Ein ehemaliges Substandard-Wohngebäude in der südkoreanischen Millionenstadt Daegu ist zum Symbol für nachhaltigen Stadtumbau geworden. Das von den Architekten Mladen Jadrić und Yoon GeunJu transfo...
Ein ehemaliges Substandard-Wohngebäude in der südkoreanischen Millionenstadt Daegu ist zum Symbol für nachhaltigen Stadtumbau geworden. Das von den Architekten Mladen Jadrić und Yoon GeunJu transformierte Gebäude erhielt am 15. Dezember 2024 den renommierten Austrian Green Planet Building® (AGPB) Award – eine bedeutende Auszeichnung, die österreichische Planungsexzellenz im internationalen Kontext würdigt. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie durchdachte Sanierung sowohl ökologische als auch soziale Stadterneuerung vorantreiben kann.
Das "Daegu Anchor Facility" im Distrikt Suseong-gu durchlief eine bemerkenswerte Metamorphose. Was einst ein heruntergekommenes Wohngebäude war, fungiert heute als offenes Kulturzentrum und Begegnungsort für Künstler und Bürger. Die Architekten verfolgten dabei ein ambitioniertes Ziel: einen "Anker" für den gesamten Stadtteil zu schaffen, der sowohl strukturelle als auch soziale Verbesserungen bewirkt.
Das Erdgeschoss wurde vollständig geöffnet und der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Verschiedene öffentliche Funktionen wie eine Bibliothek, E-Ladestationen für Elektrofahrzeuge, ein Open-Air-Kino und eine Teestube können nun frei genutzt werden. Diese Öffnung des Gebäudes zur Stadt hin verkörpert ein neues Verständnis von öffentlichem Raum, bei dem private Immobilien zu gemeinschaftlichen Ressourcen werden.
Die technische Umsetzung der Sanierung zeigt innovative Lösungsansätze für klimatische Herausforderungen. Die Architekten entwickelten eine hinterlüftete Doppelfassade, die perfekt auf die klimatischen Bedingungen Südkoreas abgestimmt ist. Eine zusätzliche Außenhaut aus Aluminium-Streckmetallpaneelen wurde über die bestehenden Fenster montiert, wobei Licht und Luftzirkulation weiterhin gewährleistet bleiben.
Diese Doppelfassade erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie dient als effektiver Sonnenschutz, reduziert direkte solare Wärmegewinne und ermöglicht durch die ventilierte Luftschicht eine optimale Wärmeabfuhr während der heißen koreanischen Sommer. Das System ist dabei bewusst wartungsfreundlich konzipiert – die Aluminium-Streckmetallpaneele lassen sich einfach montieren und bei Bedarf austauschen.
Die Erneuerung der Außenhülle ermöglichte eine umfassende Verbesserung der Dämmwerte. Dies ist besonders in Südkorea von Bedeutung, wo extreme Temperaturschwankungen zwischen heißen Sommern und kalten Wintern hohe Anforderungen an die Gebäudehülle stellen. Die neue Fassade reduziert den Energiebedarf für Heizung und Kühlung erheblich und trägt damit zur Nachhaltigkeit des gesamten Projekts bei.
Der Austrian Green Planet Building® (AGPB) Award ist weit mehr als eine gewöhnliche Architekturauszeichnung. Er überträgt die Zielsetzungen und Kriterien der nationalen österreichischen Klimaschutzinitiative klimaaktiv in den internationalen Kontext und würdigt herausragende Leistungen österreichischer Unternehmen im nachhaltigen Bauen weltweit.
Die Initiative wurde vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus sowie ADVANTAGE AUSTRIA ins Leben gerufen. Ziel ist es, die internationale Sichtbarkeit österreichischer Planungsbüros, Consultants, Bauunternehmen und Produktionsbetriebe im Bereich des nachhaltigen Bauens zu stärken.
Im Zentrum der AGPB-Bewertung stehen Energieeffizienz und die Versorgung mit erneuerbaren Energien. Diese Kriterien orientieren sich an den strengen österreichischen klimaaktiv-Standards, die international als besonders anspruchsvoll gelten. Das Daegu-Projekt überzeugte die Jury durch seine ganzheitliche Herangehensweise, die technische Innovation mit sozialer Verantwortung verbindet.
Die Auszeichnung würdigt nicht nur die technischen Aspekte der Sanierung, sondern auch den innovativen Ansatz der sozialen Stadterneuerung. Das Projekt zeigt, wie nachhaltige Architektur über reine Energieeffizienz hinausgehen und gesellschaftliche Transformation bewirken kann.
Das Daegu Anchor Facility steht exemplarisch für einen neuen Ansatz in der Stadtentwicklung, der in Österreich bereits seit Jahren praktiziert wird. Anstatt problematische Gebäude abzureißen, wird durch achtsame Sanierung neues Leben eingehaucht. Dieser Ansatz ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch sozial nachhaltig, da bestehende Nachbarschaftsstrukturen erhalten und gestärkt werden.
In österreichischen Städten wie Wien, Graz oder Linz gibt es bereits zahlreiche Beispiele für gelungene Stadterneuerungsprojekte, die soziale und ökologische Aspekte miteinander verbinden. Das Wiener Modell der sanften Stadterneuerung gilt international als Vorbild und zeigt, wie öffentliche Hand und private Investoren zusammenarbeiten können.
Die Entscheidung, das sanierte Gebäude als Kulturzentrum zu nutzen, folgt einer bewährten Strategie der Stadtentwicklung. Kulturelle Einrichtungen wirken oft als Katalysatoren für die Entwicklung ganzer Stadtteile. Sie ziehen kreative Menschen an, beleben das Straßenbild und schaffen Identität für die Nachbarschaft.
In Österreich sind erfolgreiche Beispiele wie das Museumsquartier in Wien oder das Kulturzentrum Treibhaus in Innsbruck entstanden, die zeigen, wie Kultur zur Stadtentwicklung beiträgt. Das koreanische Projekt adaptiert diese Erkenntnisse für einen völlig anderen kulturellen Kontext.
Der AGPB-Award für das Daegu-Projekt unterstreicht die internationale Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Architektur- und Planungsbüros. In einem zunehmend globalisierten Markt für Planungsdienstleistungen ist es für österreichische Unternehmen essentiell, ihre Kompetenz in nachhaltigen Bauprojekten international unter Beweis zu stellen.
Österreichische Architekten und Ingenieure genießen weltweit einen ausgezeichneten Ruf für innovative und nachhaltige Lösungen. Dies spiegelt sich in der starken Präsenz österreichischer Firmen bei internationalen Projekten wider. Der AGPB Award trägt dazu bei, diese Erfolge sichtbar zu machen und weitere Geschäftsmöglichkeiten zu eröffnen.
Neben der Planungsleistung profitiert auch die österreichische Bauwirtschaft von international erfolgreichen Projekten. Innovative Fassadensysteme, hochwertige Dämmstoffe und energieeffiziente Gebäudetechnik "Made in Austria" finden durch solche Referenzprojekte Eingang in neue Märkte.
Der asiatische Markt, insbesondere Südkorea, gilt als besonders interessant für österreichische Umwelttechnik-Unternehmen. Das Land verfolgt ambitionierte Klimaziele und investiert massiv in nachhaltige Bauweisen. Erfolgreiche Projekte wie das Daegu Anchor Facility können als Türöffner für weitere Kooperationen dienen.
Das ausgezeichnete Projekt in Daegu zeigt, dass nachhaltiges Bauen keine regionalen Grenzen kennt. Die in Österreich entwickelten Prinzipien und Standards lassen sich erfolgreich in andere klimatische und kulturelle Kontexte übertragen. Dies ist besonders wichtig angesichts der globalen Herausforderungen des Klimawandels und der Urbanisierung.
Weltweit wachsen Städte rasant, und der Bedarf an nachhaltigen Lösungen für den Gebäudebestand steigt kontinuierlich. Projekte wie das Daegu Anchor Facility demonstrieren, dass Sanierung eine effektive Alternative zum Neubau darstellen kann – sowohl ökologisch als auch ökonomisch.
Der Erfolg des koreanischen Projekts könnte den Grundstein für weitere internationale Kooperationen legen. Österreichische Expertise in den Bereichen klimaaktiv-Standards, soziale Stadterneuerung und innovative Bautechnik ist weltweit gefragt. Besonders in Asien, wo rapide Urbanisierung auf ambitionierte Klimaziele trifft, ergeben sich vielversprechende Marktchancen.
Die AGPB-Initiative plant bereits die Ausweitung auf weitere Länder und Projekte. Ziel ist es, ein internationales Netzwerk nachhaltiger Bauprojekte mit österreichischer Beteiligung aufzubauen. Dies würde nicht nur den Export fördern, sondern auch den Wissenstransfer in beide Richtungen ermöglichen.
Das Daegu Anchor Facility steht exemplarisch für eine neue Generation internationaler Bauprojekte, die technische Exzellenz mit sozialer Verantwortung verbinden. Es zeigt, dass österreichische Planungsqualität auch in völlig anderen kulturellen Kontexten überzeugen kann und dabei zur Lösung globaler Herausforderungen beiträgt.