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Österreich führt in Europa: Erster Green Filming Report zeigt nachhaltigen Filmwandel

18. März 2026 um 07:31
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Ein Meilenstein für die europäische Filmlandschaft: Das Österreichische Filminstitut (ÖFI) hat auf der Diagonale – Festival des österreichischen Films den europaweit ersten Green Filming Report ein...

Ein Meilenstein für die europäische Filmlandschaft: Das Österreichische Filminstitut (ÖFI) hat auf der Diagonale – Festival des österreichischen Films den europaweit ersten Green Filming Report einer Filmförderstelle vorgestellt. Die umfassende Analyse von Förderdaten zwischen 2021 und 2025 belegt eindrucksvoll, dass nachhaltiges Produzieren in Österreich längst kein Nischenprojekt mehr ist, sondern sich als verbindlicher Branchenstandard etabliert hat. Am 18. März 2026 wird der barrierefrei zugängliche Report auf der Website des ÖFI veröffentlicht und könnte damit ein Vorbild für andere europäische Länder werden.

Paradigmenwechsel in der österreichischen Filmproduktion

Die österreichische Kinofilmproduktion befindet sich mitten in einem ökologischen Wandel. Bereits 82,4 Prozent der zwischen 2021 und 2025 vom ÖFI geförderten Kinofilmproduktionen – insgesamt 169 Filme – wurden nach verbindlichen Nachhaltigkeitskriterien und -regelungen umgesetzt. Diese beeindruckende Quote zeigt, dass Green Filming in Österreich nicht mehr nur eine Option, sondern die neue Norm ist.

Der Begriff "Green Filming" beschreibt die systematische Reduktion des ökologischen Fußabdrucks bei Filmproduktionen durch nachhaltiges Wirtschaften in allen Bereichen. Dazu gehören ressourcenschonende Transportlösungen, energieeffiziente Technik, nachhaltiges Catering mit regionalen Produkten, Müllvermeidung und -trennung sowie die Verwendung umweltfreundlicher Materialien bei Kostüm und Bühnenbild. Seit 2026 sind diese Standards sogar Voraussetzung für alle Förderungen des ÖFI, womit Österreich eine Vorreiterrolle in Europa einnimmt.

Überraschend geringe Mehrkosten für nachhaltiges Produzieren

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Reports dürfte Produzenten besonders interessieren: Die oft befürchteten hohen Mehrkosten für nachhaltiges Produzieren erweisen sich als Mythos. Bei Spielfilmproduktionen liegen die zusätzlichen Ausgaben durchschnittlich bei nur rund 0,5 Prozent der Gesamtherstellungskosten. Diese minimalen Mehrkosten entstehen überwiegend im Personalbereich, etwa durch die Beschäftigung von Green Consultants oder zusätzliche Arbeitsstunden für nachhaltige Logistik.

Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher österreichischer Spielfilm kostet zwischen 1,5 und 3 Millionen Euro. Die Mehrkosten für Green Filming würden demnach zwischen 7.500 und 15.000 Euro betragen – ein verschwindend geringer Betrag angesichts der erzielten Umweltvorteile. Diese Kostenstruktur macht nachhaltiges Produzieren auch für kleinere Produktionsfirmen attraktiv und räumt mit dem Vorurteil auf, dass ökologisches Bewusstsein automatisch höhere Budgets erfordert.

Wo entstehen die meisten Emissionen?

Der Report liefert erstmals konkrete Zahlen zu den größten Emissionstreibern in der österreichischen Filmproduktion. An der Spitze stehen Reise- und Transportaktivitäten, die oft unterschätzt werden. Hierzu zählen nicht nur die Anreise des Filmteams zu verschiedenen Drehorten, sondern auch der Transport von Equipment, Kostümen und Bühnenbildelementen. Gerade bei Außendrehs in entlegenen Gebieten oder internationalen Produktionen summieren sich diese Emissionen erheblich.

Den zweithöchsten Anteil verursacht der Energieverbrauch am Set. Professionelle Filmbeleuchtung, Kameratechnik, Tontechnik und mobile Stromgeneratoren benötigen enorme Mengen an Elektrizität. Hier setzen viele Produktionen mittlerweile auf LED-Beleuchtung und Ökostrom, um den CO2-Fußabdruck zu reduzieren.

Auf den weiteren Plätzen folgen Materialeinsatz und Catering. Beim Materialeinsatz geht es um Kostüme, Requisiten, Bühnenbilder und Verbrauchsmaterialien, die oft nach wenigen Drehtagen entsorgt werden. Beim Catering schlagen vor allem Fleischgerichte, importierte Lebensmittel und Einwegverpackungen zu Buche.

Österreich als europäisches Vorbild für Green Filming

Roland Teichmann, Direktor des Österreichischen Filminstitutes, unterstreicht die Pionierrolle seines Landes: "Grünes Produzieren ist seit 2019 ein Standard für uns, der selbstverständlich ist. Das macht uns nicht nur zu einem Vorreiter in Sachen ökologisch nachhaltiger Produktion, sondern auch zu einem Role Model für viele andere Länder in Europa."

Tatsächlich hinkt die internationale Filmbranche beim Thema Nachhaltigkeit noch hinterher. Während Deutschland erst 2023 mit der "Grünen Drehbuch"-Initiative begonnen hat, systematische Nachhaltigkeitsstandards zu entwickeln, und die Schweiz noch in der Pilotphase steckt, hat Österreich bereits seit fünf Jahren verbindliche Kriterien etabliert. Auch Hollywood, trotz seiner enormen Ressourcen, kämpft noch mit der flächendeckenden Umsetzung nachhaltiger Produktionsstandards.

In Frankreich gibt es zwar seit 2020 das Label "Ecoprod" für nachhaltige Filmproduktionen, jedoch ohne die systematische Erfassung und Auswertung, wie sie der österreichische Report bietet. Großbritannien hat mit dem "Albert"-System der BAFTA erste Schritte unternommen, erreicht aber längst nicht die Durchdringungsrate von über 80 Prozent wie in Österreich.

Digitales Monitoring-Tool revolutioniert Nachhaltigkeitsmessung

Herzstück des österreichischen Ansatzes ist ein innovatives digitales Monitoring-Tool, das erstmals eine transparente und systematische Erfassung nachhaltiger Maßnahmen ermöglicht. Dieses erweiterbares System erfasst in Echtzeit verschiedene Nachhaltigkeitskennzahlen: von CO2-Emissionen über Abfallmengen bis hin zu Energieverbrauch und Transportkilometern.

Das Tool funktioniert nach dem Prinzip eines digitalen Logbuchs, in das alle beteiligten Gewerke ihre umweltrelevanten Aktivitäten eintragen. Ein Kostümbildner kann beispielsweise dokumentieren, wie viele Kleidungsstücke wiederverwendet wurden, die Catering-Firma trägt die Menge an Bio-Lebensmitteln ein, und die Produktionsleitung erfasst alle Transportwege. Aus diesen Daten generiert das System automatisch Emissionsberichte und Nachhaltigkeitsbewertungen.

Diese belastbare Datengrundlage ermöglicht nicht nur die klimabewusste Weiterentwicklung der österreichischen Kinofilmproduktion, sondern schafft auch Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Produktionen. Filmemacher können so lernen, welche Maßnahmen besonders effektiv sind und wo noch Optimierungspotenzial besteht.

Konkrete Auswirkungen für Filmschaffende und Zuschauer

Für die österreichische Filmbranche bedeutet der Green Filming Standard eine grundlegende Veränderung der Arbeitsabläufe. Produktionsfirmen müssen bereits in der Vorplanung nachhaltige Aspekte berücksichtigen: Werden Drehorte so gewählt, dass lange Anfahrtswege vermieden werden? Können Sets nach Drehschluss an andere Produktionen weitergegeben werden? Lässt sich das Catering regional und saisonal gestalten?

Diese Planungsphase erfordert zusätzliche Expertise, weshalb sich in Österreich ein neues Berufsfeld etabliert hat: Green Consultants beraten Produktionen bei der nachhaltigen Umsetzung und überwachen die Einhaltung der Umweltstandards. Viele Film-Hochschulen haben bereits entsprechende Module in ihre Curricula aufgenommen.

Für österreichische Zuschauer bedeutet Green Filming zunächst wenig sichtbare, aber dennoch wichtige Veränderungen. Die Filme selbst werden nicht "grüner" im inhaltlichen Sinne, aber ihre Entstehung belastet die Umwelt deutlich weniger. Langfristig könnte diese Entwicklung jedoch auch die Themenwahl beeinflussen, da umweltbewusste Filmemacher verstärkt ökologische Fragestellungen in ihre Geschichten integrieren.

Herausforderungen und Kritikpunkte des Green Filming

Trotz der positiven Bilanz gibt es auch kritische Stimmen zur Green Filming Initiative. Kleinere Produktionsfirmen beklagen den zusätzlichen bürokratischen Aufwand, der mit der Dokumentation aller Nachhaltigkeitsmaßnahmen verbunden ist. Gerade bei Low-Budget-Produktionen kann die Einhaltung aller Standards eine Herausforderung darstellen.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft internationale Ko-Produktionen. Wenn österreichische Firmen mit ausländischen Partnern arbeiten, die keine entsprechenden Standards haben, entstehen Konflikte bei der Umsetzung. Hier hofft das ÖFI auf eine europaweite Harmonisierung der Nachhaltigkeitsrichtlinien.

Manche Filmemacher befürchten auch, dass zu strenge Umweltauflagen die kreative Freiheit einschränken könnten. Wenn bestimmte Drehorte aus ökologischen Gründen nicht mehr zugänglich sind oder aufwendige Szenarien aus Nachhaltigkeitsgründen vereinfacht werden müssen, könnte dies die künstlerische Vision beeinträchtigen.

Internationale Vorbildwirkung und Export-Potenzial

Der österreichische Green Filming Report stößt international auf großes Interesse. Filmförderstellen aus Deutschland, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden haben bereits Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert. Das österreichische Monitoring-Tool könnte als Blaupause für andere europäische Länder dienen und so zu einer kontinentweiten Harmonisierung der Nachhaltigkeitsstandards beitragen.

Besonders interessant ist das Export-Potenzial der österreichischen Expertise. Green Consulting für internationale Filmproduktionen könnte zu einem lukrativen Geschäftsfeld für österreichische Unternehmen werden. Wenn Hollywood-Studios oder asiatische Produktionsfirmen nachhaltige Standards implementieren wollen, könnten sie auf österreichisches Know-how zurückgreifen.

Zukunftsausblick: Wie geht es weiter?

Das österreichische Green Filming Programm steht vor einer weiteren Professionalisierung. Für die kommenden Jahre plant das ÖFI die Entwicklung noch präziserer Messverfahren für Treibhausgasemissionen sowie die Einführung eines Zertifizierungssystems für besonders nachhaltige Produktionen. Ein "Green Film Award" könnte zusätzliche Anreize für umweltbewusste Filmemacher schaffen.

Langfristig strebt Österreich eine klimaneutrale Filmproduktion bis 2035 an. Dieses ambitionierte Ziel erfordert weitere Innovationen in der Filmtechnik, etwa durch den verstärkten Einsatz von Solarpanels für die Stromversorgung am Set oder durch die Entwicklung biologisch abbaubarer Materialien für Kostüm und Bühnenbild.

Die Digitalisierung wird dabei eine Schlüsselrolle spielen. Virtual Sets und erweiterte Realität können physische Drehorte ersetzen und dadurch Transport- und Materialaufwand reduzieren. Auch die Post-Produktion wird immer energieeffizienter, da Cloud-Computing-Lösungen mit Ökostrom betrieben werden.

Bedeutung für die österreichische Wirtschaft

Green Filming entwickelt sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für Österreich. Die Filmbranche beschäftigt hierzulande rund 12.000 Menschen und erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von etwa 500 Millionen Euro. Nachhaltige Produktionsstandards stärken die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Produktionsfirmen bei internationalen Ko-Produktionen und machen das Land für ausländische Investoren attraktiver.

Besonders kleinere Produktionsdienstleister profitieren von der Green Filming Initiative. Equipment-Verleiher, die auf energieeffiziente Technik setzen, oder Catering-Unternehmen mit Bio-Zertifizierung haben Wettbewerbsvorteile. Auch der Tourismus könnte indirekt profitieren, da nachhaltig produzierte Filme das Image Österreichs als umweltbewusstes Land stärken.

Der barrierefreie und zweisprachige Report, der ab 18. März 2026 auf der Website des Österreichischen Filminstitutes unter der Rubrik "FOKUS Green Filming" verfügbar sein wird, markiert einen wichtigen Meilenstein für die europäische Filmlandschaft. Er belegt nicht nur den Erfolg der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie, sondern bietet auch praktische Lösungsansätze für andere Länder, die ihre Filmproduktionen ökologischer gestalten wollen. Mit diesem pionierartigen Ansatz positioniert sich Österreich als Vorreiter für eine klimabewusste Zukunft des europäischen Kinos.

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