Neues Gesetz soll faire Verteilung in Krisenzeiten sicherstellen
Das reformierte Lebensmittelbewirtschaftungsgesetz schafft ein Sicherheitsnetz für Krisen und verhindert Wucherpreise bei der Lebensmittelverteilung.
Der österreichische Nationalrat hat einstimmig eine umfassende Reform des Lebensmittelbewirtschaftungsgesetzes beschlossen. Die Neuregelung soll als "Sicherheitsnetz" für künftige Krisen dienen und eine gerechtere Verteilung von Lebensmitteln in Notlagen gewährleisten.
SPÖ-Landwirtschaftssprecherin Elisabeth Feichtinger erläuterte im Parlament die Grundpfeiler der neuen Regelung. Das reformierte Gesetz basiert auf einem Zwei-Säulen-System: Die erste Säule umfasst eine systematische Abfrage der aktuellen Lebensmittelbestände, um strategische Vorräte aufzubauen. Die zweite Säule konzentriert sich auf Lenkungsmaßnahmen der öffentlichen Hand und eine faire Verteilung in Krisenzeiten.
"Wenn die Krise tatsächlich eintritt, übernimmt die öffentliche Hand die Verantwortung", betonte Feichtinger. "Dann geht es nicht mehr nur um Lagerlisten – dann geht es darum, Lebensmittel gerecht zu verteilen. Dann darf es nicht davon abhängen, wer das dickere Börserl hat. Dann zählt, dass alle Menschen versorgt sind."
Die Gesetzesreform ist eine direkte Reaktion auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre, insbesondere während der Corona-Pandemie. "Wir haben gesehen, wie verletzlich globale Lieferketten sind. Und wir haben gesehen, dass es immer Einzelne gibt, die versuchen, aus Not Profit zu schlagen", erklärte die SPÖ-Abgeordnete.
Diese Erkenntnisse flossen maßgeblich in die Ausgestaltung der neuen Regelungen ein. Die Pandemie hatte deutlich gemacht, dass Österreich bei kritischen Versorgungsengpässen besser vorbereitet sein muss und gleichzeitig Mechanismen benötigt, die Spekulationen und Wucherpreise verhindern.
Ein zentraler Aspekt der Reform sind klare Schutzmechanismen gegen überhöhte Preise in Krisenzeiten. Der Staat wird künftig keine Wucherpreise zahlen müssen. Stattdessen orientieren sich Entschädigungen an den durchschnittlichen Preisen der letzten zwölf Monate, wobei spekulative Preisspitzen ausgeschlossen werden.
Diese Regelung soll verhindern, dass Unternehmen oder Händler in Notlagen überhöhte Preise verlangen können. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass faire Entschädigungen gezahlt werden, die sich an realistischen Marktpreisen orientieren.
Feichtinger unterstrich in ihrer Rede auch die fundamentale Rolle der österreichischen Landwirtschaft für die Versorgungssicherheit. "Eine vielfältige, kleinstrukturierte, nachhaltige Landwirtschaft ist wie ein starkes Wurzelwerk. Sie hält auch dann stand, wenn der Wind stärker wird", erklärte sie.
Die SPÖ-Landwirtschaftssprecherin verwies auf die Stabilität regionaler Kreisläufe und die Resilienz, die durch Vielfalt in der Landwirtschaft entsteht. Diese Strukturen seien besonders in Krisenzeiten von unschätzbarem Wert, da sie weniger anfällig für externe Störungen seien als globale Lieferketten.
Das neue Gesetz berücksichtigt auch die Bedeutung regionaler Versorgungsstrukturen. Während internationale Lieferketten während der Pandemie teilweise zusammenbrachen oder stark beeinträchtigt waren, erwiesen sich lokale und regionale Produktions- und Vertriebsnetze als deutlich stabiler.
Die Reform zielt daher auch darauf ab, diese regionalen Strukturen zu stärken und in Krisenzeiten gezielt zu nutzen. Dies kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von internationalen Märkten zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu erhöhen.
Die praktische Umsetzung der neuen Regelungen umfasst verschiedene Instrumente der staatlichen Lenkung. Dazu gehören die systematische Erfassung von Lebensmittelbeständen, die Möglichkeit zur Requirierung in Notlagen und die Koordination der Verteilung über staatliche Stellen.
Besonders wichtig ist dabei die gerechte Verteilung, die nicht vom finanziellen Hintergrund der Bürgerinnen und Bürger abhängen soll. In Krisenzeiten soll sichergestellt werden, dass alle Menschen Zugang zu lebensnotwendigen Gütern haben, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation.
Das reformierte Gesetz bereitet Österreich auf verschiedene mögliche Krisenszenarien vor. Dazu gehören nicht nur Pandemien, sondern auch andere Situationen, die zu Versorgungsengpässen führen können, wie Naturkatastrophen, geopolitische Spannungen oder Störungen in den Lieferketten.
Durch die präventive Erfassung von Beständen und die Vorbereitung von Verteilungsmechanismen soll das Land besser auf solche Situationen vorbereitet sein und schneller reagieren können.
Bemerkenswert ist, dass das Gesetz einstimmig im Nationalrat beschlossen wurde. Dies zeigt, dass alle Parlamentsparteien die Notwendigkeit einer besseren Krisenvorsorge erkannt haben und bereit sind, parteiübergreifend an Lösungen zu arbeiten.
Die einstimmige Annahme unterstreicht die Wichtigkeit des Themas Versorgungssicherheit und zeigt, dass es in dieser Frage einen breiten politischen Konsens gibt. Dies ist besonders wichtig, da die Umsetzung der Maßnahmen eine langfristige Strategie erfordert, die über Legislaturperioden hinweg Bestand haben muss.
Mit der Reform des Lebensmittelbewirtschaftungsgesetzes hat Österreich einen wichtigen Schritt zur Stärkung seiner Krisenresilienz getan. Die neue Regelung schafft die rechtlichen Grundlagen für eine effektivere Vorsorge und eine gerechtere Verteilung in Notlagen – ein wichtiger Baustein für die Sicherheit der Bevölkerung in unsicheren Zeiten.