Am 6. Februar, dem internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C), richtet sich die Aufmerksamkeit auf eine alarmierende Realität: In Österreich sind rund 11.000 Frauen betroffen, und etwa 1.700 bis 3.000 Mädchen sind gefährdet. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit, mit der
Am 6. Februar, dem internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C), richtet sich die Aufmerksamkeit auf eine alarmierende Realität: In Österreich sind rund 11.000 Frauen betroffen, und etwa 1.700 bis 3.000 Mädchen sind gefährdet. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit, mit der das Frauengesundheitszentrum FEM Süd und die Österreichische Koordinationsstelle gegen FGM/C handeln, um Bewusstsein zu schaffen und Unterstützung zu bieten.
Der neu vorgestellte Handlungsleitfaden „Weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) erkennen – handeln – verhindern“ ist ein praxisorientiertes Werkzeug, das speziell für Fachkräfte im Gesundheitswesen, der Sozialarbeit, Bildung und Justiz entwickelt wurde. Ziel ist es, diese Berufsgruppen mit den notwendigen Informationen auszustatten, um FGM/C zu erkennen und effektiv zu handeln. Der Leitfaden bietet umfassende Informationen zu den verschiedenen Formen von FGM/C, den gesundheitlichen und psychosozialen Folgen sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen in Österreich.
Weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) umfasst alle nicht-medizinisch indizierten Eingriffe an den weiblichen Genitalien, die die Gesundheit und Integrität der betroffenen Frauen und Mädchen beeinträchtigen. Diese Praxis, die vor allem in einigen afrikanischen, asiatischen und nahöstlichen Ländern verbreitet ist, wird oft aus kulturellen oder religiösen Gründen durchgeführt. In Österreich ist FGM/C strafbar und wird als schwere Körperverletzung angesehen.
Die Praxis der FGM/C hat eine lange Geschichte und ist tief in den Traditionen vieler Gemeinschaften verwurzelt. Historisch gesehen diente sie oft der Kontrolle über die Sexualität von Frauen und der Aufrechterhaltung patriarchaler Strukturen. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch weltweit Widerstand gegen diese Praxis formiert, angeführt von Aktivistinnen und internationalen Organisationen. In Österreich wurde die rechtliche Grundlage gegen FGM/C in den letzten Jahren gestärkt, um betroffene Frauen besser zu schützen und Prävention zu betreiben.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz, wo ähnliche rechtliche Maßnahmen gegen FGM/C bestehen, hat Österreich in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Während in Deutschland die Prävalenz von FGM/C ebenfalls hoch ist, haben beide Länder umfangreiche Programme zur Bekämpfung und Prävention etabliert. In der Schweiz wird die Sensibilisierung in der Öffentlichkeit und unter Fachkräften intensiv vorangetrieben, ähnlich wie in Österreich.
Die gesundheitlichen Folgen von FGM/C sind gravierend und können lebenslange physische und psychische Schäden verursachen. Betroffene Frauen leiden häufig unter chronischen Schmerzen, Infektionen, und Komplikationen während der Geburt. Psychisch können Traumata und posttraumatische Belastungsstörungen auftreten. Der neue Leitfaden zielt darauf ab, Fachkräfte zu schulen, um diese Auswirkungen zu erkennen und betroffene Frauen zu unterstützen.
Laut der Österreichischen Koordinationsstelle gegen FGM/C wurden im Jahr 2025 etwa 300 betroffene oder bedrohte Frauen und Mädchen in mehr als 1.600 Beratungsgesprächen begleitet. Diese Zahlen verdeutlichen den Bedarf an spezialisierter Unterstützung und die Effektivität der bestehenden Programme. Zudem wurden etwa 70 Männer in ihre Verantwortung als Väter oder Partner eingebunden, was die Bedeutung der Einbeziehung der gesamten Gemeinschaft unterstreicht.
Die Zukunft der Bekämpfung von FGM/C in Österreich sieht vielversprechend aus. Mit dem neuen Leitfaden und der kontinuierlichen Unterstützung durch das Bundeskanzleramt wird erwartet, dass die Präventionsmaßnahmen weiter gestärkt werden. Fachkräfte werden weiterhin geschult, und es wird angestrebt, die öffentliche Sensibilisierung zu erhöhen. Langfristig ist das Ziel, die Zahl der betroffenen und gefährdeten Frauen und Mädchen drastisch zu reduzieren und FGM/C in Österreich vollständig zu eliminieren.
Der Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung ist ein fortlaufender Prozess, der das Engagement von Fachkräften, der Regierung und der gesamten Gesellschaft erfordert. Der neue Leitfaden ist ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung, um betroffene Frauen zu schützen und gefährdete Mädchen zu bewahren. Es bleibt die Hoffnung, dass durch kontinuierliche Aufklärungsarbeit und Unterstützung FGM/C in Österreich bald der Vergangenheit angehört.
Für weiterführende Informationen besuchen Sie die Website der Österreichischen Koordinationsstelle gegen FGM/C.