RTR-Daten zeigen deutlichen Rückgang bei traditioneller Telefonie - Messenger erobern den Markt
Festnetztelefonie verliert weiter an Bedeutung: 6% weniger Anschlüsse, 9,7% weniger Gesprächsminuten. Auch Handytelefonie rückläufig.
Die Art, wie Österreicherinnen und Österreicher kommunizieren, verändert sich rasant. Das zeigen die neuesten Marktdaten der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) für das dritte Quartal 2025 eindeutig: Das klassische Festnetztelefon verliert kontinuierlich an Bedeutung, und auch die Handytelefonie ist rückläufig. Der Grund dafür liegt auf der Hand – Messengerdienste wie WhatsApp, Telegram oder Signal erobern zunehmend den Kommunikationsmarkt.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im dritten Quartal 2025 wurden in Österreich nur noch 1,89 Millionen Festnetz-Anschlüsse gezählt. Das entspricht einem Rückgang von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Noch dramatischer entwickelt sich die tatsächliche Nutzung der Festnetztelefonie: Mit 277 Millionen Gesprächsminuten wurde um 9,7 Prozent weniger über das Festnetz telefoniert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
"Wir beobachten schon seit mehreren Jahren einen kontinuierlichen Rückgang bei der Festnetztelefonie", erklärt Dr. Klaus M. Steinmaurer, Geschäftsführer der RTR für den Fachbereich Telekommunikation und Post. "Dieser Trend beschleunigt sich sogar noch, da immer mehr Menschen auf alternative Kommunikationswege umsteigen."
Interessant ist dabei die Entwicklung bei den Breitbandanschlüssen über Festnetz: Diese stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht um 0,4 Prozent auf 2,76 Millionen an. Das zeigt, dass die Festnetzinfrastruktur nach wie vor für die Internetversorgung genutzt wird, während die Telefonfunktion immer unwichtiger wird.
Selbst die Mobilfunktelefonie, die lange Zeit als Wachstumsbereich galt, zeigt nun rückläufige Tendenzen. Im dritten Quartal 2025 wurden in Österreich 5.386 Millionen Minuten mit dem Handy telefoniert – das sind 1,4 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Auch wenn der Rückgang bei der Mobiltelefonie weniger dramatisch ausfällt als beim Festnetz, ist der Trend eindeutig.
"Die Zahlen mögen auf den ersten Blick überraschen, aber sie spiegeln unsere veränderten Kommunikationsgewohnheiten wider", so Steinmaurer. "Wir alle kommunizieren heute sicher mehr denn je – aber eben nicht mehr über die klassischen Telefondienste."
Der Hauptgrund für diese Entwicklung liegt in der zunehmenden Verbreitung und Nutzung von Messengerdiensten. Diese bieten nicht nur Textnachrichten, sondern auch Sprach- und Videoanrufe über das Internet an. Die Vorteile liegen auf der Hand:
"Messengerdienste setzen der Festnetz- und Mobilfunktelefonie seit geraumer Zeit ganz schön das Messer an", bringt es RTR-Geschäftsführer Steinmaurer auf den Punkt. Diese Entwicklung ist nicht nur in Österreich zu beobachten, sondern stellt einen globalen Trend dar.
Die veränderten Nutzungsgewohnheiten haben weitreichende Folgen für die österreichische Telekommunikationsbranche. Während die Umsätze aus der klassischen Telefonie sinken, müssen Anbieter ihre Geschäftsmodelle anpassen und verstärkt auf Datenservices setzen. Gleichzeitig steigt der Druck, die Netzinfrastruktur für höhere Datenvolumen auszubauen.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet diese Entwicklung sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Einerseits profitieren sie von kostengünstiger oder sogar kostenloser Kommunikation über Internetdienste. Andererseits entstehen neue Abhängigkeiten von Internetverbindungen und internationalen Technologiekonzernen.
Besonders deutlich zeigen sich die Veränderungen bei den verschiedenen Altersgruppen. Während jüngere Nutzer bereits vollständig auf Messengerdienste umgestiegen sind, halten ältere Generationen teilweise noch am Festnetztelefon fest. Diese demografische Verschiebung wird den Trend zur Abkehr von der klassischen Telefonie in den kommenden Jahren noch verstärken.
Unternehmen reagieren bereits auf diese Entwicklung und bieten vermehrt Kommunikationslösungen an, die verschiedene Kanäle integrieren. Die klassische Bürotelefonie wird zunehmend durch unified Communications-Lösungen ersetzt, die E-Mail, Chat, Video und Telefonie in einer Plattform vereinen.
Der Rückgang der traditionellen Telefonie ist eng mit der Verbreitung von Smartphones und der Verbesserung der Internetinfrastruktur verbunden. Die flächendeckende Verfügbarkeit von schnellem Internet über Mobilfunk und Festnetz ermöglicht erst die qualitativ hochwertige Sprachübertragung über IP-Protokolle.
Gleichzeitig haben sich die Erwartungen der Nutzer verändert. Moderne Kommunikation soll multimedial, flexibel und kostengünstig sein. Messengerdienste erfüllen diese Anforderungen besser als die klassische Telefonie, die auf veraltete Technologien setzt.
Experten gehen davon aus, dass sich der Trend zur Abkehr von der klassischen Telefonie in den kommenden Jahren fortsetzten wird. Besonders das Festnetztelefon dürfte weiter an Bedeutung verlieren, während die Mobiltelefonie möglicherweise eine Stabilisierung auf niedrigerem Niveau erreichen könnte.
Die RTR wird diese Entwicklung weiterhin genau beobachten und regelmäßig über die Marktentwicklung informieren. Der Telekom Monitor wird quartalsweise veröffentlicht und bietet detaillierte Einblicke in die österreichische Telekommunikationslandschaft.
Die Daten des RTR Telekom Monitors basieren auf umfangreichen Erhebungen bei den österreichischen Telekommunikationsanbietern. Sie umfassen neben der Telefonie auch Bereiche wie Mobilfunk, Breitband, Festnetz, Mietleitungen und Glasfaser. Die Informationen werden quartalsweise erhoben und sowohl als interaktive Grafiken als auch als PDF-Dokument zur Verfügung gestellt.
Besonders benutzerfreundlich ist die Aufbereitung der Daten im Open Data Bereich der RTR-Website, wo interessierte Nutzer die Rohdaten für eigene Analysen herunterladen können. Dies unterstreicht das Engagement der RTR für Transparenz und offene Datenbereitstellung.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen einen fundamentalen Wandel in der Art, wie Menschen kommunizieren. Während die klassische Telefonie an Bedeutung verliert, erobern internetbasierte Dienste den Markt. Für Konsumenten bedeutet dies mehr Wahlfreiheit und oft auch Kosteneinsparungen – für die traditionelle Telekommunikationsbranche hingegen die Notwendigkeit einer grundlegenden Neuausrichtung.