert mit der ernsten Dokumentation über Kunst als Widerstandsinstrument.
Diese Programmgestaltung zeigt, wie Kultur als verbindendes Element zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Unterhaltung und gesellschaftskritischer Reflexion fungieren kann. Der kulturMONTAG etabliert sich damit als wichtige Plattform für kulturelle Bildung und Diskurs im österreichischen Fernsehen.
Der kulturMONTAG läuft am 23. Februar ab 22.30 Uhr in ORF 2 und steht parallel auf ORF ON zur Verfügung. Die Dokumentation "Kulturkrieg - Kunst als Waffe" folgt um 23.15 Uhr. Der ESC-Vorentscheid "Vienna Calling" findet bereits am 20. Februar um 20.15 Uhr in ORF 1 statt.