Am 9. Januar 2026 wurde das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay endgültig beschlossen. Die Unterzeichnung soll bereits am kommenden Montag erfolgen. Dieses Abkommen, das nach über 25 Jahren intensiver Verhandlungen
Am 9. Januar 2026 wurde das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay endgültig beschlossen. Die Unterzeichnung soll bereits am kommenden Montag erfolgen. Dieses Abkommen, das nach über 25 Jahren intensiver Verhandlungen zustande gekommen ist, hat das Potenzial, die österreichische Landwirtschaft nachhaltig zu beeinflussen. Besonders in Österreich, wo landwirtschaftliche Betriebe oft kleinstrukturiert sind, herrscht große Besorgnis über die künftige Wettbewerbsfähigkeit.
Das Freihandelsabkommen ermöglicht es, festgelegte Mengen südamerikanischer Lebensmittel zu reduzierten Zöllen in die EU zu importieren. Dies könnte den Preisdruck auf heimische Produkte erheblich erhöhen. Hannes Royer, Gründer des Vereins Land schafft Leben, betont: "Die österreichischen Bäuerinnen und Bauern fürchten um ihre Zukunft, wenn der Preis das einzige Kriterium beim Lebensmitteleinkauf bleibt." Die österreichische Landwirtschaft ist bekannt für ihre hohen Produktionsstandards, die sich auch im Preis widerspiegeln. Beispielsweise wird Rindfleisch hierzulande unter strengen Tierwohlauflagen produziert, was zu einem geringen CO2-Fußabdruck führt.
Die Verhandlungen für das Mercosur-Abkommen begannen bereits in den 1990er Jahren. Ziel war es, den Handel zwischen den beiden Regionen zu erleichtern und neue Märkte zu erschließen. Trotz zahlreicher Rückschläge und politischer Widerstände wurde das Abkommen schließlich 2026 beschlossen. Der lange Verhandlungsprozess spiegelt die Komplexität und die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Länder wider.
Deutschland und die Schweiz stehen dem Abkommen unterschiedlich gegenüber. Während Deutschland als große Exportnation von den neuen Absatzmärkten profitieren könnte, zeigt sich die Schweiz, die nicht Teil der EU ist, skeptisch. In Österreich ist die Sorge um die heimische Landwirtschaft besonders groß, da die Konkurrenz durch günstigere Importware zunimmt.
Für österreichische Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das Abkommen eine größere Auswahl an Produkten zu potenziell günstigeren Preisen. Doch die Entscheidung für importierte Lebensmittel könnte langfristige Folgen haben. Maria Fanninger von Land schafft Leben warnt: "Jede Kaufentscheidung für ausländisches Fleisch oder Zucker geht auf Kosten unserer heimischen Landwirtschaft und Umwelt."
Laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO entspricht die Importmenge von 99.000 Tonnen Rindfleisch nur 1,5 Prozent der in der EU produzierten Menge. Dennoch könnten selbst geringe Importmengen den europäischen Markt beeinflussen. In Österreich ist der Selbstversorgungsgrad bei Rind- und Kalbfleisch mit etwa 150 Prozent hoch, was Importe eigentlich überflüssig macht.
Die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft hängt stark von den politischen Entscheidungen und der Konsumentennachfrage ab. Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung könnte helfen, die heimische Produktion zu stärken. Zudem bieten sich durch das Abkommen neue Exportmöglichkeiten für österreichische Spezialitäten wie Tiroler Speck oder Steirisches Kürbiskernöl.
Das Mercosur-Abkommen stellt die österreichische Landwirtschaft vor große Herausforderungen, bietet aber auch Chancen. Die Konsumentinnen und Konsumenten sind nun gefordert, durch bewusste Kaufentscheidungen die heimische Produktion zu unterstützen. Weitere Informationen und Analysen zu diesem Thema finden Sie auf unserer Webseite.