Gewerkschaft GPA fordert Gehaltserhöhungen über der Inflationsrate für 68.000 Angestellte
Die Kollektivvertragsverhandlungen für den Finanzsektor sind ohne Angebot der Arbeitgeber beendet worden. Nächste Runde am 17. März.
Die Kollektivvertragsverhandlungen für den österreichischen Finanzsektor sind mit einem erwartbaren, aber dennoch enttäuschenden Ergebnis zu Ende gegangen: Nach fünf Stunden intensiver Gespräche am 24. Februar konnte keine Einigung erzielt werden. Die Arbeitgeberseite legte kein konkretes Angebot vor, während die Gewerkschaft GPA ihre Forderungen für die rund 68.000 Angestellten der Branche präsentierte.
Die Gewerkschaft GPA hat klare Vorstellungen für die anstehende Kollektivvertragsrunde formuliert. Im Zentrum steht eine dauerhafte und lineare Erhöhung der Mindestgehälter, die über der aktuellen Inflationsrate liegen soll. Diese Forderung begründen die Gewerkschaftsvertreter mit der ausgezeichneten wirtschaftlichen Lage des Finanzsektors.
Darüber hinaus fordert die GPA einen zusätzlichen persönlichen Freizeittag für gesundheitliche Vorsorgemaßnahmen sowie das Recht auf Stundenaufstockung für Teilzeitbeschäftigte. Diese Punkte zielen darauf ab, die Work-Life-Balance der Angestellten zu verbessern und gleichzeitig flexiblere Arbeitsmodelle zu ermöglichen.
Wolfgang Pischinger, Chefverhandler der Gewerkschaft GPA und Zentralbetriebsrat der OBERBANK, zeigte sich unzufrieden mit der Verhandlungsbereitschaft der Arbeitgeberseite. "Alle bisher veröffentlichten Daten bestätigen dem Finanzsektor das drittbeste Jahr seiner Geschichte. Gerade deshalb ist es unverständlich, dass die Arbeitgeberseite einen Abschluss über der Inflationsrate pauschal ausschließt", betonte Pischinger.
Besonders kritisiert wird die Diskrepanz zwischen der wirtschaftlichen Realität und den Verhandlungspositionen. "Beide Seiten sind sich einig, dass es sich beim Finanzsektor um keine Krisenbranche handelt. Trotzdem liegen die Vorstellungen von einem fairen Abschluss weit auseinander", so der Gewerkschaftsvertreter weiter.
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Der österreichische Finanzsektor erlebt derzeit eine der erfolgreichsten Phasen seiner Geschichte. Das Jahr 2023 wird als das drittbeste Jahr der Branche bewertet, was die Forderungen der Gewerkschaft nach angemessenen Lohnerhöhungen untermauert.
Anita Palkovich, Verhandlerin der Gewerkschaft GPA, sieht in der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung zusätzliche Argumente für die Gewerkschaftsposition: "Wir sehen nun erstmals einen leichten Aufschwung. Gerade in dieser heiklen Phase wäre es zutiefst unverantwortlich Verunsicherung ohne jede Grundlage zu schaffen."
Die Arbeitgebervertretung verwies in den Verhandlungen auf die besondere Verantwortung des Finanzsektors für die Stabilität der Gesamtwirtschaft. Diese Argumentation wird jedoch von der Gewerkschaft nicht als Begründung für zurückhaltende Lohnpolitik akzeptiert.
Vielmehr sehen Pischinger und Palkovich in dieser besonderen Rolle des Finanzsektors einen zusätzlichen Grund für angemessene Entlohnung: "Verantwortung zu zeigen bedeutet auch, sich an den tatsächlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der eigenen Branche zu orientieren und die Leistung jener Menschen, die diesen Erfolg erst möglich machen anzuerkennen und zu honorieren."
Von den Verhandlungsergebnissen sind rund 68.000 Angestellte des österreichischen Finanzsektors betroffen. Diese Zahl unterstreicht die volkswirtschaftliche Bedeutung der Kollektivvertragsrunde. Die Beschäftigten arbeiten in Banken, Versicherungen und anderen Finanzdienstleistungsunternehmen und tragen maßgeblich zu den Rekordergebnissen der Branche bei.
Die Gewerkschaftsvertreter betonen dabei die Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: "Das sind unsere Kolleginnen und Kollegen, die Jahr für Jahr top Ergebnisse erwirtschaften", so Pischinger und Palkovich gemeinsam.
Ein Kernstreitpunkt in den Verhandlungen ist die Frage des Inflationsausgleichs. Während die Gewerkschaft Erhöhungen über der Inflationsrate fordert, scheint die Arbeitgeberseite diese Position kategorisch abzulehnen. Diese Haltung wird vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Erfolge des Sektors als besonders problematisch gesehen.
Die Teuerung belastet die Haushalte der Beschäftigten erheblich, während gleichzeitig die Unternehmen des Finanzsektors Rekordgewinne verzeichnen. Diese Diskrepanz verstärkt die Argumentation der Gewerkschaft für angemessene Lohnsteigerungen.
Neben den Lohnforderungen rücken auch qualitative Verbesserungen in den Fokus. Der geforderte zusätzliche Freizeittag für gesundheitliche Vorsorgemaßnahmen spiegelt das gestiegene Bewusstsein für Gesundheitsvorsorge und Work-Life-Balance wider.
Das Recht auf Stundenaufstockung für Teilzeitbeschäftigte zielt darauf ab, den Angestellten mehr Flexibilität und Planungssicherheit zu geben. Viele Teilzeitbeschäftigte wünschen sich die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit bei Bedarf ausweiten zu können.
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 17. März angesetzt. Bis dahin erwarten die Gewerkschaftsvertreter ein konkretes Angebot der Arbeitgeberseite, das den wirtschaftlichen Realitäten des Finanzsektors Rechnung trägt.
"In der nächsten Verhandlungsrunde am 17. März erwarte man sich ein faires Angebot, das diese Leistung widerspiegelt", so die einhellige Forderung von Pischinger und Palkovich. Die Spannung bleibt also bestehen, und die 68.000 Beschäftigten des Finanzsektors warten gespannt auf die Entwicklungen der kommenden Wochen.
Die Kollektivvertragsverhandlungen im Finanzsektor gelten traditionell als Gradmesser für andere Branchen und werden daher auch außerhalb des direkten Sektors mit großem Interesse verfolgt. Ein erfolgreicher Abschluss könnte Signalwirkung für weitere Verhandlungsrunden haben.