Der österreichische Karton- und Verpackungskonzern Mayr-Melnhof (MM) hat am 17. März 2026 seine Geschäftszahlen für das Jahr 2025 vorgelegt und dabei bewiesen, dass auch in schwierigen Zeiten profi...
Der österreichische Karton- und Verpackungskonzern Mayr-Melnhof (MM) hat am 17. März 2026 seine Geschäftszahlen für das Jahr 2025 vorgelegt und dabei bewiesen, dass auch in schwierigen Zeiten profitable Geschäfte möglich sind. Trotz anhaltender Überkapazitäten in der europäischen Kartonindustrie und schwacher Konsumnachfrage konnte das Wiener Unternehmen sein bereinigtes betriebliches Ergebnis um 2,8 Prozent auf 195,4 Millionen Euro steigern.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt im konzernweiten Transformationsprogramm "Fit-For-Future", das bereits im ersten Jahr beachtliche 70 Millionen Euro zum bereinigten betrieblichen Ergebnis beitrug. CEO Peter Oswald zeigt sich optimistisch: "Das Management ist zuversichtlich, in 2027 eine Ergebnissteigerung von über 250 Millionen Euro im Vergleich zu 2024 zu realisieren." Diese Prognose übertrifft die ursprüngliche Erwartung von 150 Millionen Euro beim Programmstart deutlich.
Das Fit-For-Future Programm ist eine umfassende Transformationsinitiative, die darauf abzielt, die Kostenstruktur des Unternehmens nachhaltig zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Solche Programme sind in der Industrie üblich, wenn Unternehmen auf veränderte Marktbedingungen reagieren müssen. Sie umfassen typischerweise Maßnahmen wie Prozessoptimierungen, Automatisierung, Standortkonsolidierung und organisatorische Umstrukturierungen.
Die konsolidierten Umsatzerlöse des Konzerns beliefen sich auf 3.885,3 Millionen Euro und lagen damit um 4,8 Prozent unter dem Vorjahreswert von 4.079,6 Millionen Euro. Dieser Rückgang ist jedoch primär auf den Verkauf der TANN Gruppe Anfang Juni 2025 zurückzuführen. Bereinigt um diesen Effekt zeigt sich ein deutlich positiveres Bild.
Die bereinigte Operating Margin – eine wichtige Kennzahl für die operative Profitabilität – erhöhte sich von 4,7 auf 5,0 Prozent. Diese Kennzahl gibt an, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der operativen Kosten als Gewinn verbleibt. Eine Steigerung um 0,3 Prozentpunkte mag bescheiden erscheinen, ist aber in der kapitalintensiven Kartonindustrie durchaus beachtlich.
Besonders erfreulich für Aktionäre: Die Dividende wird um 11 Prozent auf 2,00 Euro je Aktie erhöht. Dies folgt der neuen Dividendenpolitik des Unternehmens, die eine Ausschüttungsquote von 40 bis 60 Prozent des Jahresüberschusses vorsieht, abhängig von der Nettoverschuldung und geplanten Großinvestitionen.
Ein wichtiger Erfolg war der Abbau der Nettoverschuldung von 1.078,7 Millionen Euro Ende 2024 auf 913,7 Millionen Euro Ende 2025. Die Kennzahl Nettoverschuldung zu Eigenkapital verbesserte sich von 51 auf 43 Prozent. Diese Zahlen sind entscheidend für die Finanzierungskosten und die Flexibilität des Unternehmens bei zukünftigen Investitionen.
In der Finanzwelt gilt eine Eigenkapitalquote von über 40 Prozent als solide Basis. Mayr-Melnhof bewegt sich damit in einem gesunden Bereich und hat Spielraum für weitere Investitionen oder Akquisitionen.
Neben den finanziellen Erfolgen kann Mayr-Melnhof auch bei der Nachhaltigkeit punkten. Die absoluten CO₂-Emissionen wurden um 11 Prozent reduziert, hauptsächlich durch die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energiequellen und Energieeffizienzmaßnahmen. In Zeiten steigender Umweltauflagen und wachsender Nachfrage nach nachhaltigen Verpackungslösungen ist dies ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.
Die Dekarbonisierung – der Prozess der Reduktion von CO₂-Emissionen – ist für energieintensive Industrieunternehmen wie Mayr-Melnhof eine zentrale Herausforderung. Die Kartonproduktion erfordert hohe Temperaturen und damit viel Energie. Der Umstieg auf erneuerbare Energiequellen und effizientere Produktionsverfahren ist daher nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich notwendig, um zukünftige CO₂-Steuern zu vermeiden.
Die europäische Karton- und Papierindustrie kämpft seit Jahren mit strukturellen Überkapazitäten. Das bedeutet, dass mehr Produktionskapazität vorhanden ist, als der Markt nachfragt. Dies führt zu einem intensiven Preisdruck und sinkenden Margen. Gleichzeitig ist der private Konsum in Europa verhalten, was die Nachfrage nach Verpackungen zusätzlich dämpft.
Überkapazitäten entstehen in der Regel durch vergangene Investitionen in Produktionsanlagen, die auf optimistischere Marktprognosen basierten. In der Kartonindustrie sind solche Anlagen sehr kapitalintensiv und haben eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten. Ein Abbau von Kapazitäten ist daher schwierig und kostenintensiv.
Die drei Geschäftsbereiche von Mayr-Melnhof entwickelten sich unterschiedlich:
Mayr-Melnhof ist international aufgestellt mit Produktionsstandorten in Europa, Nordamerika und dem Nahen Osten. Im Nahen Osten betreibt das Unternehmen zwei Verpackungswerke, die 2025 rund 2 Prozent zum Konzernumsatz und etwa 6 Prozent zum bereinigten EBITDA beitrugen. Aufgrund der aktuellen geopolitischen Spannungen in der Region rechnet das Management mit möglichen Betriebsunterbrechungen.
Die regionale Diversifikation ist für Industrieunternehmen wie Mayr-Melnhof wichtig, um Risiken zu streuen und verschiedene Märkte zu bedienen. Gleichzeitig bringt sie aber auch Herausforderungen mit sich, etwa durch unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen, Währungsrisiken oder politische Instabilität.
Für 2026 plant Mayr-Melnhof Investitionen in Höhe von rund 250 Millionen Euro. Diese sollen vor allem der Stärkung der Wettbewerbsposition und der weiteren Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien dienen. Die jährlichen Wartungsstillstände in der Division Board & Paper sind für das dritte und vierte Quartal vorgesehen und werden voraussichtlich rund 40 Millionen Euro kosten.
Wartungsstillstände sind in der Papier- und Kartonindustrie üblich und notwendig, um die komplexen Produktionsanlagen zu warten und zu modernisieren. Diese geplanten Ausfälle führen temporär zu geringeren Umsätzen und höheren Kosten, sind aber essentiell für die langfristige Produktionssicherheit und -effizienz.
Im Vergleich zu anderen europäischen Verpackungsunternehmen zeigt Mayr-Melnhof eine solide Performance. Während viele Wettbewerber unter dem schwierigen Marktumfeld leiden, konnte das österreichische Unternehmen seine Profitabilität sogar steigern. Dies ist ein Beleg für die Wirksamkeit des Transformationsprogramms und die strategische Ausrichtung des Managements.
Die deutsche Konkurrenz, etwa Unternehmen wie Sappi oder Stora Enso, kämpft ebenfalls mit den strukturellen Herausforderungen der Branche. Mayr-Melnhof profitiert dabei von seiner fokussierten Strategie auf hochwertige Verpackungslösungen und seiner starken Marktposition in Nischensegmenten wie Pharma-Verpackungen.
Als einer der größeren Industriekonzerne Österreichs und ATX-Unternehmen hat Mayr-Melnhof eine wichtige Bedeutung für den Wirtschaftsstandort. Das Unternehmen beschäftigt tausende Mitarbeiter und trägt durch Steuern und Investitionen zur österreichischen Volkswirtschaft bei. Die positive Geschäftsentwicklung ist daher nicht nur für Aktionäre, sondern auch für die heimische Wirtschaft erfreulich.
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit zeigen Unternehmen wie Mayr-Melnhof, dass österreichische Industriebetriebe durchaus wettbewerbsfähig sind und sich auch in schwierigen Marktphasen behaupten können. Die Fokussierung auf Innovation, Nachhaltigkeit und operative Exzellenz scheint dabei der richtige Weg zu sein.
Mayr-Melnhof hat 2025 bewiesen, dass auch in einem schwierigen Marktumfeld profitable Geschäfte möglich sind. Das Fit-For-Future Programm zeigt bereits erste Erfolge und verspricht weitere Verbesserungen in den kommenden Jahren. Die Stärkung der Bilanz, die Dividendenerhöhung und die Fortschritte bei der Nachhaltigkeit unterstreichen die solide strategische Ausrichtung des Unternehmens.
Dennoch bleiben die Herausforderungen bestehen: Überkapazitäten in Europa, schwacher Konsum und geopolitische Unsicherheiten werden auch 2026 das Geschäft prägen. Mayr-Melnhof scheint jedoch gut aufgestellt, um diese Herausforderungen zu meistern und langfristig erfolgreich zu bleiben. Die ambitionierten Ziele des Transformationsprogramms werden dabei entscheidend für den zukünftigen Erfolg sein.