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Österreichs SALESIANER setzt europäischen Recycling-Standard

13. März 2026 um 09:11
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Ein wegweisendes Recyclingprojekt für ausgediente Textilien nimmt in Europa Fahrt auf – und mittendrin steht ein österreichisches Traditionsunternehmen. Die SALESIANER Gruppe aus Wien beteiligt sic...

Ein wegweisendes Recyclingprojekt für ausgediente Textilien nimmt in Europa Fahrt auf – und mittendrin steht ein österreichisches Traditionsunternehmen. Die SALESIANER Gruppe aus Wien beteiligt sich an einer branchenweiten Initiative, die zeigt, wie moderne Kreislaufwirtschaft funktionieren kann. Gemeinsam mit fünf anderen europäischen Marktführern sammelt das über 100 Jahre alte Familienunternehmen gebrauchte Miettextilien und führt sie einer hochwertigen Wiederverwertung zu. Was in Polen als Isoliermatte ein zweites Leben beginnt, könnte zum Vorbild für ganz Europa werden.

Europäische Kooperation unter österreichischer Beteiligung

Das Projekt läuft unter dem Dach der ETSA (European Textile Services Association), dem europäischen Dachverband für Textildienstleister. Neben der SALESIANER Gruppe sind die Unternehmen Alsco, Bardusch, CWS, MEWA und Lindström beteiligt – allesamt Schwergewichte der europäischen Miettextilbranche. Die Kooperation zeigt, dass auch traditionelle Konkurrenten beim Thema Nachhaltigkeit an einem Strang ziehen können.

Die Kreislaufwirtschaft – ein Begriff, der die vollständige Wiederverwertung von Materialien ohne Abfall beschreibt – steht im Mittelpunkt dieser Initiative. Anders als in der traditionellen Linearwirtschaft, wo Rohstoffe zu Produkten verarbeitet und nach Gebrauch entsorgt werden, bleiben in der Kreislaufwirtschaft alle Materialien permanent im Nutzungskreislauf. Das Recyclingprojekt der ETSA-Mitglieder demonstriert dieses Prinzip beispielhaft: Ausgediente Arbeitskleidung, Handtücher und andere Miettextilien werden nicht verbrannt oder deponiert, sondern zu funktionsfähigen Isoliermatten umgewandelt.

Polen als Recycling-Hub für Textilien

Die gesammelten Textilien finden ihren Weg nach Polen, wo sie in modernen Anlagen zu Isoliermatten weiterverarbeitet werden. Diese Standortwahl ist strategisch durchdacht: Polen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Recycling-Zentrum in Mitteleuropa entwickelt. Günstige Produktionskosten, verfügbare Arbeitskräfte und eine wachsende Expertise im Bereich der Textilverwertung machen das Land zu einem idealen Partner für solche Projekte.

Die entstehenden Isoliermatten sind nicht nur ein Nebenprodukt, sondern hochwertige Materialien für die Bauindustrie. Sie bieten hervorragende Dämmeigenschaften und sind dabei deutlich umweltfreundlicher als herkömmliche Isoliermaterialien aus Mineralwolle oder Polystyrol. Ein Quadratmeter dieser recycelten Isoliermatte kann etwa die gleiche Dämmwirkung erzielen wie konventionelle Materialien, verbraucht dabei aber nur einen Bruchteil der Primärenergie in der Herstellung.

Österreichs Vorreiterrolle in der Miettextilbranche

Mag. Thomas Krautschneider, geschäftsführender Gesellschafter der SALESIANER Gruppe, sieht in dem Projekt einen logischen Schritt: "Miettextilien sind für viele Wasch-, Reparatur- und Einsatzzyklen ausgelegt und werden professionell gepflegt. Damit leisten Miet- und Servicemodelle seit Jahrzehnten einen Beitrag zur Ressourceneffizienz." Diese Aussage trifft den Kern des Geschäftsmodells: Während private Verbraucher Kleidungsstücke oft nach wenigen Nutzungen entsorgen, durchlaufen Miettextilien hunderte von Wasch- und Nutzungszyklen.

Die SALESIANER Gruppe, mit Hauptsitz in Wien, beschäftigt europaweit über 4.000 Mitarbeiter und betreibt Niederlassungen in elf Ländern. Das Unternehmen ist Marktführer nicht nur in Österreich, sondern in der gesamten Region Zentral-, Süd- und Osteuropa. Diese Marktposition verleiht der österreichischen Beteiligung an dem ETSA-Projekt besonderes Gewicht.

Lebensdauer von Miettextilien im Detail

Ein typisches Miettextil – etwa ein Arbeitshemd oder eine Kochschürze – durchläuft während seiner Nutzungsdauer zwischen 50 und 150 professionelle Waschzyklen. Dabei wird es regelmäßig repariert, geflickt und instandgesetzt. Diese intensive Pflege sorgt dafür, dass ein Miettextil durchschnittlich fünf bis zehn Mal länger genutzt wird als vergleichbare Privatkleidung. Erst wenn Reparaturen nicht mehr wirtschaftlich sind oder hygienische Standards nicht mehr erfüllt werden können, erreicht das Textil sein "End of Life".

Genau hier setzt das neue Recyclingprojekt an. Dr. Mathias Nell, Head of Sustainability der SALESIANER Gruppe, erklärt: "Gut organisierte Stoffströme sind eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert." Diese Organisation beginnt bereits bei der Sammlung: Ausgediente Textilien werden nach Materialzusammensetzung sortiert, gereinigt und für die Weiterverarbeitung vorbereitet.

Europäische Gesetzgebung als Treiber

Das Timing des Projekts ist kein Zufall. Die Europäische Union verschärft kontinuierlich ihre Umwelt- und Abfallgesetze. Die Ökodesign-Anforderungen (ESPR) – eine Verordnung, die Mindeststandards für die Umwelteigenschaften von Produkten festlegt – und die Abfallrahmenrichtlinie (WFD) – das zentrale EU-Gesetz zur Abfallvermeidung und -verwertung – setzen Unternehmen zunehmend unter Druck, nachhaltige Lösungen zu finden.

Die Ökodesign-Anforderungen verlangen von Herstellern, dass sie bereits bei der Produktentwicklung das Lebensende mitdenken. Produkte müssen reparierbar, recycelbar und langlebig sein. Die Abfallrahmenrichtlinie wiederum etabliert eine fünfstufige Abfallhierarchie: Vermeidung steht an oberster Stelle, gefolgt von Wiederverwendung, Recycling, sonstiger Verwertung und erst als letzter Option der Beseitigung.

Auswirkungen auf österreichische Unternehmen

Für österreichische Unternehmen bedeuten diese EU-Regelungen sowohl Herausforderung als auch Chance. Betriebe müssen ihre Prozesse überdenken und in neue Technologien investieren. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsfelder und Märkte. Die SALESIANER Gruppe nutzt diese Entwicklung proaktiv: Durch die Beteiligung am ETSA-Projekt positioniert sich das Unternehmen als Vorreiter und kann wertvolle Erfahrungen sammeln, die später auch anderen österreichischen Firmen zugutekommen könnten.

Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft bilden, sind solche Kooperationsprojekte wertvoll. Sie ermöglichen den Zugang zu Recyclingtechnologien und -märkten, die einzeln schwer erschließbar wären. Das ETSA-Projekt zeigt, wie durch gebündelte Mengen und abgestimmte Prozesse auch kleinere Akteure von fortschrittlichen Recyclinglösungen profitieren können.

Vergleich mit anderen Recycling-Initiativen

Das ETSA-Recyclingprojekt steht nicht allein da. In Deutschland arbeitet beispielsweise die Circular Valley Initiative an ähnlichen Lösungen, während die Schweiz mit ihrer "Green Deal"-Strategie ebenfalls auf Kreislaufwirtschaft setzt. Österreich positioniert sich mit der Beteiligung der SALESIANER Gruppe in dieser europäischen Spitzengruppe.

Ein Blick nach Deutschland zeigt: Dort werden jährlich etwa 1,3 Millionen Tonnen Alttextilien gesammelt, aber nur etwa 10 Prozent davon werden zu neuen Textilien recycelt. Der Rest wird zu minderwertigen Produkten wie Putzlappen verarbeitet oder energetisch verwertet – also verbrannt. Das ETSA-Projekt geht einen anderen Weg: Die Isoliermatten stellen eine hochwertige Verwertung dar, die den ursprünglichen Materialwert erhält.

Schweizer Ansätze im Vergleich

Die Schweiz verfolgt mit ihrem "Textil-Aktionsplan" einen ähnlichen Ansatz wie das ETSA-Projekt. Schweizer Unternehmen wie die Weleda AG oder die Switcher SA haben eigene Recyclingprogramme entwickelt. Der Unterschied liegt jedoch im Ansatz: Während die Schweiz primär auf nationale Lösungen setzt, zeigt das ETSA-Projekt die Vorteile grenzüberschreitender Kooperation. Durch die Bündelung von Mengen aus mehreren Ländern werden kritische Volumina erreicht, die rentable Recyclingprozesse erst ermöglichen.

Konkrete Auswirkungen für Verbraucher und Wirtschaft

Für österreichische Verbraucher hat das Projekt zunächst keine direkten Auswirkungen – Miettextilien werden hauptsächlich in Gewerbe und Industrie eingesetzt. Indirekt profitieren jedoch alle: Die produzierten Isoliermatten können in österreichischen Bauprojekten verwendet werden und tragen zur Erreichung der Klimaziele bei. Gebäude mit besserer Dämmung verbrauchen weniger Energie, was wiederum die CO2-Bilanz Österreichs verbessert.

Wirtschaftlich gesehen schafft das Projekt neue Geschäftsmöglichkeiten. Österreichische Recyclingunternehmen könnten ähnliche Projekte entwickeln, während Bauunternehmen Zugang zu nachhaltigen Dämmmaterialien erhalten. Die SALESIANER Gruppe rechnet vor: Ein Kilogramm recycelter Textilien spart gegenüber der Neuproduktion etwa 3,5 Kilogramm CO2-Äquivalente ein.

Arbeitsplätze und regionale Entwicklung

Das Projekt wirkt auch als Impulsgeber für den Arbeitsmarkt. In Polen entstehen durch die Recyclinganlage neue Arbeitsplätze, während in Österreich Logistik- und Sammelaktivitäten zusätzliche Beschäftigung schaffen. Die SALESIANER Gruppe schätzt, dass durch das Projekt allein in ihrem Einzugsbereich etwa 15 bis 20 neue Arbeitsplätze entstehen könnten.

Besonders interessant ist die regionale Dimension: Viele der beteiligten Textilien stammen aus österreichischen Betrieben – von Wiener Hotels über Tiroler Restaurants bis hin zu steirischen Produktionsunternehmen. Diese regionale Verankerung sorgt dafür, dass die Transportwege relativ kurz bleiben und die Umweltbilanz des Recyclings positiv ausfällt.

Technische Innovation und Zukunftsperspektiven

Das Recyclingverfahren selbst ist technisch anspruchsvoll. Die gesammelten Textilien werden zunächst nach Materialtypen sortiert – Baumwolle, Polyester, Mischgewebe erfordern unterschiedliche Behandlungen. Anschließend erfolgt eine Faseraufbereitung, bei der die Textilien mechanisch zerkleinert und zu neuen Fasern verarbeitet werden. Diese werden dann mit Bindemitteln zu stabilen Isoliermatten gepresst.

Die Qualität dieser recycelten Isoliermatten entspricht den höchsten europäischen Standards. Sie erreichen Dämmwerte von bis zu 0,035 W/(m·K) und sind dabei vollständig recyclebar. Ein wichtiger Vorteil gegenüber herkömmlichen Dämmstoffen: Sie enthalten keine gesundheitsschädlichen Fasern und sind biologisch abbaubar.

Ausblick auf weitere Entwicklungen

Dr. Mathias Nell von der SALESIANER Gruppe sieht das aktuelle Projekt erst als Anfang: "Kooperative Ansätze wie dieses Recyclingprojekt machen sichtbar, dass professionelle Textildienstleister nicht nur Verantwortung für die Nutzung, sondern auch für das Lebensende von Textilien übernehmen." Geplant sind bereits Erweiterungen auf andere Textilkategorien und möglicherweise auch auf andere Recyclingprodukte.

Die Europäische Kommission beobachtet das Projekt mit großem Interesse. Sollte es erfolgreich verlaufen, könnte es als Blaupause für ähnliche Initiativen in anderen Branchen dienen. Bereits jetzt zeigen Hersteller von Bettwäsche, Vorhängen und technischen Textilien Interesse an einer Beteiligung.

Herausforderungen und kritische Aspekte

Trotz aller Erfolgsaussichten steht das Projekt auch vor Herausforderungen. Die Logistik ist komplex: Textilien müssen europaweit gesammelt, sortiert und nach Polen transportiert werden. Dies erfordert präzise Koordination und kann bei Störungen schnell unwirtschaftlich werden. Die Transportkosten sind ein kritischer Faktor – nur durch die Bündelung großer Mengen bleibt das System rentabel.

Ein weiterer Aspekt ist die Qualitätskontrolle. Nicht alle ausgehenden Miettextilien eignen sich für das Recycling zu Isoliermatten. Stark verschmutzte oder chemisch behandelte Textilien müssen aussortiert werden, was zusätzliche Kosten verursacht. Die SALESIANER Gruppe investiert daher erheblich in Schulungen für ihre Mitarbeiter, um die Sortierqualität zu verbessern.

Auch rechtliche Aspekte spielen eine Rolle. Grenzüberschreitender Abfalltransport unterliegt strengen EU-Regelungen. Jede Sendung muss korrekt deklariert und dokumentiert werden. Die ETSA-Mitglieder haben deshalb ein gemeinsames Compliance-System entwickelt, das alle relevanten Vorschriften berücksichtigt.

Wirtschaftliche Bewertung und Marktpotenzial

Aus wirtschaftlicher Sicht zeigt das Projekt beachtliche Perspektiven. Der europäische Markt für Dämmstoffe umfasst jährlich etwa 50 Milliarden Euro. Nachhaltige Alternativen gewinnen dabei kontinuierlich Marktanteile. Die aus recycelten Textilien hergestellten Isoliermatten könnten mittelfristig einen Marktanteil von 2-3 Prozent erreichen, was einem Volumen von etwa 1-1,5 Milliarden Euro entspräche.

Für die SALESIANER Gruppe bedeutet das Projekt auch eine strategische Neuausrichtung. Bisher war das Unternehmen primär Dienstleister – künftig wird es auch zum Rohstofflieferanten für die Recyclingindustrie. Diese Diversifikation kann neue Ertragsquellen erschließen und das Geschäftsmodell stabilisieren.

Die Investitionskosten sind beträchtlich: Allein für die Sortier- und Logistikinfrastruktur rechnet die SALESIANER Gruppe mit Ausgaben im mittleren sechsstelligen Bereich. Diese Investitionen sollen sich jedoch binnen drei bis vier Jahren amortisieren, vorausgesetzt, das Projekt erreicht die geplanten Volumina.

Das ETSA-Recyclingprojekt markiert einen Wendepunkt in der europäischen Textilwirtschaft. Es zeigt, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sich nicht ausschließen müssen. Mit österreichischer Beteiligung entstehen Lösungen, die weit über die Grenzen der Miettextilbranche hinaus Wirkung entfalten könnten. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob aus diesem Pilotprojekt ein neuer Industriestandard erwächst.

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