Eine außergewöhnliche Begegnung zwischen Malerei und Glaskunst erwartet Kunstliebhaber im Frühjahr 2026: Das Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels präsentiert vom 11. April bis 14. Juni 2026 die ...
Eine außergewöhnliche Begegnung zwischen Malerei und Glaskunst erwartet Kunstliebhaber im Frühjahr 2026: Das Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels präsentiert vom 11. April bis 14. Juni 2026 die spektakuläre Doppelausstellung "AMADOR & COMPLOJ". In Kooperation mit der renommierten Sammlung Werner Trenker entstehen dabei faszinierende Dialogräume zwischen den Farbwelten des in Österreich lebenden Malers Juan Amador und den innovativen Glasskulpturen des Tiroler Künstlers Robert Comploj. Kuratiert wird die Schau von Klaus Albrecht Schröder, dem ehemaligen Generaldirektor der Albertina und heutigen CEO des Wiener Aktionismus Museums.
Juan Amador verkörpert eine in der Kunstwelt seltene Doppelbegabung: Der 1968 in Waiblingen geborene und heute in Österreich lebende Künstler erreichte zunächst als Spitzenkoch internationale Berühmtheit und höchste Auszeichnungen, bevor er seine Leidenschaft für die Malerei entdeckte. Diese ungewöhnliche Biographie prägt auch seine künstlerische Herangehensweise fundamental.
Amadors Maltechnik basiert auf der Verwendung der Rakel – einem ursprünglich aus dem Siebdruck stammenden Werkzeug, das hier zur Erzeugung außergewöhnlicher Farbeffekte eingesetzt wird. Die Rakel ist ein flaches, meist rechteckiges Werkzeug mit einer geraden Kante, mit dem Farbe gleichmäßig über die Leinwand gezogen wird. Bei Amador entstehen dadurch ineinanderfließende Farbseen aus vielen übereinanderliegenden Schichten, sogenannte Lasuren. Diese Technik erfordert präzises Timing und ein intuitives Verständnis für die Fließeigenschaften der Farbe – Fähigkeiten, die möglicherweise durch seine kulinarische Expertise geschärft wurden.
Die entstehenden Lasuren – transparente oder halbtransparente Farbschichten – erzeugen vibrierende Farbräume mit einer besonderen Tiefenwirkung. Jede Schicht modifiziert die darunterliegenden Farbtöne und schafft so komplexe optische Phänomene. Die Werke scheinen aus sich heraus zu strahlen und entwickeln eine fast magische Leuchtkraft, die den Betrachter in meditative Farbräume eintaucht.
Amadors Arbeiten stehen in einer bedeutenden kunsthistorischen Tradition, die ihre Wurzeln in der abstrakten Malerei des 20. Jahrhunderts hat. Besonders deutlich zeigen sich Verbindungen zu Mark Rothko (1903-1970), dem amerikanischen Maler des abstrakten Expressionismus, der für seine großformatigen Farbfeldmalereien berühmt wurde. Rothkos charakteristische Technik bestand darin, rechteckige Farbflächen übereinander zu schichten und dabei subtile Übergänge zu schaffen, die eine spirituelle Wirkung entfalten sollten.
Ebenso evident ist die Verwandtschaft zu Gerhard Richter (*1932), einem der bedeutendsten deutschen Maler der Gegenwart. Richters Rakel-Bilder, bei denen er mit breiten Rakeln Farbe über die Leinwand zieht und dabei zufällige, aber kontrollierte Strukturen entstehen lässt, haben die zeitgenössische Malerei nachhaltig geprägt. Richters Technik erzeugt Bilder zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, die durch ihre scheinbare Zufälligkeit paradoxerweise höchst raffiniert wirken.
Was Amador jedoch von seinen Vorbildern unterscheidet, ist seine eigenständige Entwicklung atmosphärischer Lichtfelder. Während Rothko vornehmlich mit warmen, erdigen Tönen arbeitete und Richter oft kalte, metallische Effekte bevorzugt, schafft Amador Farbwelten, die zwischen diesen Polen oszillieren und dabei eine ganz eigene Bildsprache entwickeln. Seine Werke verbinden die spirituelle Dimension Rothkos mit der technischen Perfektion Richters, führen jedoch zu völlig neuen visuellen Erfahrungen.
Der internationale Ruhm des Tiroler Glaskünstlers Robert Comploj basiert auf seiner radikalen Neuinterpretation des traditionellen Werkstoffs Glas. Comploj, der seit vielen Jahren als einer der innovativsten Vertreter zeitgenössischer Glasplastik gilt, sprengt mit seinen Arbeiten alle konventionellen Vorstellungen von Glaskunst. Seine Werke entstehen in einem aufwendigen Prozess, der traditionelle Glasbläser-Techniken mit modernen künstlerischen Konzepten verbindet.
Die Serie "Collapse" zeigt schwarze, matt schimmernde Glas-Säulen, die aus übereinandergestapelten, durch Druck und Stauchung deformierten Kuben bestehen. Diese Arbeiten entstehen durch einen kontrollierten Kollaps-Prozess, bei dem erhitztes Glas unter extremen Druckbedingungen verformt wird. Die dabei entstehenden Formen sind gleichzeitig zerstörerisch und schöpferisch – sie dokumentieren den Moment, in dem Ordnung in Chaos übergeht, aber dabei neue, unerwartete Schönheit entsteht.
Die "Liquid Drops"-Serie stellt eine noch größere technische Herausforderung dar. Comploj gelingt es, den Sekundenbruchteil eines fallenden und wieder hochschnellenden Wassertropfens in erstarrtem Glas zu bannen. Diese Arbeiten entstehen in Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Hochgeschwindigkeits-Fotografie, die solche ultraschnellen Bewegungen für das menschliche Auge sichtbar macht. Die künstlerische Umsetzung erfordert präzise Temperatukenntrolle und perfektes Timing, um die flüssige Bewegung im festen Material einzufrieren.
Complojs Innovationen gehen weit über rein technische Aspekte hinaus. Seine Arbeiten interpretieren grundlegende Konzepte wie Statik, Ordnung und Geometrie völlig neu. Während traditionelle Glaskunst oft auf Transparenz, Eleganz und Perfektion setzt, arbeitet Comploj bewusst mit Opazität, Rauheit und kontrollierten "Fehlern". Seine schwarzen Glasskulpturen absorbieren Licht, anstatt es durchzulassen, und schaffen dadurch völlig neue visuelle Erfahrungen.
Die materielle Ästhetik seiner Werke basiert auf dem Kontrast zwischen der Härte und Sprödigkeit des Glases und den weichen, organischen Formen, die durch den Verformungsprozess entstehen. Diese Spannung zwischen Material und Form, zwischen Kontrolle und Zufall, macht Complojs Arbeiten zu faszinierenden Studien über die Grenzen künstlerischer Gestaltung.
Das Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels hat sich seit seiner Gründung als wichtige Institution für zeitgenössische Kunst in Österreich etabliert. Das von der Unternehmerfamilie Angerlehner initiierte Privatmuseum widmet sich ausschließlich der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und hat durch seine hochkarätigen Ausstellungen internationale Beachtung erlangt. Die Sammlung umfasst Werke von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart und deckt alle wichtigen künstlerischen Bewegungen der letzten hundert Jahre ab.
Die Architektur des Museums, ein moderner Bau mit großzügigen Ausstellungsräumen und optimalen Lichtverhältnissen, bietet ideale Bedingungen für die Präsentation zeitgenössischer Kunst. Besonders die hohen Räume und die flexible Raumaufteilung ermöglichen es, auch großformatige Installationen und Skulpturen angemessen zu präsentieren. Dies macht das Museum zum perfekten Ort für die Doppelausstellung von Amador und Comploj, deren Werke beide eine besondere räumliche Wirkung entfalten.
Mit Klaus Albrecht Schröder konnte für die Kuration der Ausstellung einer der renommiertesten Kunstexperten Österreichs gewonnen werden. Schröder, der von 1999 bis 2017 als Generaldirektor die Albertina in Wien leitete und das Museum zu einem der führenden Kunsthäuser Europas entwickelte, bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Konzeption und Realisierung bedeutender Kunstausstellungen mit.
Unter Schröders Leitung wurde die Albertina nicht nur baulich erweitert, sondern auch programmatisch neu ausgerichtet. Er kuratierte Blockbuster-Ausstellungen zu Künstlern wie Picasso, Monet, Dürer und vielen anderen, die internationale Aufmerksamkeit erregten und Millionen von Besuchern anzogen. Seine Expertise liegt besonders in der Verbindung von klassischer und zeitgenössischer Kunst sowie in der Entwicklung innovativer Ausstellungskonzepte.
Seit 2018 führt Schröder als CEO das Wiener Aktionismus Museum, das sich der Dokumentation und Erforschung dieser wichtigen österreichischen Kunstbewegung widmet. Seine Erfahrung mit verschiedenen künstlerischen Medien und Ausdrucksformen macht ihn zum idealen Kurator für eine Ausstellung, die Malerei und Glaskunst in Dialog bringt.
Die Sammlung Werner Trenker gehört zu den wichtigsten österreichischen Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst. Der Sammler hat über Jahre hinweg ein beeindruckendes Konvolut von Werken namhafter internationaler Künstlerinnen und Künstler zusammengetragen, das regelmäßig in österreichischen und internationalen Museen gezeigt wird. Die Sammlung zeichnet sich durch ihre hohe Qualität und ihre thematische Kohärenz aus.
Trenkers Sammlungstätigkeit folgt einem klaren Konzept: Er erwirbt Werke von Künstlern, die innovative Positionen in der zeitgenössischen Kunst entwickeln und dabei handwerkliche Perfektion mit konzeptueller Klarheit verbinden. Sowohl Amador als auch Comploj entsprechen diesem Profil – beide haben eigenständige künstlerische Positionen entwickelt, die traditionelle Techniken mit zeitgenössischen Ansätzen verbinden.
Die Ausstellung reflektiert auch aktuelle Trends im österreichischen Kunstmarkt. Private Sammler spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der Kunstförderung, da öffentliche Mittel für Ankäufe oft begrenzt sind. Gleichzeitig wächst das Interesse an österreichischen und in Österreich lebenden Künstlern, die internationale Anerkennung finden.
Juan Amadors Werke haben in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Wertsteigerung erfahren, was sowohl auf seine künstlerische Qualität als auch auf seine ungewöhnliche Biographie zurückzuführen ist. Robert Complojs Glaskunst wird international von Sammlern geschätzt, die innovative Positionen in traditionellen Kunsthandwerksbereichen suchen. Beide Künstler profitieren vom wachsenden Interesse an österreichischer Gegenwartskunst.
Das kuratorische Konzept der Ausstellung basiert auf der Idee des Dialogs zwischen verschiedenen künstlerischen Medien. Malerei und Glaskunst werden nicht als getrennte Bereiche präsentiert, sondern als zwei Wege der Kunst, die das für unser Auge Unsichtbare sichtbar machen. Beide Künstler arbeiten mit Licht, Transparenz und Reflexion, allerdings mit völlig unterschiedlichen Mitteln und Techniken.
Amadors Farbräume und Complojs Glasskulpturen schaffen jeweils besondere Formen der visuellen Wahrnehmung. Während Amadors Lasuren das Licht einfangen und zu transformieren scheinen, brechen und reflektieren Complojs Glasarbeiten das Licht auf völlig andere Weise. Die räumliche Anordnung der Werke wird diese Parallelen und Kontraste verdeutlichen und neue Sichtweisen auf beide künstlerische Positionen eröffnen.
Die Ausstellung "AMADOR & COMPLOJ" unterstreicht die lebendige zeitgenössische Kunstszene Österreichs. Sowohl die Präsenz international anerkannter Künstler wie Amador und Comploj als auch die Aktivitäten von Privatsammlern wie Werner Trenker zeigen, dass Österreich weit über Wien hinaus wichtige Impulse für die internationale Kunstwelt setzt.
Oberösterreich entwickelt sich zunehmend zu einem bedeutenden Standort für zeitgenössische Kunst. Neben dem Museum Angerlehner tragen auch andere Institutionen wie das Lentos Kunstmuseum in Linz oder das Francisco Carolinum zur kulturellen Vielfalt der Region bei. Diese Entwicklung stärkt nicht nur die kulturelle Identität der Region, sondern wirkt auch wirtschaftlich durch Kulturtourismus und die Ansiedlung kreativer Unternehmen.
Die Ausstellung ist vom 11. April bis 14. Juni 2026 zu besichtigen und öffnet ihre Türen an Samstagen von 14:00 bis 18:00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10:00 bis 18:00 Uhr. Das Museum Angerlehner befindet sich in der Ascheter Straße 54 in Thalheim bei Wels und ist sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem Auto gut erreichbar.
Die Ausstellungseröffnung am 11. April 2026 um 14:00 Uhr verspricht ein besonderes Ereignis zu werden, bei dem Kunstinteressierte die Möglichkeit haben werden, beide Künstler persönlich kennenzulernen und mit Kurator Klaus Albrecht Schröder über die konzeptionellen Hintergründe der Schau zu sprechen. Zur Ausstellung wird ein umfangreicher Katalog erscheinen, der beide künstlerische Positionen ausführlich dokumentiert und kunsthistorisch einordnet.
Die Doppelausstellung könnte wegweisend für zukünftige kuratorische Ansätze sein, die verschiedene künstlerische Medien in Dialog bringen. In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen traditionellen Kunstgattungen zunehmend verschwimmen, zeigen solche Projekte neue Möglichkeiten der Kunstvermittlung auf. Die Verbindung von Amadors malerischen Farbräumen mit Complojs innovativer Glaskunst schafft Synergien, die beide Positionen in neuem Licht erscheinen lassen.
Für das Museum Angerlehner könnte diese Ausstellung einen wichtigen Meilenstein darstellen und die Institution weiter als Ort für innovative Ausstellungskonzepte profilieren. Die internationale Aufmerksamkeit, die beide Künstler auf sich ziehen, wird auch dem Museum und der Region zugutekommen und möglicherweise weitere hochkarätige Kooperationen nach sich ziehen.