Die Diskussion um Lebensmittelpreise in Österreich hat eine neue Dimension erreicht. Am 7. Juli 2025 veröffentlichte der Handelsverband eine Pressemitteilung, die auf die jüngsten Vorwürfe der Arbeiterkammer (AK) Tirol reagiert. Diese hatte den österreichischen Lebensmittelhandel wegen mangelnder Pr
Die Diskussion um Lebensmittelpreise in Österreich hat eine neue Dimension erreicht. Am 7. Juli 2025 veröffentlichte der Handelsverband eine Pressemitteilung, die auf die jüngsten Vorwürfe der Arbeiterkammer (AK) Tirol reagiert. Diese hatte den österreichischen Lebensmittelhandel wegen mangelnder Preistransparenz und unzureichendem Wettbewerb kritisiert. Der Handelsverband kontert mit Fakten und entkräftet die Anschuldigungen mit Nachdruck.
Ein zentrales Argument der AK Tirol ist der vermeintliche Mangel an Preistransparenz in Österreich. Die Arbeiterkammer behauptet, dass die Lebensmittelpreise in Österreich höher seien als im benachbarten Bayern. Sie fordert daher die Einführung einer Anti-Teuerungskommission und Preiskontrollen, um dem entgegenzuwirken.
Der Handelsverband betont, dass der österreichische Lebensmittelhandel trotz sinkender Umsätze und niedriger Rentabilität keine zusätzlichen Gewinnmargen aufgeschlagen hat. Während die Rentabilität globaler Lebensmittelproduzenten oft zehnmal höher liegt, bewegt sich die des österreichischen Handels zwischen 0,5 % und 2,5 % des Umsatzes. Zusätzliche Preiskontrollen würden laut dem Verband nur Bürokratie und Kosten erhöhen, was letztendlich zu Preiserhöhungen führen könnte.
Ein weiterer Vorwurf der AK Tirol betrifft den mangelnden Wettbewerb im österreichischen Lebensmittelhandel. Die Kammer kritisiert, dass nur vier Marktteilnehmer über 90 % des Marktes beherrschen. Dies sei ein Grund für die hohen Preise.
Der Handelsverband argumentiert, dass der Wettbewerb im heimischen Lebensmittelhandel stark und preisbasiert sei, was auch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) in ihrem Bericht vom 3. November 2023 bestätigt habe. Die Teuerung bei Nahrungsmitteln lag mit 2,6 % sogar unter der allgemeinen Inflation von 2,9 %. Der österreichische Lebensmittelhandel habe somit inflationsdämpfend gewirkt.
Laut AK Tirol verdienen Verkäufer in Bayern 25 % mehr als ihre österreichischen Kollegen, bei gleicher Anzahl von Feiertagen und mehr Urlaubstagen. Diese Behauptung wird vom Handelsverband als irreführend dargestellt.
Die durchschnittlichen Personalkosten pro beschäftigter Person im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel liegen laut Eurostat bei 38.050 Euro, was im EU-Vergleich den zweiten Platz belegt. Deutschland liegt mit 28.950 Euro deutlich darunter. In 25 anderen EU-Staaten sind die Personalkosten sogar noch niedriger.
Die AK Tirol kritisiert auch den sogenannten Österreich-Aufschlag, bei dem internationale Konzerne höhere Preise in kleineren Ländern wie Österreich verlangen. Sie wirft dem heimischen Handel vor, dies zu negieren.
Der Handelsverband weist darauf hin, dass er und die heimischen Händler seit Jahren gegen diese territorialen Lieferbeschränkungen kämpfen. Die EU-Kommission verhängte im Mai 2024 eine Geldbuße von 337 Millionen Euro gegen Mondelez wegen solcher Praktiken. Der Verband betont, dass diese Lieferbeschränkungen die Konsumenten in Europa jährlich 14 Milliarden Euro kosten.
Die Debatte um Lebensmittelpreise in Österreich wird voraussichtlich weitergehen. Der Handelsverband setzt auf Aufklärung und Fakten, um die Diskussion zu versachlichen. Die Forderungen nach mehr Preistransparenz und fairem Wettbewerb bleiben bestehen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die politische Landschaft in Österreich in den nächsten Jahren entwickeln wird und welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Preisentwicklung zu steuern.
Ein Experte aus der Branche betont, dass die Herausforderungen komplex sind und eine einfache Lösung nicht in Sicht ist. Dennoch sei es wichtig, den Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren fortzusetzen und auf eine faktenbasierte Diskussion zu setzen.
Die Vorwürfe der AK Tirol gegen den österreichischen Lebensmittelhandel wurden vom Handelsverband mit Nachdruck zurückgewiesen. Mit einer Mischung aus Fakten und Daten versucht der Verband, die öffentliche Wahrnehmung zu korrigieren und die Diskussion auf eine sachliche Ebene zu heben. Ob dies gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.