Eine bedeutsame Personalentscheidung prägt die neurologische Versorgung in Wien: Dr. Alexander Tinchon hat am 1. April 2026 die Leitung der Abteilung Neurologie mit Stroke Unit im Göttlicher Heilan
Eine bedeutsame Personalentscheidung prägt die neurologische Versorgung in Wien: Dr. Alexander Tinchon hat am 1. April 2026 die Leitung der Abteilung Neurologie mit Stroke Unit im Göttlicher Heiland Krankenhaus übernommen. Der 44-jährige Neurologe mit griechisch-deutschen Wurzeln bringt umfangreiche Expertise in der Schlaganfallmedizin und Hirntumor-Behandlung mit und will die hochspezialisierte neurologische Versorgung in der Bundeshauptstadt weiter stärken.
Dr. Alexander Tinchon verkörpert die moderne, internationale Ausrichtung der österreichischen Medizin. Nach seiner Promotion 2004 an der Medizinischen Universität Wien absolvierte er seine Facharztausbildung für Neurologie bis 2014 an der Klinik Favoriten. Diese zehn Jahre Ausbildungszeit spiegeln die hohen Anforderungen wider, die an Neurologen gestellt werden – ein Fachgebiet, das sich mit dem komplexesten Organ des menschlichen Körpers beschäftigt.
Die Neurologie als medizinische Disziplin befasst sich mit Erkrankungen des Nervensystems, einschließlich Gehirn, Rückenmark und peripheren Nerven. Neurologen müssen nicht nur anatomische Kenntnisse über das Nervensystem besitzen, sondern auch komplexe Zusammenhänge zwischen neurologischen Symptomen und deren zugrundeliegenden Ursachen verstehen. Die Ausbildung zum Facharzt für Neurologie dauert in Österreich mindestens sechs Jahre und umfasst sowohl theoretische als auch praktische Komponenten in verschiedenen neurologischen Bereichen.
Tinchons berufliche Laufbahn führte ihn zunächst an das Universitätsklinikum St. Pölten, wo er in sämtlichen klinischen Bereichen tätig war. Als stationsführender Oberarzt der B-Phase sammelte er wertvolle Führungserfahrung in einem besonders anspruchsvollen medizinischen Umfeld. Die B-Phase bezeichnet in der neurologischen Rehabilitation die Behandlungsphase für Patienten mit schweren neurologischen Schädigungen, die noch nicht eigenständig an Therapien teilnehmen können, aber medizinisch stabil sind.
Das Universitätsklinikum St. Pölten, das zur Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften gehört, gilt als eines der modernsten Krankenhäuser Österreichs. Die dortige neurologische Abteilung behandelt jährlich über 2.000 stationäre Patienten und verfügt über eine der größten Stroke Units in Niederösterreich. Tinchons Tätigkeit dort umfasste nicht nur die direkte Patientenversorgung, sondern auch die interdisziplinäre Koordination mit anderen Fachabteilungen – eine Kompetenz, die in der modernen Medizin zunehmend wichtiger wird.
Ein besonderer Meilenstein in Tinchons Laufbahn war seine Rolle als erster Habilitand an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften. Im Sommer 2025 reichte er seine Habilitationsschrift mit dem Titel „Clinical response assessment and outcome prediction with a focus on drugs routinely used in clinical neurology" ein. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der klinischen Bewertung häufig eingesetzter neurologischer Medikamente hinsichtlich ihres therapeutischen Nutzens und ihres Sicherheitsprofils.
Die Habilitation stellt den höchsten universitären Abschluss dar und berechtigt zur selbstständigen Vertretung eines Faches in Forschung und Lehre. In der Medizin ist die Habilitation besonders bedeutsam, da sie die Verbindung zwischen klinischer Praxis und wissenschaftlicher Forschung symbolisiert. Tinchons Forschungsarbeit fokussiert auf ein zentrales Problem der modernen Neurologie: die optimale Medikamentenwahl und -dosierung bei neurologischen Erkrankungen.
Neurologische Medikamente gehören zu den komplexesten Arzneimitteln der modernen Medizin. Sie müssen die Blut-Hirn-Schranke überwinden – eine natürliche Barriere, die das Gehirn vor schädlichen Substanzen schützt, aber auch die Behandlung erschwert. Die Entwicklung und Bewertung solcher Medikamente erfordert jahrelange Studien und umfangreiche klinische Erfahrung.
Als neue Priorität nennt Tinchon die Aufrechterhaltung des Betriebs im 24/7-Stroke-Rad der Gemeinde Wien. Diese Bezeichnung beschreibt ein ausgeklügeltes Versorgungssystem für Schlaganfallpatienten, das rund um die Uhr funktioniert. Wien verfügt über ein Netzwerk von Stroke Units – hochspezialisierte Stationen für die Behandlung von Schlaganfällen – die gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt sind.
Ein Schlaganfall, medizinisch als Apoplex oder Stroke bezeichnet, entsteht durch eine plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns. Dabei sterben Gehirnzellen ab, was zu dauerhaften neurologischen Ausfällen führen kann. Zeit ist bei einem Schlaganfall der entscheidende Faktor: „Time is brain" lautet die Devise der Schlaganfallmedizin. Je schneller die Behandlung beginnt, desto mehr Gehirngewebe kann gerettet werden.
Das Wiener Stroke-System gilt international als vorbildlich. Die Stadt verfügt über acht Stroke Units, die strategisch so positioniert sind, dass jeder Punkt in Wien innerhalb von 15 Minuten erreichbar ist. Pro Jahr werden in Wien etwa 4.000 Schlaganfälle behandelt. Die Überlebensrate und die Rehabilitation der Patienten haben sich durch dieses System deutlich verbessert.
Eine Stroke Unit ist eine hochspezialisierte Behandlungseinheit, die ausschließlich für Schlaganfallpatienten konzipiert wurde. Diese Stationen verfügen über modernste Monitoring-Technologie zur kontinuierlichen Überwachung lebenswichtiger Funktionen. Das multidisziplinäre Team einer Stroke Unit umfasst Neurologen, spezialisierte Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Sozialarbeiter.
Die Behandlung auf einer Stroke Unit folgt standardisierten Protokollen, die auf internationalen Leitlinien basieren. Dazu gehört die sofortige Bildgebung des Gehirns mittels Computertomographie oder Magnetresonanztomographie, um zwischen einem ischämischen Schlaganfall (Gefäßverschluss) und einer Hirnblutung zu unterscheiden. Je nach Ursache kommen verschiedene Therapien zum Einsatz: bei einem Gefäßverschluss die Thrombolyse (Auflösung des Blutgerinnsels) oder die Thrombektomie (mechanische Entfernung des Gerinnsels).
Österreich gehört zu den führenden Ländern in der Schlaganfallversorgung. Die österreichische Schlaganfallstrategie, die 2017 implementiert wurde, hat zu einer deutlichen Verbesserung der Behandlungsqualität geführt. Die Mortalitätsrate bei Schlaganfällen konnte in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent gesenkt werden.
Tinchon sieht besonderes Entwicklungspotenzial in der Diagnostik und interdisziplinären Betreuung neurodegenerativer Erkrankungen. Diese Krankheitsgruppe umfasst Leiden wie Alzheimer-Demenz, Parkinson-Krankheit, Multiple Sklerose und Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Charakteristisch für neurodegenerative Erkrankungen ist der fortschreitende Verlust von Nervenzellen, der zu zunehmenden funktionellen Beeinträchtigungen führt.
Die demografische Entwicklung macht diese Erkrankungen zu einer wachsenden gesellschaftlichen Herausforderung. In Österreich leben derzeit etwa 130.000 Menschen mit Demenz, bis 2050 wird sich diese Zahl voraussichtlich verdoppeln. Die Parkinson-Krankheit betrifft rund 20.000 Österreicher, wobei die Dunkelziffer deutlich höher geschätzt wird, da die Erkrankung oft erst spät diagnostiziert wird.
Die Früherkennung neurodegenerativer Erkrankungen hat sich in den letzten Jahren dramatisch verbessert. Moderne bildgebende Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können charakteristische Proteinablagerungen im Gehirn bereits Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome nachweisen. Biomarker im Blut und Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) ermöglichen eine präzisere Diagnostik und Verlaufskontrolle.
Mit dem Universitätslehrgang „Health Care Management für Medizinische Führungskräfte