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NÖ: 3,46 Millionen Pflegestunden für 16.450 Menschen zu Hause

7. April 2026 um 09:02
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In Niederösterreich sorgen täglich knapp 9.500 Einsatzstunden dafür, dass über 16.450 Menschen in ihren eigenen vier Wänden betreut werden können. Rund 3.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versch...

In Niederösterreich sorgen täglich knapp 9.500 Einsatzstunden dafür, dass über 16.450 Menschen in ihren eigenen vier Wänden betreut werden können. Rund 3.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Hilfsorganisationen leisten einen unverzichtbaren Dienst, der vielen Familien hilft und das Gesundheitssystem entlastet. Sozial-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister präsentierte jetzt die beeindruckenden Zahlen für das Jahr 2025, die zeigen: Die mobile Pflege ist zu einem tragenden Pfeiler der niederösterreichischen Betreuungslandschaft geworden.

3,46 Millionen Einsatzstunden: Das Rückgrat der häuslichen Pflege

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Über 3,46 Millionen Einsatzstunden wurden von den mobilen Pflege- und Betreuungsdiensten in Niederösterreich geleistet. Diese beeindruckende Leistung wird von fünf großen Organisationen erbracht: dem Hilfswerk NÖ, der Volkshilfe NÖ, der Caritas der Diözese St. Pölten, der Caritas der Erzdiözese Wien sowie dem Roten Kreuz NÖ.

Um diese Dimension zu verstehen: Pro Tag werden durchschnittlich knapp 9.500 Stunden Betreuungsarbeit geleistet. Das entspricht etwa 1.187 Vollzeit-Arbeitstagen täglich, die ausschließlich der häuslichen Pflege gewidmet sind. Jede einzelne Stunde trägt dazu bei, dass betreuungsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können – ein Wunsch, der für viele Menschen oberste Priorität hat.

Was bedeutet mobile Pflege konkret?

Mobile Pflege- und Betreuungsdienste umfassen ein breites Spektrum an Leistungen, die direkt im häuslichen Umfeld der Betroffenen erbracht werden. Dazu gehören grundlegende pflegerische Tätigkeiten wie Körperpflege, Medikamentengabe und Wundversorgung, aber auch hauswirtschaftliche Unterstützung und soziale Betreuung. Die Dienstleistungen reichen von kurzen täglichen Besuchen bis hin zur intensiven Rundumbetreuung.

Besonders wichtig ist dabei die Flexibilität des Systems: Je nach Pflegebedarf können die Einsätze individuell angepasst werden. Während manche Klienten nur wenige Stunden pro Woche benötigen, erhalten andere eine intensivere Betreuung. Diese maßgeschneiderten Lösungen ermöglichen es, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen einzugehen.

Intensivbetreuung: Wenn mehr Hilfe nötig ist

Für Menschen mit besonders hohem Betreuungsbedarf gibt es in Niederösterreich die sogenannte Intensivbetreuung. Diese richtet sich an Personen, die regelmäßig über 60 Stunden pro Monat Unterstützung benötigen. Durchschnittlich 645 Menschen nehmen dieses Angebot in Anspruch, wofür jährlich rund 160.000 zusätzliche Einsatzstunden geleistet werden.

Die Intensivbetreuung stellt eine wichtige Alternative zur stationären Pflege dar. Sie ermöglicht es auch Menschen mit schweren Beeinträchtigungen oder komplexen Krankheitsbildern, in ihrem Zuhause zu bleiben. Dies ist nicht nur menschlich wichtig, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll, da die Kosten für häusliche Pflege in der Regel deutlich unter denen für Heimplätze liegen.

Finanzierung: 150 Millionen Euro für die Betreuung zu Hause

Die Finanzierung dieser umfassenden Betreuungsleistungen erfolgt über mehrere Kanäle. Für die regulären mobilen Pflege- und Betreuungsdienste werden aus der Sozialhilfe, vom NÖGUS (Niederösterreichischer Gesundheits- und Sozialfonds) und den Sozialversicherungen etwa 139,5 Millionen Euro aufgewendet. Zusätzlich fließen rund 10,7 Millionen Euro in die Intensivbetreuung.

Insgesamt investiert Niederösterreich somit etwa 150 Millionen Euro jährlich in die mobile Pflege und Betreuung. Das Land übernimmt dabei bewusst den Großteil der Finanzierung, um die Leistungen für alle zugänglich zu halten. Die Kostenbeiträge, die von den Betroffenen selbst zu tragen sind, werden sozial gestaffelt, sodass niemand aufgrund finanzieller Schwierigkeiten auf die notwendige Unterstützung verzichten muss.

Pflegende Angehörige: Die unsichtbaren Helden der Betreuung

Ein besonderer Fokus der mobilen Dienste liegt auf der Unterstützung pflegender Angehöriger. Diese leisten oft rund um die Uhr Betreuungsarbeit und stoßen dabei nicht selten an ihre physischen und psychischen Grenzen. Die professionellen Pflegekräfte bieten deshalb nicht nur direkte Betreuung für die Pflegebedürftigen, sondern auch Entlastung und Beratung für die Familien.

Zu den Unterstützungsleistungen gehören entlastende Gespräche, ausführliche Beratungen zum Pflegegeld, Organisation von Ersatzpflege für Urlaubszeiten oder Notfälle, sowie die Vermittlung weiterer Hilfsangebote wie Notruftelefon oder Essen auf Rädern. Diese ganzheitliche Betreuung hilft Familien dabei, die Herausforderungen der häuslichen Pflege besser zu bewältigen.

Der demografische Wandel als Treiber

Die steigenden Zahlen in der mobilen Pflege spiegeln eine gesellschaftliche Entwicklung wider, die ganz Österreich betrifft: den demografischen Wandel. Die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit erreichen zunehmend ein Alter, in dem Betreuungsbedarf entstehen kann. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung kontinuierlich an, was bedeutet, dass Menschen länger leben, aber auch länger auf Unterstützung angewiesen sein können.

In Niederösterreich ist dieser Trend besonders ausgeprägt. Als flächenmäßig größtes Bundesland mit vielen ländlichen Gebieten stellt die Betreuung älterer Menschen besondere Herausforderungen dar. Weite Anfahrtswege, dünnere Besiedlung und traditionell starke Familienbande prägen die Betreuungslandschaft. Die mobile Pflege erweist sich hier als ideale Lösung, da sie flexibel auf örtliche Gegebenheiten eingehen kann.

Österreich-Vergleich: NÖ als Vorreiter in der mobilen Betreuung

Im österreichweiten Vergleich nimmt Niederösterreich eine Spitzenposition bei der mobilen Pflege ein. Während andere Bundesländer stärker auf stationäre Einrichtungen setzen, hat NÖ früh erkannt, dass ambulante Betreuung sowohl den Wünschen der Menschen als auch den volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten entspricht.

In Wien beispielsweise ist aufgrund der urbanen Struktur die Dichte an stationären Einrichtungen höher, während in Tirol oder Vorarlberg geografische Herausforderungen andere Lösungsansätze erfordern. Salzburg und Oberösterreich verfolgen ähnliche Strategien wie Niederösterreich, erreichen aber nicht ganz dessen Abdeckungsgrad bei den mobilen Diensten.

Auch im Vergleich mit Deutschland zeigt sich Niederösterreich gut positioniert. Dort kämpft man vielerorts mit einem akuten Pflegenotstand und unzureichender Finanzierung ambulanter Dienste. Die österreichische Lösung mit der Kombination aus Pflegegeld und öffentlich finanzierten Diensten erweist sich als deutlich stabiler und bedarfsgerechter.

Qualitätssicherung und Ausbildung

Die hohe Qualität der mobilen Pflege in Niederösterreich basiert auf einem durchdachten System der Qualitätssicherung. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen spezielle Ausbildungen absolvieren und sich regelmäßig fortbilden. Die Organisationen arbeiten nach einheitlichen Standards und unterliegen kontinuierlichen Qualitätskontrollen.

Besonders wichtig ist dabei die Koordination zwischen den verschiedenen Anbietern. Obwohl Hilfswerk, Volkshilfe, Caritas und Rotes Kreuz unterschiedliche organisatorische Strukturen haben, arbeiten sie in der Praxis eng zusammen. Dadurch können Synergien genutzt und Doppelgleisigkeiten vermieden werden.

Auswirkungen auf Familien und Gesellschaft

Die Verfügbarkeit mobiler Pflege- und Betreuungsdienste hat weitreichende Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Familien. Für viele bedeutet es die Möglichkeit, berufstätig zu bleiben, während sie gleichzeitig ihre Angehörigen betreuen. Dies ist besonders für Frauen wichtig, die traditionell häufig die Hauptlast der Familienbetreuung tragen.

Konkret zeigt sich dies in Fällen wie dem von Maria K. aus St. Pölten: Die 54-Jährige kann weiterhin in ihrem Beruf als Buchhalterin arbeiten, während ihre 82-jährige Mutter täglich zwei Stunden professionelle Betreuung erhält. Ohne diese Unterstützung hätte Maria ihren Job aufgeben oder ihre Mutter in ein Heim geben müssen – beides Optionen, die für die Familie nicht akzeptabel gewesen wären.

Gesellschaftlich trägt die mobile Pflege zur Entlastung des Gesundheitssystems bei. Menschen, die zu Hause betreut werden, blockieren keine Krankenhausbetten und belasten die Notaufnahmen seltener. Gleichzeitig bleibt ihre Lebensqualität oft höher, da sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Trotz der positiven Bilanz stehen die mobilen Dienste vor Herausforderungen. Der Fachkräftemangel macht auch vor der Pflege nicht halt. Viele Organisationen haben Schwierigkeiten, genügend qualifiziertes Personal zu finden. Dies liegt nicht nur an der demographischen Entwicklung, sondern auch an der körperlich und emotional anspruchsvollen Arbeit.

Niederösterreich begegnet diesem Problem mit mehreren Maßnahmen: Verbesserung der Arbeitsbedingungen, attraktivere Entlohnung, flexible Arbeitszeitmodelle und verstärkte Ausbildungsanstrengungen. Zudem wird in die Digitalisierung investiert, um administrative Tätigkeiten zu reduzieren und mehr Zeit für die eigentliche Betreuungsarbeit zu schaffen.

Zukunftsperspektiven: Ausbau und Innovation

Die Landesregierung plant den weiteren Ausbau der mobilen Pflege- und Betreuungsdienste. Bis 2030 soll die Kapazität um weitere 20 Prozent erhöht werden, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Dabei setzt man nicht nur auf quantitativen Ausbau, sondern auch auf qualitative Verbesserungen.

Innovative Ansätze wie Telemedizin, digitale Pflegedokumentation und Smart-Home-Technologien sollen die Effizienz steigern und neue Betreuungsmöglichkeiten eröffnen. Pilotprojekte mit Tablets für die Pflegekräfte haben bereits gezeigt, dass sich dadurch die Dokumentationszeit verkürzen und die Kommunikation zwischen den Beteiligten verbessern lässt.

Besonders vielversprechend sind auch Ansätze der präventiven Betreuung. Statt erst bei akutem Pflegebedarf aktiv zu werden, sollen Menschen bereits früher unterstützt werden, um Verschlechterungen zu vermeiden oder zu verzögern. Dies könnte langfristig sowohl die Lebensqualität der Betroffenen verbessern als auch Kosten sparen.

Die Rolle der Gemeinden

Eine wichtige Rolle beim Ausbau der mobilen Dienste spielen die Gemeinden. Sie kennen die lokalen Bedürfnisse am besten und können als Bindeglied zwischen den Anbietern und den Bürgern fungieren. Viele Gemeinden haben bereits eigene Initiativen gestartet, um die Betreuung vor Ort zu verbessern.

Beispiele dafür sind Nachbarschaftshilfeprojekte, die die professionelle Pflege ergänzen, oder die Bereitstellung von Räumlichkeiten für Beratungsgespräche. Auch die Koordination mit anderen Gemeindediensten wie dem Gemeindebus oder sozialen Einrichtungen trägt zur Verbesserung der Gesamtsituation bei.

Die positive Bilanz der mobilen Pflege- und Betreuungsdienste in Niederösterreich zeigt: Mit der richtigen Strategie, ausreichender Finanzierung und qualifiziertem Personal lässt sich der Wunsch vieler Menschen erfüllen, im Alter zu Hause betreut zu werden. Die über 3,46 Millionen geleisteten Stunden sind mehr als nur eine Statistik – sie stehen für Lebensqualität, Menschlichkeit und eine vorausschauende Sozialpolitik, die den demografischen Herausforderungen erfolgreich begegnet.

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