Wien, 20. November 2025. Österreich steht vor einem spannenden Fernsehabend: Am 22. November startet ORF III mit der neuen Serie „Österreichs große Skandale“, die die wohl dunkelsten Kapitel der Zweiten Republik beleuchtet. Diese Dokumentationsreihe verspricht, die Zuschauer in die dramatischen Erei
Wien, 20. November 2025. Österreich steht vor einem spannenden Fernsehabend: Am 22. November startet ORF III mit der neuen Serie „Österreichs große Skandale“, die die wohl dunkelsten Kapitel der Zweiten Republik beleuchtet. Diese Dokumentationsreihe verspricht, die Zuschauer in die dramatischen Ereignisse und die damit verbundenen politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen zu entführen. Die Aktualität dieser Serie könnte kaum größer sein, denn die behandelten Themen haben bis heute Auswirkungen auf das politische und gesellschaftliche Leben in Österreich.
Die „AKH-Affäre“ ist der Auftakt der Serie und widmet sich dem wohl größten Bauskandal der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Bereits 1964 begannen die Planungen für den Neubau des Allgemeinen Krankenhauses Wien (AKH), doch niemand ahnte, dass sich das Projekt über 30 Jahre hinziehen und die geplanten Kosten von einer Milliarde Schilling auf über 40 Milliarden steigen würden. Das AKH wurde damit zum teuersten Krankenhaus Europas.
1980 deckte der profil-Journalist Alfred Worm, unterstützt vom Wiener ÖVP-Politiker Erhard Busek, ein Netzwerk aus korrupten Akteuren auf, die in die Bauarbeiten involviert waren. Im Zentrum stand der Bauherr der Stadt Wien, Adolf Winter, der von den am Bau beteiligten Firmen Schmiergelder in Höhe von 30 Millionen Schilling verlangte, die auf Konten in Liechtenstein und der Schweiz flossen. Der Skandal erschütterte die österreichische Öffentlichkeit und führte zu mehreren Verurteilungen, darunter eine neunjährige Haftstrafe für Winter.
Der damalige Bundespräsident Rudolf Kirchschläger prägte in diesem Kontext den Ausdruck „Trockenlegung der Sümpfe und sauren Wiesen“, der sich in das kollektive Gedächtnis der Österreicher einbrannte. Diese Worte stehen bis heute für den Kampf gegen Korruption und Misswirtschaft. Der Skandal hatte auch politische Folgen: Die Wiener SPÖ, die in den 1970er und 1980er Jahren die absolute Mehrheit in Wien hielt, geriet unter Druck, ebenso wie der damalige Finanzminister Hannes Androsch.
Im Vergleich zu anderen Ländern wie Deutschland oder der Schweiz zeigt der AKH-Skandal, wie tiefgreifend Korruption ein System durchdringen kann. Während in Deutschland Skandale wie der um den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) für Schlagzeilen sorgten, bewegte die AKH-Affäre durch ihre enorme finanzielle Dimension und die politische Verstrickung die Gemüter in Österreich besonders stark. In der Schweiz sind solch groß angelegte Korruptionsfälle seltener, was auch auf die dezentrale politische Struktur zurückzuführen ist.
Ein weiterer bedeutender Fall, den die Serie beleuchtet, ist der Skandal um Kardinal Groër. Am 27. März 1995 veröffentlichte das Wochenmagazin „profil“ Missbrauchsvorwürfe gegen den Wiener Erzbischof Hans Hermann Groër. Diese Enthüllung war ein Tabubruch, der das katholische Österreich erschütterte. In den Wochen nach der Veröffentlichung traten immer mehr Opfer an die Öffentlichkeit, während die Kirche versuchte, die Vorwürfe zu dementieren und eine geschlossene Front zu bilden.
Der Fall Groër führte zu einer tiefen Spaltung innerhalb der Kirche und der Gläubigen. Besonders die Verteidigungsstrategien von Diözesanbischof Kurt Krenn sorgten für Kontroversen. Der Skandal markierte einen Wendepunkt: Hunderttausende traten aus der Kirche aus, und es formierte sich die Reformbewegung „Wir sind Kirche“. Jahre später wurde mit der Einrichtung der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft ein wichtiger Schritt im Umgang mit Missbrauchsfällen gesetzt.
Die Dokumentation von Judith Doppler lässt Medienvertreter, Kircheninsider und Zeitzeugen zu Wort kommen und zeigt, wie dieser Skandal das Verhältnis Österreichs zur katholischen Kirche nachhaltig veränderte.
Die Auswirkungen dieser Skandale auf die österreichische Bevölkerung sind bis heute spürbar. Die AKH-Affäre führte zu einem wachsenden Misstrauen gegenüber öffentlichen Bauprojekten und der Politik. Viele Bürger forderten mehr Transparenz und eine strengere Kontrolle öffentlicher Gelder. Der Skandal um Kardinal Groër hingegen führte zu einer massiven Austrittswelle aus der katholischen Kirche und einer stärkeren Sensibilisierung für das Thema sexueller Missbrauch.
Die Aufarbeitung der Skandale in der ORF-Serie könnte einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung und zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit leisten. Es bleibt zu hoffen, dass durch die Auseinandersetzung mit diesen Themen ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Transparenz und Verantwortlichkeit in Politik und Kirche geschaffen wird. Die Serie könnte zudem den Anstoß für weitere Reformen in diesen Bereichen geben.
Insgesamt zeigt die Serie „Österreichs große Skandale“, wie wichtig es ist, aus der Vergangenheit zu lernen, um die Zukunft zu gestalten. Die kommenden Folgen, die sich unter anderem mit der BAWAG-Affäre und dem Doping-Skandal befassen werden, versprechen weitere spannende Einblicke in die österreichische Zeitgeschichte.
Weitere Details zum Programm von ORF III Kultur und Information sind unter tv.ORF.at/orf3 abrufbar. Für Interessierte bietet die Webseite umfassende Informationen zu den einzelnen Dokumentationen und den historischen Hintergründen.
Die Serie „Österreichs große Skandale“ ist nicht nur ein Fernsehereignis, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung und Diskussion der österreichischen Geschichte. Es bleibt abzuwarten, welche Reaktionen die Ausstrahlung hervorrufen wird und welche Lehren daraus gezogen werden können.