Klima- und Energiefonds verstärkt Kooperation mit Bundesländern
Neue Förderprogramme für Energiegemeinschaften, regionale Beratung und einheitliche Energieplanung sollen die Energiewende vor Ort beschleunigen.
Die österreichische Energiewende bekommt neuen Schwung auf regionaler Ebene. Der Klima- und Energiefonds hat gemeinsam mit den neun Bundesländern ein umfassendes Förderpaket geschnürt, das Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonen bei der Umsetzung nachhaltiger Energielösungen unterstützen soll. Die Initiative wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus sowie des Umwelt- und Klimaministeriums finanziert.
Das neue Förderkonzept ruht auf drei zentralen Säulen: den Regionalprogrammen für Energie- und Umweltberatung, der verstärkten Unterstützung von Energiegemeinschaften und dem Aufbau einer bundesweiten Plattform für räumliche Energieplanung (PREP). Diese Kombination soll sicherstellen, dass die Energiewende nicht nur in den Ballungszentren, sondern vor allem in den Regionen vorangetrieben wird.
"Die Transformation unseres Energiesystems ist ein zentrales Handlungsfeld unserer Industriestrategie", betont Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Wer Energie effizient nutze und erneuerbare Potenziale erschließe, stärke sowohl die Wettbewerbsfähigkeit als auch die Preisstabilität. Mit klaren Förderinstrumenten und regionaler Umsetzungskraft wolle man Investitionssicherheit schaffen und die heimische Technologiekompetenz stärken.
Das Herzstück der neuen Initiative bilden die sogenannten Regionalprogramme. In allen neun Bundesländern bieten diese zielgruppenorientierte Beratungsdienstleistungen für Betriebe, Gemeinden, Schulen und Vereine an. Der Fokus liegt dabei auf vier zentralen Bereichen: der Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz, dem Ausbau erneuerbarer Energien, der Abfallvermeidung und der Anpassung an den Klimawandel.
Die Beratungen sollen konkrete Maßnahmen planbar machen und Investitionsprojekte gezielt vorbereiten. Für das Jahr 2026 stellt der Klima- und Energiefonds bereits 2,4 Millionen Euro aus Mitteln des Umwelt- und Klimaministeriums bereit. Die Kontinuität der Beratungsleistungen ist damit gesichert.
Besonders hervorzuheben ist der praxisorientierte Ansatz: Die Beratungen werden direkt vor Ort durchgeführt und berücksichtigen die spezifischen regionalen Gegebenheiten. Eine detaillierte Liste aller Beratungsangebote und qualifizierten Beraterinnen und Berater aus den neun Länderinitiativen ist online verfügbar und ermöglicht eine gezielte Auswahl je nach Bedarf.
Einen besonderen Stellenwert nimmt die Förderung von Energiegemeinschaften ein. Österreichweit gibt es mittlerweile knapp 10.000 solcher Gemeinschaften – Tendenz stark steigend. Diese stehen für eine nachhaltige, kosteneffiziente und gemeinschaftliche Energieversorgung mit ökologischen, wirtschaftlichen und sozialgemeinschaftlichen Vorteilen.
Energiegemeinschaften ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern, gemeinsam in erneuerbare Energieanlagen zu investieren, den produzierten Strom untereinander zu teilen und dabei von günstigen Tarifen zu profitieren. Gleichzeitig fördern sie die lokale Energiewende und tragen durch gemeinschaftliche Infrastruktur und technologische Innovationen zu einer nachhaltigen, langfristig stabilen und kostengünstigen Energieversorgung vor Ort bei.
Das entsprechende Förderprogramm wird heuer mit bis zu 5,3 Millionen Euro dotiert, finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus. Um Interessierte über die Möglichkeiten zu informieren, findet am 26. Februar um 13:00 Uhr ein kostenloses Online-Info-Event statt.
Energiegemeinschaften bieten verschiedene Modelle der Zusammenarbeit: Von einfachen Gemeinschaftsanlagen über komplexe Netzwerke bis hin zu integrierten Lösungen mit Speichersystemen. Die Teilnehmer profitieren nicht nur von reduzierten Energiekosten, sondern auch von einer größeren Unabhängigkeit von Energiepreisschwankungen am Markt.
Darüber hinaus schaffen Energiegemeinschaften lokale Wertschöpfung und stärken das Bewusstsein für nachhaltigen Energiekonsum. Sie fungieren als Katalysator für weitere Klimaschutzmaßnahmen in den Gemeinden und fördern den sozialen Zusammenhalt durch gemeinsame Projekte.
Als drittes zentrales Element entsteht derzeit die bundesweite "Plattform Räumliche Energieplanung" (PREP). Diese soll einheitliche und vergleichbare Daten für die räumliche Energieplanung bereitstellen und damit eine wesentliche Lücke im österreichischen Energiesystem schließen.
Die PREP wird neben praxisnahen Planungswerkzeugen auch umfassende Informationen zu Wärme- und Kühlbedarf, erneuerbaren Energien, netzbasierten Systemen sowie Netzwerkmöglichkeiten bereitstellen. Dies ist besonders wichtig, da bisher jedes Bundesland eigene Standards und Datenformate verwendete, was eine überregionale Planung erschwerte.
Ziel der PREP ist es, gemeinsame Grundlagen für die Wärmewende in allen Bundesländern zu schaffen, einheitliche Daten und Methoden abzustimmen und Energieatlanten als Planungswerkzeug weiterzuentwickeln. Zusätzlich soll der Austausch von Best-Practice-Beispielen zwischen den Regionen gefördert werden.
Die Initiative wird gemeinsam von den Bundesländern, dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus und dem Klima- und Energiefonds getragen. Das Wirtschaftsministerium stellt für die Entwicklung und den Betrieb der Plattform 2 Millionen Euro zur Verfügung.
Die Initiative erfährt breite politische Unterstützung. Umwelt- und Klimaminister Norbert Totschnig unterstreicht die Bedeutung der regionalen Ebene: "Was Österreich ausmacht, sind seine starken Regionen. Dort wird die Zukunft unseres Landes gestaltet." Deshalb unterstütze man gemeinsam mit dem Klima- und Energiefonds und den Bundesländern durch gezielte und effiziente Förderangebote, die direkt bei den Gemeinden, bei den regionalen Unternehmen und den Menschen vor Ort ankommen.
Bernd Vogl, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds, betont die Bedeutung der zielgerichteten Förderung: "Förderungen müssen dort ankommen und wirken, wo sie gebraucht werden." Durch die Kooperation mit den Bundesländern stelle man sicher, dass Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonen gezielt unterstützt werden.
Die vorgestellten Programme sind Teil einer umfassenderen Strategie zur Dekarbonisierung des österreichischen Energiesystems. Sie ergänzen bestehende nationale Förderprogramme und schaffen wichtige Synergien zwischen Bund, Ländern und Gemeinden.
Besonders bemerkenswert ist der partizipative Ansatz: Statt Top-down-Lösungen zu verordnen, setzt man auf die Eigeninitiative der Regionen und bietet dafür professionelle Unterstützung. Dies erhöht nicht nur die Akzeptanz der Energiewende, sondern auch deren Wirksamkeit, da lokale Gegebenheiten besser berücksichtigt werden können.
Das Zusammenspiel der drei Förderebenen – Beratung, Gemeinschaftsprojekte und Planungsgrundlagen – schafft ein kohärentes System, das verschiedene Akteure und Bedürfnisse abdeckt. Damit positioniert sich Österreich als Vorreiter einer dezentralen, bürgernahen Energiewende in Europa.
Die Umsetzung der Programme wird in den kommenden Jahren zeigen, ob der gewählte Ansatz der regionalen Kooperation tatsächlich die erhofften Erfolge bei der Energiewende bringt. Die bisherigen Zahlen, insbesondere bei den Energiegemeinschaften, stimmen jedenfalls optimistisch.