Zurück
Wirtschaft

Nachhaltigkeitsbericht im Fokus: Warum Europas Unternehmen trotz Unsicherheiten auf Transparenz setzen

2. Juli 2025 um 07:41
Teilen:

Die Welt der Unternehmensberichterstattung steht vor einem Umbruch, und die jüngsten Entwicklungen in der europäischen Nachhaltigkeitsgesetzgebung werfen große Fragen auf. Doch trotz der Unsicherheiten halten viele Unternehmen an ihren umfassenden Nachhaltigkeitsberichten fest. Eine aktuelle Studie

Die Welt der Unternehmensberichterstattung steht vor einem Umbruch, und die jüngsten Entwicklungen in der europäischen Nachhaltigkeitsgesetzgebung werfen große Fragen auf. Doch trotz der Unsicherheiten halten viele Unternehmen an ihren umfassenden Nachhaltigkeitsberichten fest. Eine aktuelle Studie von BDO Austria und der Wirtschaftsuniversität Wien zeigt eindrucksvoll, wie tief diese Berichterstattung in der Unternehmenspraxis verankert ist.

Die große Frage: Was passiert mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung?

Mit der Einführung des Omnibus-Pakets und der Stop-the-Clock-Richtlinie im Jahr 2025 wurden die bisherigen Berichtspflichten in der EU auf den Prüfstand gestellt. Diese Maßnahmen zielten darauf ab, die Komplexität und die Kosten der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu reduzieren. Doch was bedeutet dies für die Unternehmen und ihre Berichterstattung? Laut der Studie von BDO und WU Wien, die im Zeitraum von April bis Juni 2025 durchgeführt wurde, bleiben viele Unternehmen den bisherigen Standards treu.

Die Studie im Detail: Wer berichtet was?

Die Studie analysierte die Nachhaltigkeitsberichte von 1.000 Unternehmen aus 27 EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen für das Geschäftsjahr 2024. Dabei fiel auf, dass 72 % der Unternehmen nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) berichteten. Dieser Standard, der im Juli 2023 eingeführt wurde, setzt neue Maßstäbe in der Transparenz und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsinformationen.

  • Die durchschnittliche Länge der ESRS-konformen Berichte beträgt 110 Seiten, während nicht-ESRS-konforme Berichte durchschnittlich nur 27 Seiten umfassen.
  • Österreichische Unternehmen stechen mit besonders ausführlichen Berichten von durchschnittlich 156 Seiten hervor.
  • 93 % der ESRS-Nachhaltigkeitserklärungen wurden extern geprüft, was die Bedeutung einer qualitätsgesicherten Berichterstattung unterstreicht.

Ein Blick in die Vergangenheit: Die Entwicklung der europäischen Nachhaltigkeitsgesetzgebung

Die Reise der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Europa begann mit der Non-Financial Reporting Directive (NFRD) im Jahr 2014. Diese Richtlinie legte den Grundstein für eine umfassendere Berichterstattung über nicht-finanzielle Informationen. Ende 2022 wurde die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verabschiedet, die zusammen mit den ESRS im Jahr 2023 die Komplexität und Verbindlichkeit der Berichterstattung erhöhte. Doch nicht alle EU-Mitgliedsstaaten haben die CSRD bis Ende 2024 in nationales Recht umgesetzt, was zu unterschiedlichen Standards in der Berichterstattung führte.

Was bedeutet das für die Bürger?

Für die Bürger bedeutet eine umfassende Nachhaltigkeitsberichterstattung mehr Transparenz darüber, wie Unternehmen mit Themen wie Klimawandel, Arbeitsbedingungen und Unternehmensführung umgehen. Diese Informationen sind entscheidend für Verbraucher, Investoren und andere Stakeholder, die fundierte Entscheidungen treffen möchten. Die Studie zeigt, dass insbesondere Themen wie Klimawandel (E1), Arbeitskräfte (S1) und Unternehmensführung (G1) von fast allen Unternehmen als wesentlich eingestuft werden.

Die aktuellen Herausforderungen: Bürokratieabbau und Kostensenkung

Die EU hat auf die Kritik an den hohen Kosten und dem bürokratischen Aufwand der Berichterstattung reagiert. Im Februar 2025 wurde das Omnibus-Paket zur Vereinfachung der Berichterstattung eingeführt. Es folgte die Stop-the-Clock-Richtlinie im April 2025, die eine Pause bei der Umsetzung neuer Berichtspflichten einlegte. Ein im Juni 2025 veröffentlichter Statusbericht von EFRAG skizziert fünf Hebel zur Reduktion des Erhebungsaufwands, mit dem Ziel, die Berichtspunkte um bis zu 50 % zu reduzieren.

Ein Blick in die Zukunft: Nachhaltigkeitsberichterstattung als neues Normal

Trotz der politischen Debatten bleibt die Nachhaltigkeitsberichterstattung ein zentrales Element der Unternehmenskommunikation. Experten betonen, dass Stakeholder zunehmend transparente und glaubwürdige Informationen erwarten. Die ESRS haben sich als Rahmenwerk etabliert, das eine hohe Verbreitung findet, unabhängig von der nationalen Umsetzung. Die freiwillige externe Prüfung von Berichten unterstreicht die Bedeutung einer qualitätsgesicherten Kommunikation.

Der Weg zur Nachhaltigkeit ist noch lang, insbesondere in Bezug auf Themen wie Biodiversität, die künftig an Bedeutung gewinnen dürften. Doch gezielte Investitionen in Nachhaltigkeit stärken nicht nur die ESG-Positionierung eines Unternehmens, sondern fördern auch die Resilienz und Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells.

Die gesamte Studie von BDO und WU Wien bietet einen tiefen Einblick in die aktuelle Praxis der Nachhaltigkeitsberichterstattung und zeigt auf, dass Transparenz und Qualität der Berichterstattung in der Unternehmenswelt fest verankert sind. Diese Entwicklung wird auch in Zukunft nicht aufzuhalten sein, da der Druck von Stakeholdern, Märkten und Investoren weiter zunimmt.

Für weitere Informationen zur Studie besuchen Sie den Original-Link.

Schlagworte

#BDO Austria#Corporate Sustainability#ESRS#EU-Gesetzgebung#Nachhaltigkeitsberichterstattung#Transparenz#Unternehmensberichte

Weitere Meldungen

OTS
Grüne

Sparpaket-Debatte: Grüne fordern faire Belastung der Superreichen

21. März 2026
Lesen
OTS
Grüne

Grüne kritisieren neues Sparpaket: "Nicht bei den Falschen kürzen"

21. März 2026
Lesen
OTS
WKÖ

Wirtschaftskammer warnt vor Preiseingriffen bei Treibstoffen

21. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen