Österreich, 1976: Ein Jahr, das die Alpenrepublik in den Sog des deutschen Linksterrorismus zieht. Am 2. Dezember 2025 blicken wir zurück auf eine Zeit, in der Bombenanschläge und Entführungen nicht nur Schlagzeilen, sondern auch Ängste schürten. Am 3. Dezember strahlt der ORF die Dokumentation „Im
Österreich, 1976: Ein Jahr, das die Alpenrepublik in den Sog des deutschen Linksterrorismus zieht. Am 2. Dezember 2025 blicken wir zurück auf eine Zeit, in der Bombenanschläge und Entführungen nicht nur Schlagzeilen, sondern auch Ängste schürten. Am 3. Dezember strahlt der ORF die Dokumentation „Im Schatten der RAF“ aus, die sich mit den dramatischen Ereignissen jener Jahre auseinandersetzt.
In den 1970er Jahren erlebte Westeuropa eine Welle des Linksterrorismus. Gruppen wie die Rote Armee Fraktion (RAF) in Deutschland versuchten, durch Gewalt einen politischen Systemwechsel herbeizuführen. Österreich war keine Ausnahme. 1976 überfielen drei Mitglieder der RAF eine Bank in Wien. Dies war der Beginn einer Serie von Ereignissen, die das Land erschütterten.
Im November 1977 wurde einer der reichsten Männer Österreichs, Walter Palmers, entführt. Palmers, Chef eines Textilunternehmens, wurde von einem deutsch-österreichischen Kommando der „Bewegung 2. Juni“ als Geisel genommen. Die Entführung endete nach 100 Stunden, nachdem 30 Millionen Schilling Lösegeld gezahlt wurden.
In dieser Zeit regierte die SPÖ mit absoluter Mehrheit. Der damalige Zentralsekretär Karl Blecha erinnert sich, wie die Regierung versuchte, die Gefahr des Linksterrorismus zu ersticken. Trotz dieser Bemühungen fand die „Bewegung 2. Juni“ Unterstützung in Österreich, insbesondere unter Studenten, die sich mit der RAF solidarisierten.
Im Vergleich zu Deutschland, wo die RAF mit der „Offensive 77“ Westdeutschland an den Rand eines Staatsnotstands brachte, blieb die linksextreme Szene in Österreich relativ klein. Auch in der Schweiz war die Bedrohung weniger ausgeprägt, obwohl die Verhaftung von österreichischen Mittätern in Chiasso zeigt, dass die Schweiz als Fluchtweg genutzt wurde.
Die Ereignisse der 1970er Jahre hatten tiefgreifende Auswirkungen auf die österreichische Gesellschaft. Die Angst vor Terroranschlägen führte zu einer verstärkten Sicherheitsüberwachung und beeinflusste die politische Landschaft. Die SPÖ unter Bundeskanzler Bruno Kreisky setzte auf Deeskalation und Reformen, um die sozialen Spannungen zu mildern.
Die Entführung von Walter Palmers war einer der teuersten Fälle von Lösegeldforderungen in Österreich. Die 30 Millionen Schilling, die gezahlt wurden, entsprachen etwa 2,2 Millionen Euro in heutiger Währung. Trotz intensiver Ermittlungen blieb der Verbleib eines Großteils des Geldes ungeklärt.
In der ORF-Dokumentation kommen verschiedene Experten zu Wort, darunter ehemalige Politiker und Angehörige der Beteiligten. Sie diskutieren die langfristigen Folgen des Linksterrorismus auf die österreichische Politik und Gesellschaft. Die Dokumentation zeigt, dass die Lehren aus der Vergangenheit auch heute noch relevant sind, um extremistischen Tendenzen entgegenzuwirken.
Die Ereignisse der 1970er Jahre haben Österreich nachhaltig geprägt. Die Auseinandersetzung mit dem Linksterrorismus und die politischen Reaktionen darauf sind ein wichtiger Teil der österreichischen Geschichte. Die ORF-Dokumentation bietet einen tiefen Einblick in diese Zeit und regt zur Reflexion über aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen an. Für weiterführende Informationen empfehlen wir die Dokumentation „Im Schatten der RAF“ am 3. Dezember auf ORF 2.