Die Masernfälle in Europa haben sich im Jahr 2024 auf über 127.000 verdoppelt, wie die neuesten Berichte der WHO und UNICEF zeigen. Diese alarmierende Zahl ist der höchste Wert seit 1997. Auch in Österreich steigen die Masernzahlen rasant an, was den Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller
Die Masernfälle in Europa haben sich im Jahr 2024 auf über 127.000 verdoppelt, wie die neuesten Berichte der WHO und UNICEF zeigen. Diese alarmierende Zahl ist der höchste Wert seit 1997. Auch in Österreich steigen die Masernzahlen rasant an, was den Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) dazu veranlasst hat, dringende Maßnahmen zu fordern.
In Österreich sind die Masernfälle von 186 im Jahr 2023 auf 542 im Jahr 2024 gestiegen. Bereits am 16. Juli 2025 wurden 138 Fälle gemeldet, von denen mehr als ein Viertel eine stationäre Behandlung erforderte. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit der Situation. Der ÖVIH fordert mehr Impfaufklärung, konsequente Nachholimpfungen und die verpflichtende Eintragung in den elektronischen Impfpass, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen.
Masern werden oft als harmlose Kinderkrankheit abgetan, doch sie sind eine gefährliche, hochansteckende Infektion, die schwere Komplikationen verursachen kann. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, bei denen Hospitalisierungen häufig notwendig sind. Zwei MMR-Impfungen bieten jedoch zuverlässigen Schutz und sind gut verträglich. Sie sind in allen öffentlichen Impfstellen kostenfrei erhältlich.
Die Masern-Durchimpfungsraten in Österreich sind alarmierend niedrig. Laut dem aktuellen Masern-Kurzbericht des Sozialministeriums erhielten mit Stichtag 31.12.2024 nur 56 % der Einjährigen die zweite MMR-Impfung. In der Altersgruppe der 2- bis 5-Jährigen waren mehr als 65.000 Kinder entweder gar nicht oder unvollständig geimpft. Diese Impflücken betreffen vor allem Kinder, deren Impftermine während der COVID-19-Lockdowns versäumt wurden.
Der ÖVIH sieht im elektronischen Impfpass (e-Impfpass) ein zukunftsweisendes Instrument zur Schließung von Impflücken. Er ermöglicht die digitale Dokumentation von Impfungen, bietet Potenziale für Impferinnerungen und schafft Transparenz. „Wir sehen im e-Impfpass ein enormes Potenzial, versäumte Impfungen frühzeitig zu erkennen und Impflücken nachhaltig zu schließen“, so ein Sprecher des ÖVIH.
Laut dem Epidemiegesetz (§ 6 ff.) können Personen mit unzureichendem Masernschutz im Falle eines Masernkontakts bis zu 21 Tage vom Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten, Schule, Hort oder Arbeitsplatz ausgeschlossen werden. Deshalb empfiehlt der ÖVIH, vor Eintritt in solche Einrichtungen den Impfstatus zu überprüfen und versäumte Impfungen nachzuholen.
Die MMR-Impfung steht allen in Österreich lebenden Personen in den öffentlichen Impfstellen kostenlos zur Verfügung. Der ÖVIH fordert einen gesamtgesellschaftlichen Schulterschluss, um das WHO-Ziel einer Durchimpfungsrate von 95 % zu erreichen und die Masern endgültig zu eliminieren.
Die Masern sind seit Jahrhunderten bekannt und wurden erstmals im 9. Jahrhundert beschrieben. Der Masernvirus wurde jedoch erst 1954 isoliert. Vor der Einführung des Impfstoffes waren Masern weltweit eine der Hauptursachen für Kindersterblichkeit. In den 1960er Jahren wurde der erste wirksame Impfstoff entwickelt, was zu einem drastischen Rückgang der Krankheitsfälle führte. Ein Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigt, dass Länder mit hohen Durchimpfungsraten, wie Schweden und Finnland, eine deutlich geringere Zahl von Masernfällen aufweisen.
Die steigenden Masernfälle haben erhebliche Auswirkungen auf die österreichische Bevölkerung. Eltern sind besorgt um die Gesundheit ihrer Kinder, und das öffentliche Gesundheitssystem steht unter Druck. Die Kosten für die Behandlung von Masern und ihren Komplikationen können erheblich sein, was zu einer zusätzlichen Belastung für das Gesundheitssystem führt.
Experten betonen die Notwendigkeit einer flächendeckenden Impfung und einer besseren Informationspolitik. „Ohne eine signifikante Erhöhung der Durchimpfungsrate werden wir die Masern nicht kontrollieren können“, warnt ein führender Gesundheitsexperte. In der Zukunft könnten neue Technologien, wie der elektronische Impfpass, eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Impfraten spielen. Die Integration von Impferinnerungen in diese Systeme könnte helfen, die Impfraten zu erhöhen und die Ausbreitung von Masern zu verhindern.
Die steigenden Masernfälle in Österreich sind ein dringendes Problem, das sofortiges Handeln erfordert. Die Einführung des elektronischen Impfpasses und verbesserte Informationskampagnen könnten entscheidende Schritte zur Kontrolle der Situation sein. Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, durch Impfung nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft zu schützen.