Bildungssprecherin von Künsberg Sarre fordert konstruktive Zusammenarbeit statt Kampagnen gegen Minister Wiederkehr
Die NEOS weisen Kritik der Lehrergewerkschaft zurück und verweisen auf zahlreiche umgesetzte Bildungsreformen im ersten Regierungsjahr.
Die bildungspolitische Debatte in Österreich verschärft sich: NEOS-Bildungssprecherin Martina von Künsberg Sarre hat die jüngste Kritik der Lehrergewerkschaft an Bildungsminister Christoph Wiederkehr entschieden zurückgewiesen. Die Abgeordnete wirft der Gewerkschaft vor, konstruktive Mitarbeit zu verweigern und stattdessen eine Kampagne gegen den Minister zu führen.
"Nach dem jahrzehntelangen Stillstand unter den Vorgängerregierungen ist die Aufholjagd in der Bildung unter Bildungsminister Christoph Wiederkehr voll angelaufen", erklärte von Künsberg Sarre in einer Stellungnahme. Die Gewerkschaft solle nicht permanent alles schlechtreden, sondern sich an der Lösungsfindung beteiligen.
Die NEOS-Politikerin verwies auf eine Reihe von Maßnahmen, die seit dem Eintritt ihrer Partei in die Bundesregierung umgesetzt worden seien. Dabei handelt es sich um weitreichende Änderungen im österreichischen Schulwesen, die von der Gewerkschaft offenbar kritisch begleitet werden.
Ein zentraler Punkt der Verteidigung betrifft die Personalausstattung an den Schulen. Laut von Künsberg Sarre sei ein Großteil der Stellen für Schulpsychologinnen und Schulpsychologen mittlerweile besetzt. Diese Fachkräfte gelten als wichtige Säule bei der Bewältigung psychischer Belastungen von Schülerinnen und Schülern, die seit der Corona-Pandemie verstärkt in den Fokus gerückt sind.
Darüber hinaus seien 1.300 zusätzliche Stellen für Deutschförderkräfte genehmigt und finanziert worden. Die überwiegende Mehrheit dieser Positionen sei bereits besetzt, so die Bildungssprecherin. Diese Maßnahme zielt auf die sprachliche Integration von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache ab, ein Thema, das in der österreichischen Bildungsdebatte seit Jahren eine zentrale Rolle spielt.
Besonders hervorgehoben wurde der Abbau bürokratischer Hürden im Schulalltag. Nach Angaben der NEOS wurden 80 Prozent der bestehenden Erlässe ersatzlos gestrichen. Diese hätten laut von Künsberg Sarre "außer einem immensen bürokratischen Aufwand nichts gebracht" und die Lehrkräfte von ihrer eigentlichen Aufgabe abgehalten, nämlich Kinder und Jugendliche bestmöglich zu unterrichten.
Der Bürokratieabbau ist ein wiederkehrendes Thema in der Bildungspolitik. Lehrerinnen und Lehrer beklagen seit Jahren einen wachsenden Verwaltungsaufwand, der Zeit für den eigentlichen Unterricht und die individuelle Betreuung der Schülerinnen und Schüler reduziert.
Die NEOS-Bildungssprecherin listete weitere Neuerungen auf, die im ersten Jahr der Regierungsbeteiligung beschlossen wurden:
Mit deutlichen Worten kommentierte von Künsberg Sarre die Reaktionen aus der Gewerkschaft: "So viel wie Wiederkehr in seinem ersten Jahr weitergebracht hat, haben die Bildungsminister der Vergangenheit in ihrer ganzen Amtszeit nicht geschafft." Das hohe Tempo überfordere manchen Gewerkschafter ganz offensichtlich.
Diese Aussage lässt auf tiefgreifende Spannungen zwischen dem Bildungsministerium und der Lehrervertretung schließen. Die Gewerkschaft sieht ihre Rolle traditionell auch darin, die Interessen der Lehrkräfte bei Reformen zu vertreten und auf mögliche Probleme bei der Umsetzung hinzuweisen.
Die Lehrergewerkschaft ist in Österreich ein einflussreicher Akteur in der Bildungspolitik. Sie vertritt die Interessen von Pädagoginnen und Pädagogen bei Gehaltsverhandlungen, Arbeitsbedingungen und eben auch bei bildungspolitischen Reformen. Kritische Stellungnahmen zu Ministeriumsplänen gehören zum politischen Alltag.
Der aktuelle Konflikt reiht sich in eine lange Geschichte von Auseinandersetzungen zwischen Bildungsministerium und Gewerkschaft ein. Reformen im Schulwesen sind in Österreich traditionell schwierig umzusetzen, da verschiedene Interessengruppen beteiligt sind und Änderungen oft auf Widerstand stoßen.
Die Debatte findet vor dem Hintergrund anhaltender Herausforderungen im österreichischen Bildungssystem statt. Internationale Vergleichsstudien wie PISA zeigen seit Jahren Verbesserungsbedarf auf, insbesondere bei der Lesekompetenz und der Chancengerechtigkeit.
Der Lehrermangel ist ein weiteres drängendes Problem. In vielen Schulen können offene Stellen nicht besetzt werden, was zu Unterrichtsausfällen und einer Mehrbelastung der vorhandenen Lehrkräfte führt. Vor diesem Hintergrund sind Maßnahmen zur Entlastung des Lehrpersonals von besonderer Bedeutung.
Die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund und die Förderung der deutschen Sprache bleiben ebenfalls zentrale Aufgaben. Die zusätzlichen Deutschförderkräfte sollen hier Abhilfe schaffen, doch Expertinnen und Experten weisen darauf hin, dass nachhaltige Verbesserungen Zeit brauchen.
Die scharfe Auseinandersetzung zwischen NEOS und Lehrergewerkschaft dürfte in den kommenden Monaten weitergehen. Beide Seiten verfolgen unterschiedliche Ansätze in der Bildungspolitik, wobei die Gewerkschaft traditionell auf Bewahrung bestehender Strukturen und vorsichtige Veränderungen setzt, während die NEOS umfassendere Reformen anstreben.
Für die Schulen und letztlich für die Schülerinnen und Schüler wird entscheidend sein, ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich zu Verbesserungen im Schulalltag führen. Die praktische Umsetzung von Reformen ist oft komplexer als politische Ankündigungen vermuten lassen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Ministerium und Gewerkschaft möglich ist oder ob der Konflikt weiter eskaliert. Für das österreichische Bildungssystem wäre ein sachlicher Dialog aller Beteiligten wünschenswert.