Österreichische Organisation wird für inklusives Hilfsprogramm in Burkina Faso ausgezeichnet
Bei der Zero Project Conference in Wien wird das Programm IMPACT-BF gewürdigt, das Menschen mit Behinderungen in humanitären Krisen einbezieht.
Wien wird vom 18. bis 20. Februar zum internationalen Zentrum für Inklusion und Barrierefreiheit. Bei der diesjährigen Zero Project Conference, die Expertinnen und Experten, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus rund 100 Ländern in der österreichischen Bundeshauptstadt zusammenbringt, erhält die heimische Organisation Licht für die Welt eine besondere Auszeichnung. Das Programm IMPACT-BF, das sich für inklusive humanitäre Hilfe in Burkina Faso einsetzt, wird mit dem renommierten Zero Project Award gewürdigt.
Die westafrikanische Nation Burkina Faso befindet sich inmitten einer schweren humanitären Krise. Mehr als zwei Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben und sind dringend auf humanitäre Unterstützung angewiesen. Die Situation stellt Hilfsorganisationen vor enorme Herausforderungen, denn in solchen Krisensituationen werden bestimmte Bevölkerungsgruppen häufig übersehen.
"Die Zero Project Conference bringt innovative Köpfe, Aktivist*innen und Entscheidungsträger*innen aus rund 100 Ländern in Wien zusammen. Alle eint das Ziel, eine Welt ohne Barrieren für Menschen mit Behinderungen zu verwirklichen", erklärt Alex Buchinger, Geschäftsführer von Licht für die Welt Österreich. "Wir sind stolz, dass unser innovativer Ansatz in der inklusiven humanitären Hilfe in Burkina Faso im Programm IMPACT-BF ausgezeichnet wird."
Das ausgezeichnete Programm verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der Menschen mit Behinderungen nicht nur als Empfängerinnen und Empfänger von Hilfsleistungen betrachtet, sondern aktiv in die Gestaltung der humanitären Maßnahmen einbezieht. Dies unterscheidet IMPACT-BF grundlegend von vielen anderen Hilfsprogrammen.
Die zentralen Säulen des Programms umfassen mehrere Komponenten:
Das Programm wird von International Partnerships unterstützt und zeigt, wie inklusive humanitäre Hilfe in der Praxis aussehen kann.
In Krisensituationen werden Menschen mit Behinderungen, ältere Personen, Frauen und Kinder oft unbeabsichtigt zurückgelassen. Ihre individuellen Bedürfnisse werden übersehen, weil standardisierte Hilfsmaßnahmen nicht auf unterschiedliche Voraussetzungen eingehen. Eine gehörlose Frau hat andere Bedürfnisse als ein älterer Mann oder ein blindes Kind. Was jedoch für alle gleichermaßen gilt: Sie haben das Recht auf einen gleichwertigen Zugang zu lebenssichernder Grundversorgung.
Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Problems. Nach Schätzungen der Disability Reference Group benötigen weltweit 48 Millionen Menschen mit Behinderungen humanitäre Hilfe. Besonders alarmierend ist die geografische Verteilung: 80 Prozent aller Menschen mit Behinderungen leben in Ländern des Globalen Südens, also genau dort, wo humanitäre Krisen besonders häufig auftreten und die Ressourcen für Hilfsmaßnahmen oft begrenzt sind.
Das Prinzip "Leaving no one behind" – niemanden zurücklassen – ist mehr als ein Slogan. Es ist eine Verpflichtung, die in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert ist. Menschen mit Behinderungen haben ein verbrieftes Recht darauf, in humanitären Situationen nicht vergessen zu werden.
Fehlt Inklusion in der humanitären Hilfe, läuft diese Gefahr, einen erheblichen Teil der Betroffenen zu übersehen. Die Konsequenzen sind gravierend: Menschen, die ohnehin zu den verwundbarsten Gruppen gehören, werden in Krisensituationen noch stärker marginalisiert. Sie erhalten möglicherweise keinen Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung oder sicheren Unterkünften – nicht weil die Hilfe nicht vorhanden wäre, sondern weil sie nicht auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Traditionelle humanitäre Hilfsmaßnahmen orientieren sich häufig an einem Durchschnitt, der die Vielfalt menschlicher Bedürfnisse nicht abbildet. Informationen werden in Formaten verbreitet, die für blinde oder gehörlose Menschen nicht zugänglich sind. Verteilungspunkte für Hilfsgüter sind für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht erreichbar. Psychosoziale Unterstützung berücksichtigt nicht die besonderen Traumata, die Menschen mit Behinderungen in Konfliktsituationen erleben.
Das Programm IMPACT-BF zeigt, dass es anders geht. Durch die aktive Einbindung von Betroffenen und ihren Organisationen werden Hilfsmaßnahmen von Anfang an so gestaltet, dass sie tatsächlich alle erreichen.
Die Zero Project Conference, bei der die Auszeichnung überreicht wird, hat sich zu einer der wichtigsten internationalen Plattformen für den Austausch über Barrierefreiheit und Inklusion entwickelt. Dass sie in Wien stattfindet, unterstreicht die Bedeutung Österreichs als Standort für internationale Organisationen und als Drehscheibe für globale Debatten über soziale Gerechtigkeit.
Die Konferenz bringt nicht nur Expertinnen und Experten zusammen, sondern schafft auch Raum für den Dialog zwischen denjenigen, die Hilfe leisten, und denjenigen, die sie empfangen. Dieser partizipative Ansatz spiegelt sich im ausgezeichneten Programm IMPACT-BF wider.
Die Auszeichnung für Licht für die Welt ist auch eine Anerkennung für die österreichische Zivilgesellschaft und ihre Rolle in der internationalen humanitären Hilfe. Österreichische Organisationen zeigen, dass innovative Ansätze nicht nur in großen internationalen Institutionen entwickelt werden, sondern auch von kleineren, spezialisierten Akteuren ausgehen können.
Die Arbeit von Licht für die Welt in Burkina Faso demonstriert, wie österreichische Expertise in der Entwicklungszusammenarbeit konkrete Verbesserungen im Leben von Menschen bewirken kann. Der inklusive Ansatz könnte als Modell für andere humanitäre Programme dienen und so eine breitere Wirkung entfalten.
Die humanitäre Situation in Burkina Faso bleibt angespannt. Die Zahl der intern Vertriebenen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, und ein Ende der Krise ist nicht absehbar. Umso wichtiger ist es, dass humanitäre Hilfe nachhaltig und inklusiv gestaltet wird.
Programme wie IMPACT-BF zeigen einen Weg auf, wie dies gelingen kann. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Ansätze zu skalieren und auf andere Kontexte zu übertragen. Die Auszeichnung durch das Zero Project kann dazu beitragen, Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen und andere humanitäre Akteurinnen und Akteure zu inspirieren.
Die Botschaft ist klar: Humanitäre Hilfe kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie niemanden zurücklässt. Die Auszeichnung für Licht für die Welt ist eine Erinnerung daran, dass Inklusion kein optionaler Zusatz, sondern ein grundlegendes Prinzip humanitärer Arbeit sein muss.