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Österreich: Nur jeder Zweite kauft Eigenheim selbst - Erbe dominiert

8. April 2026 um 07:56
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Eine neue Studie von ImmoScout24 enthüllt erstaunliche Fakten über den österreichischen Immobilienmarkt: Mehr als die Hälfte aller Eigenheimbesitzer hat ihre Immobilie nicht selbst erworben, sonder...

Eine neue Studie von ImmoScout24 enthüllt erstaunliche Fakten über den österreichischen Immobilienmarkt: Mehr als die Hälfte aller Eigenheimbesitzer hat ihre Immobilie nicht selbst erworben, sondern geerbt, geschenkt bekommen oder mit erheblicher finanzieller Familienunterstützung gekauft. Diese Entwicklung wirft fundamentale Fragen zur Chancengleichheit am Wohnungsmarkt auf und zeigt, wie stark familiäres Vermögen den Zugang zu Wohneigentum bestimmt.

Erbe und Schenkung: Jede dritte Immobilie wechselt kostenlos den Besitzer

Die repräsentative Umfrage unter 1.000 Österreichern zwischen 18 und 69 Jahren offenbart eine bemerkenswerte Realität: 36 Prozent aller Eigentumsimmobilien gelangten durch Erbschaft (28 Prozent) oder Schenkung (8 Prozent) in den Besitz ihrer aktuellen Bewohner. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Traum vom Eigenheim für mehr als ein Drittel der Besitzer ohne eigene finanzielle Anstrengung Realität wurde.

Die Erbschaftsquote von 28 Prozent bei Immobilien liegt deutlich über dem europäischen Durchschnitt und spiegelt die traditionell hohe Bedeutung von Familienbesitz in Österreich wider. Schenkungen zu Lebzeiten, die acht Prozent ausmachen, werden oft aus steuerlichen Gründen gewählt, da die österreichische Schenkungssteuer bei Übertragungen zwischen nahen Angehörigen entfällt.

Regionale Unterschiede bei Immobilienerbschaften

Während die Studie keine regionalen Aufschlüsselungen liefert, zeigen Daten der Statistik Austria, dass Immobilienerbschaften besonders in ländlichen Gebieten Niederösterreichs, der Steiermark und Oberösterreichs häufig sind. Hier liegt die Eigentumsquote traditionell höher als in urbanen Zentren wie Wien, wo Mietwohnungen dominieren.

Familiäre Finanzspritze: Wenn Eltern beim Immobilienkauf helfen

Selbst jene 51 Prozent, die ihre Immobilie nominell "selbst gekauft" haben, waren häufig auf familiäre Unterstützung angewiesen. Beeindruckende 40 Prozent dieser Käufer erhielten finanzielle Hilfe von Verwandten. Das bedeutet: Nur etwa 30 Prozent aller Eigenheimbesitzer in Österreich haben ihre Immobilie tatsächlich vollständig aus eigener Kraft finanziert.

Die Finanzierungshilfen variieren erheblich in ihrer Höhe. Bei der Hälfte der unterstützten Käufe betrug die familiäre Beihilfe zwischen zehn und 30 Prozent der Gesamtkosten. Ein Viertel der Begünstigten erhielt sogar mehr als 30 Prozent der Kaufsumme von der Familie. Bei durchschnittlichen Immobilienpreisen von 350.000 Euro für ein Einfamilienhaus in Österreich entspricht eine 30-prozentige Unterstützung bereits 105.000 Euro.

Auswirkungen auf den Immobilienmarkt

Diese massive familiäre Unterstützung hat weitreichende Konsequenzen für den österreichischen Immobilienmarkt. Käufer mit Familienkapital können höhere Preise zahlen und haben bessere Chancen bei Immobilienbesichtigungen. Dies trägt zur kontinuierlichen Preissteigerung bei und erschwert es Personen ohne wohlhabende Verwandtschaft, am Eigentumsmarkt teilzunehmen.

Zukunftsperspektive: Jeder dritte Österreicher erwartet Immobilienerbe

Die Bedeutung von Immobilienerbschaften wird in den kommenden Jahrzehnten noch zunehmen. 35 Prozent aller befragten Österreicher rechnen mit einer künftigen Immobilienerbschaft. Dabei erwarten 22 Prozent eine komplette Immobilie zu erben, während 13 Prozent von einem Teilanteil ausgehen.

Besonders auffällig ist die Erwartungshaltung der jüngeren Generation: In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen geht sogar jeder Zweite von einer Immobilienerbschaft aus. Diese hohe Quote spiegelt einerseits die gestiegenen Immobilienpreise wider, die Eigenkapitalbildung ohne familiäre Hilfe nahezu unmöglich machen, andererseits aber auch das wachsende Bewusstsein junger Menschen für die Bedeutung von Erbschaften.

Demografischer Wandel als Treiber

Der demografische Wandel verstärkt diesen Trend zusätzlich. Die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre, die in den kommenden Jahrzehnten ihre Immobilien vererben werden, besitzen oft mehrere Objekte. Gleichzeitig haben sie weniger Kinder als frühere Generationen, was zu einer Konzentration des Immobilienvermögens führt.

Gesellschaftliche Einstellung: Eigenheim als Familienerbe fest verankert

Die österreichische Gesellschaft steht dem Konzept des Immobilienerbes sehr positiv gegenüber. Zwei Drittel aller Befragten halten es für wichtig, den Nachkommen Wohnraum zu hinterlassen. Diese Einstellung ist tief in der österreichischen Kultur verwurzelt und spiegelt die traditionelle Bedeutung von Grundbesitz und Sicherheit wider.

Unter den aktuellen Eigentumsbesitzern ist die Zustimmung noch höher: 72 Prozent befürworten es, Wohneigentum an die nächste Generation weiterzugeben. Diese hohe Akzeptanz erklärt auch, warum viele Familien erhebliche finanzielle Anstrengungen unternehmen, um Immobilien in Familienbesitz zu halten.

Kritische Stimmen zur Erbschaftskultur

Nur ein Viertel der Österreicher teilt diese Ansicht nicht und steht dem Immobilienerbe skeptisch gegenüber. Kritiker argumentieren, dass die starke Fokussierung auf Erbschaften die soziale Mobilität einschränkt und bestehende Ungleichheiten verstärkt. Sie fordern stattdessen Maßnahmen, die allen Bürgern unabhängig vom familiären Hintergrund Zugang zu Wohneigentum ermöglichen.

Internationale Vergleiche: Österreich im europäischen Kontext

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt Österreich bei der Bedeutung von Immobilienerbschaften im oberen Mittelfeld. Deutschland weist ähnliche Werte auf, während in skandinavischen Ländern wie Schweden oder Dänemark der Anteil selbstfinanzierter Immobilien höher ist. Dies liegt teilweise an unterschiedlichen Steuersystemen und Finanzierungsmodellen.

Die Schweiz, traditionell ein Vergleichsland für Österreich, zeigt interessante Parallelen: Auch dort spielen Erbschaften und familiäre Unterstützung eine zentrale Rolle beim Immobilienerwerb. Allerdings sind die Immobilienpreise in der Schweiz noch höher als in Österreich, was die Abhängigkeit von Familienkapital weiter verstärkt.

Unterschiede zu angelsächsischen Ländern

In Ländern wie den USA oder Großbritannien ist die Finanzierungskultur anders geprägt. Dort sind höhere Verschuldungsgrade üblich, und staatliche Programme unterstützen Erstkäufer stärker. Allerdings führen diese Systeme auch zu anderen Problemen, wie der Subprime-Krise gezeigt hat.

Auswirkungen auf soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit

Die Dominanz von Erbschaften und familiärer Unterstützung beim Immobilienerwerb hat weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen. Familien ohne Immobilienbesitz oder ausreichendes Eigenkapital finden sich in einer benachteiligten Position wieder. Ihre Kinder haben deutlich geringere Chancen, jemals Wohneigentum zu erwerben, was zu einer Verfestigung sozialer Schichten führt.

Besonders problematisch ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund steigender Immobilienpreise. In Wien sind die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 80 Prozent gestiegen. Ohne familiäre Unterstützung ist es für Normalverdiener nahezu unmöglich geworden, in der Bundeshauptstadt Wohneigentum zu erwerben.

Langfristige gesellschaftliche Folgen

Experten warnen vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Immobilienbesitzer und Dauermietende. Diese Entwicklung könnte langfristig zu sozialen Spannungen führen und das österreichische Ideal der sozialen Durchlässigkeit gefährden. Bereits heute zeigen sich erste Anzeichen: Junge Erwachsene ziehen später aus dem Elternhaus aus und gründen später Familien, auch weil sie keinen leistbaren Wohnraum finden.

Politische Reaktionen und mögliche Lösungsansätze

Die Politik hat die Problematik erkannt und verschiedene Maßnahmen diskutiert. Dazu gehören erweiterte Förderungen für Jungfamilien, die Wiedereinführung der Wohnbauförderung für Eigenheime in einigen Bundesländern und steuerliche Anreize für Erstkäufer. Allerdings stehen diese Maßnahmen oft im Spannungsfeld zwischen sozialer Gerechtigkeit und fiskalischen Zwängen.

Einige Experten schlagen radikalere Ansätze vor, wie eine moderate Erbschaftssteuer auf sehr wertvolle Immobilien oder die Ausweitung des sozialen Wohnbaus auch für mittlere Einkommensschichten. Diese Vorschläge stoßen jedoch auf erheblichen politischen Widerstand.

Zukunftsprognose: Verschärfung der Trends erwartet

Alle Indikatoren deuten darauf hin, dass sich die beschriebenen Trends in den kommenden Jahren verstärken werden. Die hohen Erwartungen der jungen Generation bezüglich Immobilienerbschaften zeigen, dass alternative Wege zum Eigentum kaum noch als realistisch betrachtet werden.

Gleichzeitig führt die demografische Entwicklung zu einer weiteren Konzentration des Immobilienvermögens. Experten prognostizieren, dass bis 2040 etwa 40 Prozent aller Immobilienübertragungen durch Erbschaften erfolgen werden. Dies könnte zu einer noch stärkeren Abhängigkeit vom familiären Hintergrund führen und die Chancengleichheit weiter reduzieren.

Die ImmoScout24-Studie macht deutlich, dass der österreichische Traum vom selbst erarbeiteten Eigenheim für die Mehrheit bereits heute nicht mehr der Realität entspricht. Stattdessen dominieren Erbschaften, Schenkungen und familiäre Unterstützung den Zugang zu Wohneigentum. Diese Entwicklung stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen und erfordert neue Ansätze in der Wohnpolitik, um Chancengleichheit und sozialen Zusammenhalt zu bewahren.

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