ORF-Dokumentation enthüllt am Dreikönigstag die wenig bekannten Verbindungen des Musikgenies zu niederösterreichischen Orten
Eine neue ORF-Dokumentation zeigt, wie tief Mozart in Niederösterreich verwurzelt war – von seiner Großmutter aus Krems bis zur Uraufführung des Requiems in Wiener Neustadt.
Wolfgang Amadeus Mozart – kaum ein Name ist so untrennbar mit Salzburg und Wien verbunden wie jener des österreichischen Musikgenies. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt ein überraschendes Kapitel der Mozart-Geschichte, das sich fernab der bekannten Pfade abspielt: in Niederösterreich. Eine neue ORF-Dokumentation begibt sich auf Spurensuche durch das Bundesland und fördert dabei Verbindungen zutage, die selbst Kennerinnen und Kenner verblüffen dürften.
Am Dienstag, dem 6. Jänner 2026, um 18.25 Uhr strahlt ORF 2 im Rahmen des "Österreich-Bild am Feiertag" eine besondere Dokumentation aus dem ORF-Landesstudio Niederösterreich aus. Unter der Gestaltung von Veronika Regl und mit Kameraführung von Franz Cee entsteht ein facettenreiches Porträt des Komponisten, das weit über die bekannten Biografien hinausgeht.
Die Sendung nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf eine Reise durch Schlossräume, Klosterarchive, kleine Wohnungen und entlang alter Handelswege. All diese Orte haben eines gemeinsam: Sie prägten Mozarts Lebensgeschichte und bewahren bis heute Spuren des Musikgenies.
Im Zentrum der Dokumentation steht Mozarts letzte große Komposition: das Requiem in d-Moll. Dieses unvollendete Meisterwerk, an dem Mozart bis zu seinem Tod im Dezember 1791 arbeitete, ist untrennbar mit einer niederösterreichischen Geschichte verbunden – einer Geschichte von Liebe, Trauer und einem geheimnisvollen Auftrag.
Die Dokumentation führt die Zuschauerinnen und Zuschauer in das Stadttheater Wiener Neustadt, wo am 5. Dezember 2025 das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter der Leitung von Dirigent Andreas Ottensamer das Requiem aufführte. Die Sendung zeigt Einblicke in die Probenarbeit und Ausschnitte dieser besonderen Aufführung.
Besonders bemerkenswert ist dabei ein historisches Detail, das vielen nicht bekannt sein dürfte: Am 14. Dezember 1793 erklang Mozarts Requiem im Stift Neukloster in Wiener Neustadt erstmals seinem ursprünglichen Zweck entsprechend – als Totenmesse. Dies war gut zwei Jahre nach Mozarts Tod und markiert einen wichtigen Moment in der Rezeptionsgeschichte des Werkes.
Eine der faszinierendsten Stationen der Dokumentation ist Schloss Stuppach in der Gemeinde Gloggnitz. Hier wird die Geschichte des Reichsgrafen Franz Anton von Walsegg lebendig – jenes Adeligen, der das Requiem bei Mozart in Auftrag gab.
Die Umstände dieses Auftrags sind von romantischer Tragik geprägt: Der Graf hatte seine junge Frau Anna verloren und wollte ihr mit dem Requiem ein musikalisches Denkmal setzen. Der Auftrag erfolgte unter strengster Geheimhaltung, was zu den vielen Legenden beitrug, die sich um Mozarts letztes Werk ranken.
Walsegg war bekannt dafür, Werke bei Komponisten anonym in Auftrag zu geben, um sie dann als seine eigenen Kompositionen aufzuführen. Diese Praxis war im 18. Jahrhundert durchaus üblich, verleiht der Geschichte des Requiems jedoch eine zusätzliche mysteriöse Note.
Eine der größten Überraschungen, die die Dokumentation bereithält, betrifft Mozarts familiäre Verbindungen nach Niederösterreich. In Stein bei Krems wird nicht nur die erste große Reise des Wunderkindes lebendig – hier wartet eine Entdeckung, die selbst Mozart-Expertinnen und -Experten aufhorchen lässt.
Mozarts Großmutter mütterlicherseits stammte aus Krems-Stein. Diese Tatsache ist in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt und wirft ein neues Licht auf die geografischen Wurzeln der Familie Mozart. Die Dokumentation geht dieser Verbindung nach und zeigt, wie tief die familiären Bande des Komponisten in die niederösterreichische Erde reichten.
Die Wachau, heute UNESCO-Weltkulturerbe und für ihre Weinkultur berühmt, war also nicht nur eine Station auf Mozarts Reisen, sondern Teil seiner Familiengeschichte. Diese Erkenntnis erweitert das Bild des Komponisten um eine bislang wenig beachtete Dimension.
Die Kurstadt Baden offenbart in der Dokumentation eine ganz andere Facette Mozarts: die des liebenden, aber auch eifersüchtigen Ehemannes. Mozart schickte seine Frau Constanze mehrfach zur Kur nach Baden, wo sie Linderung für ihre gesundheitlichen Beschwerden suchte.
Die erhaltenen Briefe Mozarts an seine Frau zeugen von tiefer Zuneigung, aber auch von Sehnsucht und – ja – Eifersucht. Der Komponist vermisste seine Constanze schmerzlich und vertraute einem Freund, in dessen Haus in Baden eines seiner innigsten Werke entstand.
Im Haus des Badener Chormeisters Anton Stoll komponierte Mozart im Juni 1791 das "Ave verum corpus" (KV 618). Dieses nur 46 Takte umfassende Werk gehört zu den ergreifendsten Kompositionen der Kirchenmusik und entstand in einer Zeit, in der Mozart intensiv am Requiem und der Zauberflöte arbeitete.
Die Entstehung dieses Meisterwerks in Baden zeigt, wie produktiv Mozart auch fernab von Wien war und wie sehr die niederösterreichische Landschaft Teil seines kreativen Schaffens wurde.
Das Benediktinerstift Melk, majestätisch über der Donau thronend, erzählt eine andere Mozart-Geschichte – eine von musikalischer Pflege und Bewahrung über Generationen hinweg. In den Archiven des Stifts finden sich Abschriften, Bearbeitungen und Einträge, die von der intensiven Beschäftigung der Mönche mit Mozarts Musik zeugen.
Klöster spielten im 18. und 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle bei der Überlieferung und Pflege von Musikwerken. Das Stift Melk war dabei keine Ausnahme – im Gegenteil: Die musikalische Tradition des Hauses reicht weit zurück, und Mozart nahm darin einen besonderen Platz ein.
Die Dokumentation zeigt, wie das Stift Mozarts Musik über Generationen hinweg begleitet hat und wie die klösterliche Musikpflege dazu beitrug, das Erbe des Komponisten lebendig zu halten.
Neben den großen, bekannten Orten führt die Spurensuche auch zu unscheinbaren Stationen, die mit überraschenden Anekdoten aufwarten. Raschala und Schwechat mögen auf den ersten Blick keine Mozart-Orte sein, doch die Dokumentation fördert Begegnungen und menschliche Momente zutage, die das Bild des Komponisten um kleine, aber wertvolle Details ergänzen.
Diese Geschichten zeigen Mozart nicht nur als das verehrte Genie, sondern als Menschen, der reiste, Menschen begegnete und Spuren hinterließ – auch an Orten, die man nicht sofort mit seinem Namen verbinden würde.
Durch die Verbindung all dieser Schauplätze entsteht in der Dokumentation ein mosaikartiges Porträt Wolfgang Amadeus Mozarts. Der Komponist erscheint als Musiker und Genie, aber auch als Freund, Ehemann und Reisender. Die verschiedenen Facetten seines Lebens und Schaffens werden durch die niederösterreichischen Stationen auf neue Weise beleuchtet.
So wird Niederösterreich in dieser Dokumentation zu einem Land, das überraschend viele Spuren Mozarts bewahrt. Es erzählt Geschichten, die bis heute nachklingen und die zeigen, dass das Erbe des Komponisten weit über die bekannten Zentren hinausreicht.
Das "Österreich-Bild am Feiertag" mit dem Titel "Mozart und sein Requiem - Spurensuche in Niederösterreich" wird am Dienstag, dem 6. Jänner 2026, um 18.25 Uhr auf ORF 2 ausgestrahlt. Die Dokumentation stammt aus dem ORF-Landesstudio Niederösterreich, die Redaktion liegt bei Sabine Daxberger-Edenhofer.
Für alle, die sich für die Verbindungen zwischen Mozart und Niederösterreich interessieren, bietet die Sendung eine einzigartige Gelegenheit, bekannte und weniger bekannte Orte aus einer neuen Perspektive zu entdecken. Die Kombination aus historischen Fakten, musikalischen Höhepunkten und landschaftlichen Impressionen verspricht ein besonderes Fernseherlebnis am Dreikönigstag.
Die Ausstrahlung der Dokumentation fällt in eine Zeit, in der Mozart wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Das Jahr 2026 markiert den 270. Geburtstag des Komponisten, der am 27. Jänner 1756 in Salzburg geboren wurde. Zahlreiche Veranstaltungen und Konzerte werden dieses Jubiläum würdigen – die ORF-Dokumentation leistet dazu einen wertvollen Beitrag, indem sie die niederösterreichische Dimension der Mozart-Geschichte in den Vordergrund rückt.