Pernkopf kündigt umfassendes Schutzprogramm nach Hochwasser-Katastrophe an
Nach dem verheerenden Hochwasser 2024 verstärkt Niederösterreich den Gewässerschutz mit 75 Projekten und 930 Pegelstationen.
Niederösterreich rüstet massiv beim Hochwasserschutz auf. Nach den verheerenden Überschwemmungen im September 2024 hat Landeshauptmann-Stellvertreter Stephan Pernkopf ein umfassendes Investitionsprogramm angekündigt, das in den Jahren 2025 und 2026 jeweils rund 80 Millionen Euro umfasst.
Bei einer Pressekonferenz im Flussbauhof Plosdorf in Böheimkirchen präsentierte Pernkopf gemeinsam mit Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner und Martin Angelmaier, Leiter der Gruppe Wasser beim Land Niederösterreich, die Pläne für den verstärkten Hochwasserschutz. "Das Hochwasser im September 2024 hat deutlich gemacht, wie entscheidend rechtzeitige Vorsorge ist", betonte der Landeshauptmann-Stellvertreter.
Die Ereignisse hätten gezeigt, dass dort, wo bereits in Hochwasserschutz investiert wurde, Schutzbauwerke größere Schäden verhindern konnten. "Deshalb wird auch 2026 konsequent weitergebaut, mit großen und kleineren Projekten in allen Regionen Niederösterreichs", kündigte Pernkopf an.
Ein Drittel aller Hochwasserschutzmaßnahmen in Niederösterreich zielt darauf ab, Wasser zurückzuhalten und Gewässern wieder mehr Platz zu geben. Dies erfolgt etwa durch Rückhaltemaßnahmen oder Flussaufweitungen – ein Ansatz, der sich als besonders wirkungsvoll erwiesen hat.
"Aus Liebe zu unserem Land sorgen wir vor und rüsten auf – für die beste Zukunft unserer Kinder", erklärte Pernkopf die Motivation hinter dem umfangreichen Programm.
Im Jahr 2025 wurden bereits 16 Projekte mit Investitionen von rund 40 Millionen Euro fertiggestellt. Zu den größten zählten:
Derzeit befinden sich 31 weitere Maßnahmen in der Umsetzung, darunter bedeutende Projekte wie der Hochwasserschutz an der Piesting in Wöllersdorf-Steinabrückl mit 15 Millionen Euro sowie am Hagenbach in St. Andrä-Wördern mit 12,8 Millionen Euro.
Im laufenden Jahr starten 28 neue Projekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 85 Millionen Euro. Zu den Großprojekten gehören:
Die umfangreichen Investitionen haben nicht nur einen Schutzeffekt, sondern wirken auch als wichtiger Wirtschaftsmotor. "Die vielen Hochwasserschutzprojekte machen unser Land nicht nur sicherer, sondern schaffen auch Arbeitsplätze und stärken die Bauwirtschaft", erläuterte Pernkopf.
Für die Jahre 2025 und 2026 sind jeweils rund 80 Millionen Euro an Investitionen geplant, was insgesamt etwa 2.600 Arbeitsplätze in zwei Jahren schaffen wird. Diese Zahlen unterstreichen die volkswirtschaftliche Bedeutung der Hochwasserschutz-Offensive.
Eine besondere Rolle spielt der Flussbauhof in Plosdorf als Basis für die schnelle Eingreiftruppe des Landes. "Ein besonderer Grund, warum wir heute im Flussbauhof in Plosdorf sind, ist unsere schnelle Eingreiftruppe, die von hier aus viele kleine und mittlere Projekte rasch umsetzen kann", erklärte Pernkopf.
Diese Mannschaften sind jährlich an rund 30 Projekten und 90 Instandhaltungen beteiligt. Nach dem Hochwasser 2024 konnten zudem 100 Sofortmaßnahmen realisiert werden – ein Beweis für die Schlagkraft dieser Einheit.
Parallel zu den baulichen Maßnahmen wird auch das Frühwarnsystem kontinuierlich ausgebaut. Im letzten halben Jahr wurden rund 40 zusätzliche Pegelstationen errichtet. Insgesamt gibt es nun 930 Messstellen in Niederösterreich.
Von diesen sind rund 360 in Echtzeit auf der Landeshomepage verfügbar – 150 für Oberflächengewässer und 210 für Niederschläge und Grundwasser. "Mit Prognosen an 59 Pegelstellen verfügt Niederösterreich über mehr Vorhersagepunkte als alle anderen Bundesländer zusammen", betonte Pernkopf.
Martin Angelmaier, Leiter der Gruppe Wasser beim Land Niederösterreich, erläuterte: "Mehr Pegelstationen bedeuten gezieltere Prognosen, die durch neue Systeme, etwa für die Pielach, sowie die Überarbeitung und Erweiterung des Kamp, zusätzlich verbessert werden."
Die Herausforderungen werden jedoch nicht kleiner: "Die Extremereignisse und Naturkatastrophen nehmen zu, was eine große Herausforderung darstellt", warnte Angelmaier.
Auch die Feuerwehren werden für künftige Einsätze besser gerüstet. Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner kündigte ein Investitionspaket von über fünf Millionen Euro an: "Nach dem Hochwasser 2024 wurden gemeinsam mit dem Land Niederösterreich Mittel für Pumpen und Elemente geschnürt."
Damit soll die Schlagkraft der Feuerwehren mit moderner Ausrüstung, leistungsfähigen Pumpensystemen und mobilen Schutzsystemen gestärkt werden. "Gleichzeitig setzen wir auf moderne Prognosesysteme, um unerwartet heftigen Niederschlag, Hagel, Sturm und andere Wetterkapriolen möglichst frühzeitig vorauszusagen", erklärte Fahrafellner.
Trotz aller Anstrengungen betonte Pernkopf auch die Grenzen des technisch Machbaren: "100-prozentige Sicherheit kann und wird es nie geben, daher investieren wir auch in den Katastrophenschutz und unsere Freiwilligen Feuerwehren!"
Diese ehrliche Kommunikation ist wichtig, um realistische Erwartungen zu schaffen und gleichzeitig die Notwendigkeit weiterer Vorsorgemaßnahmen zu unterstreichen.
Das vorgestellte Programm ist als langfristige Strategie angelegt. Mit insgesamt 75 Projekten in verschiedenen Umsetzungsphasen und einem Investitionsvolumen von 160 Millionen Euro bis 2026 setzt Niederösterreich österreichweit Maßstäbe beim präventiven Hochwasserschutz.
"Wenn Extremwetterlagen zunehmen, müssen auch wir schneller, präziser und noch besser vorbereitet sein", fasste Fahrafellner die Herausforderung zusammen. "Unsere Feuerwehr ist bereit – und wir investieren heute, damit sie auch morgen bestmöglich helfen kann."
Die Kombination aus baulichen Schutzmaßnahmen, modernen Frühwarnsystemen und gut ausgerüsteten Einsatzkräften soll Niederösterreich für künftige Wetterextreme wappnen und das Risiko für Menschenleben und Sachschäden minimieren.