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Marinomed Biotech AG plant Kapitalerhöhung über 2 Millionen Euro

19. März 2026 um 16:44
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Das österreichische Biotech-Unternehmen Marinomed Biotech AG aus Korneuburg steht vor einer wichtigen Finanzierungsrunde. Am 19. März 2026 gab das Unternehmen bekannt, eine Kapitalerhöhung gegen Ba...

Das österreichische Biotech-Unternehmen Marinomed Biotech AG aus Korneuburg steht vor einer wichtigen Finanzierungsrunde. Am 19. März 2026 gab das Unternehmen bekannt, eine Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen durchzuführen, um kurzfristige Liquiditätsbedürfnisse von etwa zwei Millionen Euro zu decken. Diese Entscheidung markiert einen entscheidenden Schritt in der Unternehmensgeschichte des an der Wiener Börse notierten Biotechnologie-Unternehmens.

Details der geplanten Kapitalerhöhung

Der Vorstand der Marinomed Biotech AG hat mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, das Grundkapital von derzeit 1.839.940 Euro um bis zu 459.985 Euro auf maximal 2.299.925 Euro zu erhöhen. Dies geschieht durch die Ausgabe von bis zu 459.985 neuen Inhaberaktien ohne Nennwert. Bestehende Aktionäre erhalten Bezugsrechte im Verhältnis 4:1 – das bedeutet, für je vier bestehende Aktien kann eine neue Aktie zum Bezugspreis von 14 Euro erworben werden.

Eine Kapitalerhöhung ist ein Finanzierungsinstrument, bei dem ein Unternehmen neue Aktien ausgibt, um frisches Kapital zu beschaffen. Die Aktionäre erhalten dabei meist Bezugsrechte, die ihnen das Recht einräumen, neue Aktien zu einem festgelegten Preis zu kaufen und somit ihre prozentuale Beteiligung am Unternehmen aufrechtzuerhalten. Dieses Verfahren schützt die bestehenden Aktionäre vor einer Verwässerung ihrer Anteile und gibt ihnen die Möglichkeit, proportional an der Finanzierung des Unternehmens teilzunehmen.

Hintergründe der Finanzierungslücke

Der Grund für die dringend benötigte Liquidität liegt in verzögerten Zahlungen aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäfts an Unither Pharmaceuticals. Marinomed hatte bereits Teile seines Geschäfts verkauft, erhielt jedoch noch nicht alle erwarteten Zahlungen. Diese Verzögerung führt zu einem kurzfristigen Kapitalbedarf von etwa zwei Millionen Euro, der bis Mitte des Geschäftsjahres 2026 gedeckt werden muss.

Das österreichische Biotech-Unternehmen befindet sich damit in einer typischen Situation für Unternehmen dieser Branche. Biotechnologie-Firmen haben oft lange Entwicklungszyklen und benötigen kontinuierlich Kapital, bevor ihre Produkte marktreif sind. Die Carragelose-Technologie ist eine patentgeschützte Plattform, die aus Rotalgen gewonnene Wirkstoffe nutzt. Diese natürlichen Verbindungen haben antivirale Eigenschaften und werden in Nasensprays und anderen Produkten zur Behandlung von Atemwegserkrankungen eingesetzt. Der Verkauf dieses Geschäftsbereichs sollte ursprünglich die Liquidität des Unternehmens stärken.

Marinosolv-Technologie als Kerngeschäft

Mit dem Fokus auf die verbliebene Marinosolv-Technologie positioniert sich Marinomed in einem hochspezialisierten Marktsegment. Diese innovative Plattformtechnologie verbessert die Löslichkeit und Bioverfügbarkeit schwer löslicher Wirkstoffe – ein fundamentales Problem in der Pharmaentwicklung. Viele potentiell wirksame Medikamente scheitern daran, dass sie vom Körper nicht ausreichend aufgenommen werden können. Die Marinosolv-Technologie löst dieses Problem durch spezielle Formulierungen, die die Aufnahme von Wirkstoffen im Körper deutlich verbessern.

Börsenrechtliche Aspekte und Prospektbefreiung

Marinomed nutzt für die Kapitalerhöhung eine Prospektbefreiung nach der EU-Prospektverordnung. Dies bedeutet, dass das Unternehmen keinen vollständigen Börsenprospekt erstellen muss, sondern nur ein vereinfachtes Dokument bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) einreichen muss. Diese Regelung gilt für kleinere Kapitalerhöhungen und spart Zeit sowie Kosten.

Der Stichtag für die Berechtigung bestehender Aktionäre ist der 25. März 2026 um 23:59 Uhr. Die Bezugsfrist beginnt am 26. März 2026 um 9:00 Uhr und endet voraussichtlich am 9. April 2026 um 17:40 Uhr, kann aber verlängert werden. Ein wichtiger Aspekt: Die Bezugsrechte werden nicht an der Wiener Börse gehandelt, was für Aktionäre bedeutet, dass sie diese nicht separat verkaufen können.

Rump-Platzierung für nicht ausgeübte Bezugsrechte

Aktien, die nicht über Bezugsrechte gezeichnet werden, sollen in einer anschließenden Privatplatzierung an institutionelle Investoren verkauft werden. Bereits jetzt hat ein institutioneller Investor, der bisher keine Anteile am Unternehmen hält, eine verbindliche Zusage über eine Million Euro abgegeben. Diese Backstop-Vereinbarung reduziert das Risiko, dass die Kapitalerhöhung nicht vollständig platziert werden kann.

Marinomed im österreichischen Biotech-Sektor

Österreich hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Standort für Biotechnologie-Unternehmen entwickelt. Neben Marinomed sind Unternehmen wie Intercell (heute Teil von Valneva), Apeiron Biologics oder Affiris als österreichische Biotech-Pioniere bekannt geworden. Der Sektor profitiert von der Nähe zu renommierten Forschungseinrichtungen wie der Universität Wien oder dem Institute of Science and Technology Austria (ISTA).

Im Vergleich zu Deutschland oder der Schweiz ist der österreichische Biotech-Sektor jedoch noch relativ klein. Während Deutschland mit Unternehmen wie BioNTech oder CureVac internationale Aufmerksamkeit erhalten hat und die Schweiz traditionell ein Pharma-Hotspot mit Roche und Novartis ist, kämpfen österreichische Biotech-Firmen oft um internationale Sichtbarkeit und Finanzierung.

Herausforderungen für österreichische Biotech-Unternehmen

Die Situation von Marinomed spiegelt typische Herausforderungen österreichischer Biotechnologie-Unternehmen wider. Der heimische Kapitalmarkt ist begrenzt, internationale Investoren sind oft weniger vertraut mit österreichischen Firmen, und die Finanzierung langwieriger Entwicklungsprozesse gestaltet sich schwierig. Viele österreichische Biotech-Unternehmen sind daher auf kontinuierliche Kapitalerhöhungen angewiesen oder suchen strategische Partner im Ausland.

Die Wiener Börse bietet mit dem direct market plus ein spezielles Segment für Wachstumsunternehmen, doch das Handelsvolumen ist oft gering. Marinomed ist im regulated market der Wiener Börse sowie in verschiedenen deutschen Börsen notiert, um die Liquidität zu erhöhen und mehr Investoren zu erreichen.

Auswirkungen für Investoren und Aktionäre

Für bestehende Marinomed-Aktionäre bedeutet die Kapitalerhöhung sowohl Chancen als auch Risiken. Einerseits können sie durch Ausübung ihrer Bezugsrechte ihre prozentuale Beteiligung am Unternehmen aufrechterhalten und von einer möglichen positiven Entwicklung profitieren. Andererseits führt die Ausgabe neuer Aktien zu einer Verwässerung des Unternehmenswertes pro Aktie, falls sie ihre Bezugsrechte nicht ausüben.

Der Bezugspreis von 14 Euro pro neuer Aktie liegt vermutlich unter dem aktuellen Börsenkurs, was den Bezugsrechten einen theoretischen Wert verleiht. Allerdings sind diese nicht handelbar, was die Flexibilität der Aktionäre einschränkt. Private Anleger sollten sich daher genau überlegen, ob sie zusätzlich in das Unternehmen investieren möchten.

Risiken und Chancen der Investition

Die Marinosolv-Technologie bietet durchaus interessante Marktchancen. Der globale Markt für Medikamente zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten wächst kontinuierlich, und Technologien, die die Bioverfügbarkeit von Wirkstoffen verbessern, sind gefragt. Allerdings ist die Biotechnologie-Branche hochriskant – viele vielversprechende Technologien scheitern in späteren Entwicklungsphasen oder finden nicht den erhofften Marktdurchbruch.

Die Tatsache, dass Marinomed bereits Geschäftsbereiche verkaufen musste und nun auf eine Kapitalerhöhung angewiesen ist, zeigt die angespannte Finanzlage. Investoren sollten daher sorgfältig prüfen, ob das verbleibende Geschäftsmodell tragfähig ist und ob weitere Finanzierungsrunden vermeidbar sind.

Regulatorische Rahmenbedingungen

Die Kapitalerhöhung erfolgt unter strikter Beachtung der europäischen Marktmissbrauchsverordnung (MAR). Marinomed hat die Kapitalerhöhung als Insiderinformation gemäß Artikel 17 MAR veröffentlicht, was die Transparenz gegenüber dem Kapitalmarkt sicherstellt. Diese Regelungen sollen sicherstellen, dass alle Marktteilnehmer gleichzeitig über kursrelevante Informationen informiert werden.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) als zuständige Behörde in Österreich überwacht die ordnungsgemäße Durchführung der Kapitalerhöhung. Sie prüft die eingereichten Unterlagen und stellt sicher, dass alle rechtlichen Anforderungen erfüllt sind. Für internationale Investoren gelten zusätzliche Beschränkungen – insbesondere US-amerikanische Anleger sind von der Kapitalerhöhung ausgeschlossen, da die neuen Aktien nicht bei der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC registriert sind.

Zukunftsperspektiven für Marinomed

Mit den erwarteten zwei Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung will Marinomed seine kurzfristige Liquidität sichern und den eingeschlagenen Restrukturierungskurs fortsetzen. Das Unternehmen konzentriert sich nun vollständig auf die Entwicklung der Marinosolv-Plattform und die damit verbundenen Therapieansätze für autoimmune Erkrankungen.

Mittelfristig wird entscheidend sein, ob Marinomed strategische Partnerschaften eingehen oder Lizenzvereinbarungen für seine Technologie abschließen kann. Viele kleinere Biotech-Unternehmen verfolgen das Modell, ihre Technologien an größere Pharmaunternehmen zu lizenzieren oder sich von diesen übernehmen zu lassen. Dies könnte auch für Marinomed ein möglicher Weg sein, um nachhaltiges Wachstum zu erzielen.

Die Entwicklung neuer Medikamente auf Basis der Marinosolv-Technologie erfordert jedoch weiterhin erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie klinische Studien. Ob die geplanten zwei Millionen Euro ausreichen werden oder weitere Finanzierungsrunden notwendig sind, bleibt abzuwarten. Die Biotechnologie-Branche ist bekannt für ihre langen Entwicklungszyklen und hohen Kapitalanforderungen.

Marktchancen im Bereich Autoimmunerkrankungen

Der Markt für Autoimmuntherapien ist einer der am schnellsten wachsenden Bereiche der Pharmaindustrie. Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose oder entzündliche Darmerkrankungen betreffen Millionen von Menschen weltweit und erfordern oft lebenslange Behandlung. Innovative Therapieansätze, die bestehende Medikamente effektiver machen oder neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen, haben daher erhebliches Marktpotential.

Marinomeds Ansatz, die Bioverfügbarkeit schwer löslicher Wirkstoffe zu verbessern, könnte bestehende Therapien optimieren und neue Behandlungsoptionen ermöglichen. Allerdings ist die Konkurrenz in diesem Bereich intensiv, und große Pharmaunternehmen investieren Milliarden in die Entwicklung neuer Autoimmuntherapien.

Die erfolgreiche Durchführung der Kapitalerhöhung wird zeigen, wie groß das Vertrauen der Investoren in Marinomeds Zukunftsperspektiven ist. Für das österreichische Biotech-Ökosystem ist das Unternehmen ein wichtiger Baustein – sein Erfolg oder Misserfolg wird auch andere österreichische Biotechnologie-Firmen beeinflussen.

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