"Haltung statt Festung" - Kritische Debatte über europäische Migrationspolitik an österreichischen Universitäten
Österreichs Hochschülerschaft und SOS Balkanroute bringen im März die Menschenrechtsdebatte in die Hörsäle und kritisieren Europas Grenzpolitik.
Die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH) und die Organisation SOS Balkanroute starten im März eine gemeinsame Hochschultour durch österreichische Universitäten. Unter dem Motto "Haltung statt Festung" wollen sie die oft verdrängte Realität europäischer Migrationspolitik sichtbar machen und Raum für kritische Auseinandersetzung schaffen.
"Europa sperrt Menschen ein, verletzt systematisch ihre Grundrechte und verkauft das als Sicherheitspolitik. Das darf nicht stillschweigend hingenommen werden", kritisiert Selina Wienerroither aus dem ÖH-Vorsitz die aktuelle Situation. Die Studierendenvertreter werfen der europäischen Politik vor, Flucht auf Kosten von Menschenleben zu instrumentalisieren, anstatt menschenwürdige Lösungen zu entwickeln.
Die Tour startet am Montag in Innsbruck und macht in mehreren österreichischen Städten Station. Im Zentrum der Veranstaltungen steht die Realität an den europäischen Außengrenzen: Pushbacks, Gewalt, illegale Zurückweisungen und die Erschwerung von Familienzusammenführungen sind laut den Organisatoren längst keine Ausnahmen mehr, sondern Teil politischer Praxis.
Petar Rosandić von SOS Balkanroute, der bei mehreren Tourstopps am Podium vertreten sein wird, betont: "Die Gewalt an Europas Außengrenzen ist kein Versagen einzelner Staaten, sondern Ergebnis einer bewussten Abschottungspolitik. Wer Freiheit und Rechtsstaatlichkeit ernst nimmt, darf dazu nicht schweigen."
Auch aus Sicht der ÖH sind diese Entwicklungen kein Zufall. "Menschenrechtsverletzungen sind kein Ausrutscher, sondern die direkte Folge politischer Entscheidungen. Wir wollen diese Entscheidungen öffentlich machen, sichtbar kritisieren und Alternativen aufzeigen", ergänzt Viktoria Kudrna aus dem ÖH-Vorsitz.
Die Hochschultour greift zentrale Themen der europäischen Migrationspolitik auf: wirtschaftliche Interessen hinter Grenzregimen, die Normalisierung von Gewalt, kriminalisierte Seenotrettung sowie die zunehmende autoritäre Dynamik in Europa. Dabei geht es den Organisatoren nicht nur um Kritik, sondern auch um konkrete Perspektiven für eine andere Politik.
"Wir wollen zeigen, dass es Wege jenseits von Abschottung gibt. Legale und sichere Fluchtrouten, das Recht auf Familienzusammenführung und solidarische Politik sind keine utopischen Forderungen, sondern menschenrechtliche Notwendigkeiten", betont Umut Ovat aus dem ÖH-Vorsitz.
Die fachlichen Inputs kommen von renommierten Journalist_innen, Expert_innen und Wissenschaftler_innen. Mit dabei sind unter anderem:
Besonders bedeutsam ist, dass auch Betroffene zu Wort kommen, die selbst Pushbacks und die Zustände an den Außengrenzen erlebt haben. Ibrahim Rasool, heute Assistenztrainer der SK Austria Klagenfurt Frauen, wird über die 51 Pushbacks sprechen, die er alleine in Kroatien erlebt hat.
Mit "Haltung statt Festung" rufen ÖH und SOS Balkanroute Studierende und die breite Öffentlichkeit dazu auf, die europäische Migrationspolitik nicht als gegeben hinzunehmen, sondern kritisch zu hinterfragen. Die Hochschulen sollen dabei als Orte genutzt werden, an denen Wissen, Haltung und politisches Engagement zusammenkommen.
Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, da zivilgesellschaftliche Organisationen zunehmend unter Druck geraten, obwohl sie jene humanitäre Arbeit leisten, die Staaten bewusst unterlassen. Die Tour soll auch dieses Paradox thematisieren und Wege aufzeigen, wie eine andere, menschenrechtsbasierte Politik aussehen könnte.
Die Vortragsreihe endet am 25. März mit einer Podiumsdiskussion an der TU Wien. Die Veranstaltung soll nicht nur informieren, sondern auch zum Handeln motivieren. Die Organisatoren hoffen, dass die Tour dazu beiträgt, die oft abstrakt geführte Debatte über Migration und Menschenrechte zu konkretisieren und die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf reale Menschen sichtbar zu machen.
In einer Zeit, in der rechtspopulistische Bewegungen in ganz Europa an Einfluss gewinnen und eine immer restriktivere Migrationspolitik durchsetzen, setzt die Hochschultour ein bewusstes Gegenzeichen. Sie will zeigen, dass eine andere Politik möglich ist – eine Politik, die Menschenrechte ernst nimmt und solidarische Lösungen sucht, anstatt auf Abschottung und Gewalt zu setzen.