Stündliche Verbindungen Wien-Bratislava ab 2026 geplant
Minister Hanke und Ráž unterzeichnen Absichtserklärung für bessere grenzüberschreitende Schienenverbindungen und Hochgeschwindigkeitsverkehr.
Die Bahnverbindungen zwischen Österreich und der Slowakei sollen deutlich ausgebaut werden. Verkehrsminister Peter Hanke und sein slowakischer Amtskollege Jozef Ráž haben am Dienstag in Wien eine weitreichende Absichtserklärung unterzeichnet, die den grenzüberschreitenden Schienenverkehr revolutionieren könnte.
Das Herzstück der neuen Kooperation ist die Einführung eines Stundentakts zwischen Wien und Bratislava ab 2026. "Die Bahn ist das Rückgrat einer nachhaltigen und leistungsfähigen Mobilität in Europa", betonte Minister Hanke bei der Unterzeichnung. "Mit der heutigen Absichtserklärung setzen wir einen weiteren wichtigen Schritt für schnellere, dichtere und zuverlässigere Verbindungen zwischen Österreich und der Slowakei."
Die Grundlage für diese Verbesserung bildet die bis 2025 abgeschlossene Elektrifizierung und Modernisierung der Strecke Wien-Bratislava über Marchegg. Diese Maßnahme wird von beiden Ländern als wichtiger Meilenstein gewertet und ermöglicht nun den nächsten Ausbauschritt.
Auf slowakischer Seite werden intensive Planungen für den zweigleisigen Ausbau vorangetrieben. Besonders wichtig ist die Ausrüstung des Abschnitts zwischen der Staatsgrenze und Devínska Nová Ves mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS. Dieses System soll die Effizienz und Sicherheit im grenzüberschreitenden Verkehr erheblich steigern.
Beide Staaten haben vereinbart, den engen Informationsaustausch über den jeweiligen Planungsstand fortzusetzen. Diese koordinierte Herangehensweise soll sicherstellen, dass die Modernisierungsarbeiten optimal aufeinander abgestimmt werden.
Ein besonders interessanter Aspekt der Kooperation betrifft die verbesserte Anbindung des Flughafens Wien an das slowakische Bahnnetz. Österreich plant den Bau einer neuen Bahnstrecke vom Flughafen Wien nach Bruck an der Leitha, den sogenannten "Airport Link".
Zusätzlich ist ein zweigleisiger Ausbau zwischen Parndorf und der Staatsgrenze bei Kittsee vorgesehen. Die slowakische Seite erwägt langfristig einen entsprechenden zweigleisigen Ausbau zwischen Bratislava Petržalka und der Staatsgrenze bei Kittsee.
Diese Maßnahmen würden künftig direkte Bahnverbindungen vom Flughafen Wien nach Bratislava Petržalka und darüber hinaus ermöglichen. Damit würden sowohl der Wirtschaftsstandort als auch der internationale Tourismus gestärkt.
Die Absichtserklärung blickt auch weit in die Zukunft und setzt ein klares Signal für die Einbindung der Region in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz. Beide Länder bekennen sich zur aktiven Unterstützung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs im Rahmen der europäischen Zielsetzungen.
In Österreich ist geplant, die Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke Wien-Marchegg künftig auf bis zu 200 km/h anzuheben. Die Slowakei verfolgt langfristige Planungen für eine mögliche Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Bratislava und Kúty in Richtung Tschechien.
Diese Entwicklungen könnten langfristig neue betriebliche Möglichkeiten für internationale Fernverkehrszüge eröffnen - etwa für Verbindungen zwischen Wien und der Tschechischen Republik über einen künftig geplanten neuen Bahnhof Bratislava West.
Ein weiterer wichtiger Punkt der Kooperation betrifft die Modernisierung der Nordbahn zwischen Wien und der Staatsgrenze bei Břeclav. Um die Auswirkungen der unvermeidlichen Streckensperren während der Bauarbeiten auf den Personen- und Güterverkehr möglichst gering zu halten, wollen beide Länder ihre Bauzeitpläne frühzeitig abstimmen.
Die slowakische Seite hat bereits ihre Bereitschaft signalisiert, im Bedarfsfall Umleitungsverkehre über ihr Bahnnetz zu ermöglichen. Diese pragmatische Herangehensweise zeigt die Qualität der bilateralen Zusammenarbeit.
Die geplanten Verbesserungen bringen konkrete Vorteile für verschiedene Nutzergruppen. Pendlerinnen und Pendler zwischen Wien und Bratislava profitieren von häufigeren und verlässlicheren Verbindungen. Studierende erhalten bessere Möglichkeiten für grenzüberschreitende Bildungsaktivitäten.
Auch die Wirtschaft beider Länder wird von den verbesserten Bahnverbindungen profitieren. Geschäftsreisen werden einfacher und umweltfreundlicher, der Transport von Gütern effizienter.
Die österreichisch-slowakische Kooperation fügt sich in die größeren europäischen Bemühungen um nachhaltige Mobilität ein. Die EU fördert den Ausbau grenzüberschreitender Bahnverbindungen als wichtigen Baustein des European Green Deal.
Minister Hanke betonte: "Unser Ziel ist ein moderner, grenzüberschreitender Schienenverkehr, der den Menschen konkrete Vorteile bringt und zugleich den Wirtschaftsstandort stärkt. Die enge Partnerschaft mit der Slowakei ist dabei ein zentraler Erfolgsfaktor."
Die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen wird schrittweise erfolgen. Bereits 2025 soll die Elektrifizierung und Modernisierung der Strecke Wien-Bratislava über Marchegg abgeschlossen sein. Ab 2026 ist dann die Einführung des Stundentakts geplant.
Die langfristigeren Projekte wie der Airport Link und die Hochgeschwindigkeitsverbindungen erfordern noch weitere Planungsarbeit und werden voraussichtlich in den kommenden Jahren konkretisiert.
Die unterzeichnete Absichtserklärung schafft den rechtlichen Rahmen für eine intensivierte Zusammenarbeit und regelmäßigen Austausch zwischen den Verkehrsministerien beider Länder. Dies soll sicherstellen, dass die ehrgeizigen Pläne auch tatsächlich realisiert werden.