Zurück
OTS-MeldungJustizausschuss/Sporrer/Nationalrat/Justiz

Notariat: Altersobergrenze steigt von 35 auf 50 Jahre

17. März 2026 um 13:38
Teilen:

Eine bedeutende Änderung für angehende Notarinnen und Notare steht bevor: Der Justizausschuss des österreichischen Nationalrats hat am 14. Januar 2025 einstimmig beschlossen, die Altersobergrenze f...

Eine bedeutende Änderung für angehende Notarinnen und Notare steht bevor: Der Justizausschuss des österreichischen Nationalrats hat am 14. Januar 2025 einstimmig beschlossen, die Altersobergrenze für den Einstieg ins Notariat deutlich anzuheben. Statt wie bisher nur bis zum 35. Lebensjahr können sich künftig auch Personen bis zum 50. Lebensjahr als Notariatskandidaten eintragen lassen. Diese Entscheidung könnte das Berufsbild nachhaltig verändern und mehr Menschen den Zugang zu diesem traditionellen Rechtsberuf ermöglichen.

Notariat in Österreich: Tradition trifft Modernisierung

Das österreichische Notariat blickt auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Notare sind öffentliche Beamte, die als unabhängige und unparteiische Organe der Rechtspflege fungieren. Sie beurkunden Verträge, beglaubigen Unterschriften und sorgen für die rechtssichere Abwicklung wichtiger Geschäfte wie Immobilienkäufe, Firmengründungen oder Erbschaftsangelegenheiten. Anders als in Deutschland gibt es in Österreich nur das sogenannte "lateinische Notariat", bei dem Notare als freiberufliche Amtsträger tätig sind.

Die bisherige Altersregelung stammte noch aus einer Zeit, in der Lebensläufe geradliniger verliefen. Mit 35 Jahren galt man als "zu alt" für den Berufseinstieg ins Notariat - eine Regelung, die in der modernen Arbeitswelt zunehmend als überholt betrachtet wurde. Der Weg zum Notar ist lang und steinig: Nach dem Studium der Rechtswissenschaften folgt die Gerichtspraxis, dann mindestens fünf Jahre als Notariatskandidat, bevor überhaupt die Chance auf eine eigene Notariatsstelle besteht.

EU-Konformität und Diskriminierungsvorwürfe als Reformtreiber

Die Neuregelung erfolgt nicht im luftleeren Raum. Wie FPÖ-Abgeordneter Harald Stefan im Ausschuss erläuterte, wolle man "Überlegungen des Europäischen Gerichtshofs zuvorkommen". Die EU-Kommission prüft seit Jahren nationale Regelungen auf mögliche Diskriminierung. Altersgrenzen beim Berufszugang stehen dabei besonders im Fokus, da sie gegen das Prinzip der Gleichbehandlung verstoßen können.

Besonders Frauen hatten die bisherige Regelung als diskriminierend empfunden, wie SPÖ-Abgeordnete Selma Yildirim berichtete. In einer Zeit, in der viele Frauen ihre Berufslaufbahn unterbrechen oder später beginnen - sei es durch Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder Quereinstieg nach anderen Tätigkeiten - wirkte die strikte Altersgrenze von 35 Jahren wie eine unüberwindbare Hürde. Die Anhebung auf 50 Jahre eröffnet nun völlig neue Perspektiven für Lebensläufe jenseits des klassischen Schemas.

Internationale Vergleiche zeigen unterschiedliche Ansätze

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass andere europäische Länder bereits flexiblere Regelungen haben. In Deutschland gibt es beispielsweise keine strenge Altersobergrenze für den Notarberuf. Dort können auch ältere Juristen noch ins Notariat wechseln, sofern sie die fachlichen Voraussetzungen erfüllen. Die Schweiz kennt ebenfalls keine pauschale Altersgrenze, sondern prüft jeden Einzelfall individuell.

Frankreich, das als Mutterland des lateinischen Notariats gilt, hat ähnliche Diskussionen geführt und seine Regelungen bereits gelockert. Dort können Notariatskandidaten bis zum 50. Lebensjahr in den Beruf einsteigen - genau jene Grenze, die nun auch Österreich übernimmt. Diese Harmonisierung mit anderen EU-Ländern war ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidungsfindung.

Fünf-Parteien-Konsens zeigt Einigkeit

Die einstimmige Zustimmung aller Parlamentsparteien ist bemerkenswert und zeigt, dass diese Reform als längst überfällig betrachtet wurde. ÖVP-Abgeordneter Jakob Grüner sah in der Neuregelung "eine Maßnahme gegen Altersdiskriminierung", während NEOS-Mandatarin Sophie Marie Wotschke die Änderung als "einfach sinnvoll" bezeichnete. Selbst die Grünen-Abgeordnete Alma Zadić, die eine komplette Abschaffung der Altersgrenze befürwortet hätte, stimmte dem Kompromiss zu.

Diese parteiübergreifende Einigkeit ist in der aktuellen politischen Landschaft Österreichs selten geworden. Sie unterstreicht, dass die Reform nicht als parteipolitisches Thema, sondern als sachliche Notwendigkeit betrachtet wird. Der Antrag 696/A wurde von allen fünf Parlamentsparteien gemeinsam eingebracht - ein starkes Signal für die Dringlichkeit der Maßnahme.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Rechtspflege

Die Anhebung der Altersgrenze wird konkrete Auswirkungen auf verschiedene Bereiche haben. Für den juristischen Arbeitsmarkt bedeutet sie eine Öffnung des Notariats für erfahrene Juristen, die bisher andere Karrierewege eingeschlagen hatten. Richter, Anwälte oder Unternehmensjuristen, die eine Veränderung suchen, können nun auch mit über 35 Jahren noch ins Notariat wechseln.

Diese Entwicklung kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Das österreichische Notariat kämpft seit Jahren mit Nachwuchsproblemen. Viele junge Juristen entscheiden sich für andere Laufbahnen, da der Weg zum eigenen Notariat lang und unsicher ist. Mit der Altersanhebung erweitert sich der Pool potentieller Kandidaten erheblich. Erfahrene Juristen bringen zudem oft wertvolle Kompetenzen aus anderen Bereichen mit, die dem Notariat zugutekommen können.

Für Bürgerinnen und Bürger könnte sich die Reform ebenfalls positiv auswirken. Mehr Kandidaten bedeuten potenziell mehr Notare, was zu besserer Verfügbarkeit und möglicherweise auch zu Innovation in der Berufsausübung führen kann. Ältere Berufseinsteiger bringen oft eine andere Lebenserfahrung mit, die bei der Beratung in komplexen Rechtsfragen von Vorteil sein kann.

Herausforderungen der Umsetzung

Trotz der positiven Aspekte bringt die Reform auch Herausforderungen mit sich. Die Ausbildung von Notariatskandidaten ist zeitaufwendig und kostenintensiv. Ältere Kandidaten haben möglicherweise weniger Zeit für die intensive Lernphase und stehen unter größerem finanziellen Druck. Die Notariatskammern müssen ihre Ausbildungsprogramme möglicherweise anpassen, um den Bedürfnissen einer älteren Kandidatengruppe gerecht zu werden.

Auch die Frage der Pensionierung stellt sich neu. Wer mit 45 Jahren ins Notariat einsteigt und 15 Jahre für die Vollausbildung benötigt, erreicht erst mit 60 Jahren die volle Qualifikation. Dies verkürzt die Zeit der eigenständigen Berufsausübung erheblich und könnte die Wirtschaftlichkeit einer Notariatsstelle beeinträchtigen.

EU Inc. - Neues Rechtsregime für Start-ups

Parallel zur Notariatsreform behandelte der Justizausschuss auch zukunftsweisende EU-Entwicklungen. Besonders im Fokus stand das geplante "EU Inc."-System, ein einheitliches Rechtsregime für Start-ups und innovative Unternehmen. Dieses "28. Regime" soll es Gründern ermöglichen, europaweit zu operieren, ohne sich mit 27 verschiedenen nationalen Rechtssystemen auseinandersetzen zu müssen.

Justizministerin Anna Sporrer informierte die Abgeordneten, dass der entsprechende Richtlinienvorschlag noch diese Woche vorgestellt werden soll. Das System verspricht Vereinfachungen und günstigere Bedingungen für innovative Unternehmen - ein wichtiger Baustein für die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Wirtschaftsraums.

Kritik kam von FPÖ-Mandatar Harald Stefan, der einen "Qualitätsverlust" befürchtet. Er warnte davor, dass etablierte Rechtskulturen untergraben werden könnten. Die Ministerin versicherte jedoch, dass weder Arbeitnehmerrechte noch Verbraucherschutz zur Disposition stünden. Österreich werde sich aktiv in die Gestaltung der neuen Regelungen einbringen.

Weitere EU-Prioritäten im Justizbereich

Die EU-Jahresvorschau 2026 des Justizministeriums zeigt ein breites Spektrum geplanter Reformen. Besondere Priorität haben der Kampf gegen Gewalt an Frauen, der Schutz vor sexuellem Missbrauch an Kindern und die Harmonisierung des Waffenrechts. Das geplante europäische Elternschaftszeugnis soll grenzüberschreitende Familiensituationen erleichtern, während neue Regelungen zum Erwachsenenschutz mehr Rechtssicherheit schaffen sollen.

Die Bekämpfung von Hassrede im Internet steht ebenfalls auf der Agenda. Während SPÖ-Abgeordnete Muna Duzdar dies als notwendige Antwort auf die Verlagerung der Kriminalität in den digitalen Raum begrüßte, äußerte FPÖ-Mandatar Stefan Bedenken über eine mögliche "Gesinnungsjustiz" und Einschränkung der Meinungsfreiheit.

Zukunftsperspektiven für das österreichische Notariat

Die Anhebung der Altersgrenze ist nur ein Baustein in der Modernisierung des österreichischen Notariats. In den kommenden Jahren werden weitere Reformen erwartet, insbesondere im Bereich der Digitalisierung. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass auch traditionelle Rechtsberufe sich an veränderte Rahmenbedingungen anpassen müssen.

Elektronische Beurkundungen, digitale Archive und Online-Beratung werden das Notariat der Zukunft prägen. Die neuen, älteren Kandidaten könnten dabei eine wichtige Rolle spielen, da sie oft bereits Erfahrungen mit modernen Technologien aus anderen Berufszweigen mitbringen. Gleichzeitig bringen sie die nötige Lebenserfahrung mit, um komplexe Rechtssituationen zu durchdringen.

Experten erwarten, dass sich die Zusammensetzung der Notarschaft in den nächsten Jahren deutlich wandeln wird. Mehr Frauen, mehr Quereinsteiger und eine größere Vielfalt an beruflichen Hintergründen könnten das traditionell männlich dominierte Berufsbild aufbrechen. Dies könnte auch zu innovativeren Ansätzen in der Kundenbetreuung und Geschäftsführung führen.

Die Reform zeigt, dass Österreich bereit ist, überholte Strukturen zu überdenken und an moderne Anforderungen anzupassen. In einer Zeit, in der Flexibilität und Lebenslanges Lernen immer wichtiger werden, sendet die Anhebung der Altersgrenze ein starkes Signal für eine offenere und inklusivere Berufswelt. Ob die Reform die erhofften Effekte bringen wird, muss sich in den kommenden Jahren zeigen - die Grundlage für positive Veränderungen ist jedoch gelegt.

Weitere Meldungen

OTS
Neo Energy

Neo Energy: Wie ein Schweizer Start-up die Energiebranche revolutioniert

17. März 2026
Lesen
OTS
ORF

Eurovision 2026: Österreich startet als Nummer 25 im Finale

17. März 2026
Lesen
Wirtschaft

Target Escorts Österreich präsentiert digitale Plattform mit Fokus auf Diskretion und Professionalität

17. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen