Die Oesterreichische Entwicklungsbank AG (OeEB) hat das Geschäftsjahr 2025 mit beeindruckenden Zahlen abgeschlossen und dabei ihre strategische Neuausrichtung auf Klimaschutz, Afrika und Geschlecht...
Die Oesterreichische Entwicklungsbank AG (OeEB) hat das Geschäftsjahr 2025 mit beeindruckenden Zahlen abgeschlossen und dabei ihre strategische Neuausrichtung auf Klimaschutz, Afrika und Geschlechtergerechtigkeit erfolgreich vorangetrieben. Mit einem Neugeschäftsvolumen von 306 Millionen Euro und einem Gesamtportfolio von 1,688 Milliarden Euro unterstreicht die staatliche Entwicklungsbank ihre wachsende Bedeutung als Brücke zwischen österreichischen Investoren und aufstrebenden Märkten weltweit.
Besonders bemerkenswert ist die starke Fokussierung auf klimarelevante Projekte: Über 41 Prozent des Neugeschäftes und 52 Prozent des gesamten Portfolios – das entspricht 871 Millionen Euro – fließen in Projekte für erneuerbare Energien, Speicherlösungen, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Landwirtschaft. Diese Zahlen zeigen deutlich, wie ernst Österreich die Bekämpfung des Klimawandels in Entwicklungsländern nimmt.
Ein besonderer Meilenstein ist der Start des "ACP OeEB Climate Impact Fund", einem Klima-Dachfonds, der bereits in der ersten Runde rund 40 Millionen Euro mobilisiert hat. Dieser Fonds funktioniert als Multiplikator: Impact-Investoren steuern Kapital bei, das dann über ausgewählte Zielfonds in grüne Projekte in Asien, Afrika und Lateinamerika investiert wird. Damit wird nicht nur österreichisches Steuergeld effizient eingesetzt, sondern auch privates Kapital für Entwicklungsziele mobilisiert.
Impact-Investoren sind Anleger, die bewusst in Unternehmen oder Projekte investieren, die neben finanziellen Renditen auch messbare positive gesellschaftliche oder ökologische Auswirkungen erzielen wollen. Anders als bei traditionellen Investitionen steht nicht nur der Profit im Vordergrund, sondern auch der Beitrag zur Lösung globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Armut oder Bildungsmangel. Diese Anlagephilosophie hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen, da immer mehr institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Versicherungen und Stiftungen ihre Verantwortung für nachhaltige Entwicklung ernst nehmen.
Die OeEB hat ihre Aktivitäten in Afrika deutlich ausgebaut: 35 Prozent des Neugeschäfts fließen in afrikanische Projekte, während der bestehende Portfolioanteil bereits 26 Prozent (436 Millionen Euro) beträgt. Diese Zahlen spiegeln die wachsende strategische Bedeutung des afrikanischen Kontinents für die österreichische Entwicklungszusammenarbeit wider.
Ein zentrales Instrument dabei ist die "African-Austrian SME Investment Facility+ (AAIF+)", ein maßgeschneidertes Finanzierungspaket für österreichische und europäische kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die in Afrika oder den am wenigsten entwickelten Ländern (Least Developed Countries, LDCs) investieren wollen. Diese Fazilität hilft europäischen Unternehmen dabei, neue Märkte zu erschließen und gleichzeitig vor Ort Arbeitsplätze zu schaffen und Wertschöpfung aufzubauen.
Die Vereinten Nationen klassifizieren derzeit 46 Länder als "Least Developed Countries" (LDCs) – die am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Diese Länder zeichnen sich durch ein besonders niedriges Pro-Kopf-Einkommen, schwache Humanressourcen und hohe wirtschaftliche Verwundbarkeit aus. Zu dieser Gruppe gehören Länder wie Afghanistan, Bangladesch, Haiti, Mali oder Burundi. Die OeEB hat 16 Prozent ihres Neugeschäftes beziehungsweise 15 Prozent des Portfolios (262 Millionen Euro) in solche Länder investiert, wo der Bedarf an Entwicklungsfinanzierung besonders groß ist.
Ein besonderer Erfolg der OeEB ist die Unterstützung des weltweit ersten geschlechtsspezifischen und global investierenden Investmentfonds "Global Gender Smart Fund (GGSF)". Dieser Fonds qualifizierte sich für die "2X Challenge" – eine globale Initiative zur Mobilisierung von Kapital zur Stärkung von Frauen als Unternehmerinnen, Führungskräfte, Arbeitnehmerinnen oder Konsumentinnen.
Die 2X Challenge wurde 2018 von den G7-Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen ins Leben gerufen und hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 mindestens drei Milliarden US-Dollar für Investitionen zu mobilisieren, die Frauen in Entwicklungsländern zugutekommen. Österreich positioniert sich damit als Vorreiter in der geschlechtersensiblen Entwicklungsfinanzierung.
Ein konkretes Beispiel für diese Strategie ist eine Kreditlinie an eine Institution in Burundi zur Stärkung des Mikro-, Klein- und Mittelunternehmenssektors (MKMU-Sektor) und von Frauen geführten Unternehmen. Hier konnte die OeEB zusätzlich eine Absicherungsgarantie aus dem Europäischen Fonds für nachhaltige Entwicklung (EFSD+) einsetzen, wodurch die Finanzierungskosten für die Endkundinnen gesenkt und Risiken abgemildert wurden.
Neben klassischen Finanzierungsinstrumenten setzt die OeEB verstärkt auf Technische Assistenz (TA) – nicht rückzahlbare Zuschüsse, die projektbegleitend eingesetzt werden. 2025 wurden 824.000 Euro für elf Projekte genehmigt und sechs Projekte in Höhe von 478.000 Euro erfolgreich abgeschlossen.
Diese Projekte umfassen ein breites Spektrum: von Beratungsleistungen zum Kapazitätsaufbau nachhaltiger Fischzucht über die Stärkung des Klimarisikomanagements von Institutionen bis hin zur Implementierung unabhängiger Beschwerdemechanismen im Mikrofinanzbereich. Technische Assistenz ist besonders wichtig, weil sie sicherstellt, dass geförderte Projekte nicht nur finanziell erfolgreich sind, sondern auch nachhaltige Entwicklungseffekte erzielen.
Mikrofinanz bezeichnet die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen wie Kleinkrediten, Sparkonten oder Versicherungen für Menschen, die normalerweise keinen Zugang zum traditionellen Bankensystem haben. Diese Dienstleistungen richten sich hauptsächlich an arme Haushalte und Kleinunternehmer in Entwicklungsländern. Ein typischer Mikrokredit liegt zwischen 50 und 1.000 US-Dollar und ermöglicht es Empfängern, kleine Geschäfte zu gründen oder zu erweitern. Frauen sind oft die Hauptzielgruppe, da sie als besonders zuverlässige Kreditnehmerinnen gelten und Investitionen eher der Familie zugutekommen lassen.
Im Vergleich zu anderen europäischen Entwicklungsbanken positioniert sich die OeEB als spezialisierte Institution mit klarem Fokus auf private Sektorentwicklung. Während die deutsche DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) mit einem Portfolio von etwa 10 Milliarden Euro deutlich größer ist, hat die OeEB mit ihrem 1,7-Milliarden-Portfolio eine beachtliche Größe für ein Land mit 9 Millionen Einwohnern erreicht.
Die schweizerische SIFEM (Swiss Investment Fund for Emerging Markets) verwaltet ein ähnlich großes Portfolio, konzentriert sich aber stärker auf Fonds-Investments. Die OeEB hingegen verfolgt einen diversifizierteren Ansatz mit direkten Krediten, Beteiligungen und Fondsanlagen. Besonders innovativ ist der österreichische Ansatz bei der Integration von Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit in alle Investitionsentscheidungen.
Das internationale Umfeld für Entwicklungsfinanzierung wird zunehmend herausfordernder. Geopolitische Spannungen, handelspolitische Unsicherheiten und die Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie erschweren Investitionen in Entwicklungsländern. Gleichzeitig besteht eine enorme Finanzierungslücke bei der Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsagenda 2030 und der Ziele des Pariser Klimaabkommens.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind jährlich 2,5 bis 3 Billionen US-Dollar zusätzliche Investitionen nötig, um die Sustainable Development Goals (SDGs) bis 2030 zu erreichen. Öffentliche Entwicklungshilfemittel allein reichen bei weitem nicht aus – private Investitionen müssen mobilisiert werden. Hier sehen sich Entwicklungsbanken wie die OeEB in einer Schlüsselrolle als "antizyklische Partner", die auch in unsicheren Zeiten investieren und damit Vertrauen schaffen.
Die Aktivitäten der OeEB haben direkte positive Auswirkungen auf österreichische Unternehmen. Durch die AAIF+-Fazilität erhalten heimische KMU maßgeschneiderte Finanzierungslösungen für Afrika-Investitionen, die sonst schwer zu realisieren wären. Dies kann den Export österreichischer Technologie und Know-how fördern und neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.
Darüber hinaus profitieren österreichische Anleger von den Impact-Investment-Möglichkeiten, die die OeEB schafft. Der neue Klima-Dachfonds ermöglicht es institutionellen Investoren, ihr Kapital gezielt für Klimaschutzprojekte einzusetzen und dabei marktgerechte Renditen zu erzielen. Dies ist besonders für Pensionsfonds und Versicherungen interessant, die zunehmend unter Druck stehen, ihre Investments nachhaltiger zu gestalten.
Trotz des schwierigen globalen Umfelds konnte die OeEB ein solides Geschäftsergebnis erzielen. Der Jahresüberschuss nach Steuern betrug 5,13 Millionen Euro, verglichen mit 7,16 Millionen Euro im Vorjahr. Dieser leichte Rückgang ist angesichts der gestiegenen Risiken und der verstärkten Investitionen in schwierige Märkte durchaus akzeptabel und zeigt die solide Geschäftsführung der Bank.
Die Eigenkapitalausstattung der OeEB ermöglicht es ihr, auch weiterhin antizyklisch zu investieren und Risiken einzugehen, die private Investoren scheuen würden. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung von Volkswirtschaften in Entwicklungsländern und zur Erreichung globaler Nachhaltigkeitsziele.
Für die kommenden Jahre plant die OeEB eine weitere Intensivierung ihrer strategischen Schwerpunkte. Der Klimaschutz wird dabei eine noch größere Rolle spielen, da die Auswirkungen des Klimawandels besonders Entwicklungsländer treffen. Gleichzeitig soll das Afrika-Geschäft weiter ausgebaut werden, da der Kontinent enormes Wachstumspotenzial aufweist.
Die Digitalisierung wird ein neuer Schwerpunkt werden, da digitale Lösungen in Entwicklungsländern oft schneller implementiert werden können als traditionelle Infrastruktur. Mobile Banking, E-Learning und Telemedizin bieten große Chancen für nachhaltige Entwicklung.
Besonders spannend wird die Entwicklung des Gender-Investing-Bereichs. Mit dem Global Gender Smart Fund hat die OeEB Pionierarbeit geleistet, die international Beachtung findet. Weitere ähnliche Initiativen sind geplant, da die Förderung von Frauen in der Wirtschaft nachweislich zu höherem Wirtschaftswachstum und geringerer Armut führt.
Die OeEB zeigt damit, dass österreichische Entwicklungspolitik durchaus schlagkräftig und innovativ sein kann. Mit ihrer Fokussierung auf Klimaschutz, Afrika und Geschlechtergerechtigkeit hat sie sich als wichtiger Akteur in der internationalen Entwicklungsfinanzierung etabliert. Die Herausforderung wird sein, diese erfolgreiche Strategie auch in einem zunehmend unsicheren globalen Umfeld fortzusetzen und dabei die Balance zwischen entwicklungspolitischer Wirkung und finanzieller Nachhaltigkeit zu halten.